MFA: Hochwertige Arbeit für wenig Geld

Gesundheitspolitik Autor: Anke Thomas

BilderBox

Seit 50 Jahren vertritt der Verband medizinischer Fachberufe, die Interessen der Medizinischen Fachangestellten (MFAs) in Human-, Zahn- und Tierarztpraxen. Aufgaben und Rahmenbedingungen für die MFAs haben sich enorm gewandelt, doch etliches liegt noch im Argen, wie die erste geschäftsführende Vorsitzende des Verbandes, Hannelore König, erklärt.

"Unser Dank gilt zunächst insbesondere den mutigen Gründerfrauen, deren wichtigstes Ziel es anfangs war, die Situation der Kolleginnen in den niedergelassenen Arztpraxen zu verbessern", sagt König zum 50sten Geburtstag des Verbandes medizinischer Fachberufe. Im Vergleich zu damals hat sich das Berufsbild von der Sprechstundenhilfe über die Arzthelferin bis hin zur Medizinischen Fachangestellten enorm gewandelt.


Heute übernehmen die MFAs nicht selten die Position der kompetenten Managerin der Praxis, die nicht nur medizinisches Fachwissen, sondern auch organisatorische Fähigkeiten und verwaltungstechnische Kenntnisse benötigt. Der Beruf ist keine Sackgasse mehr. Vielfältige Weiter- und Fortbildungsangebote, die bis zum Übergang in ein Studium reichen, stehen den MFAs heute zur Verfügung. Auch Weiterbildungen, die den Arzt entlasten sollen, begrüßt Hannelore König, wie etwa die zur Verah oder zur Praxisassistentin.


Die Kritik, dass MFAs zwar zur Verah fortgebildet, dann aber häufig weder entsprechend eingesetzt werden noch eine höhere Vergütung erhalten, kennt König. Wir sind froh, sagt sie, dass der Hausärzteverband das Problem erkannt hat und an Hausärzte diesbezüglich appelliert.

Fakten und Zahlen

• Gründung: Januar 1963

• Mitgliederzahl: ca. 25 000

• Verhandlungspartner für den Abschluss von Tarifverträgen

• Anbieter von Weiter- und Fortbildungen

• Rechtsberatung und -vertretung

• Einstiegsgehälter für MFAs im ersten bis dritten Berufsjahr von 1538 (TG I) bis 1615 Euro (TG II); im vierten bis sechsten Berufsjahr von 1641 (TG I) bis 1970 Euro (TG IV)

• Beschäftigte insgesamt (Human-, Zahn-, Tierarzt): 630 000, davon 98,7 % weiblich, 1,3 % männlich

• Beschäftigungsstruktur: 
2010: insgesamt 394 000 MFAs, ca. 33 % Teilzeitbeschäftigte

• Arbeitslose MFAs: rund 11 500 (Stand September 2012), zum Vergleich Höchststand arbeitslose MFAs im September 2005: 25 257

• Neu abgeschlossene Azubiverträge 2011: 14 334, davon ohne Hauptschulabschluss: 153, mit Hauptschulabschluss: 2679, mit Realschulabschluss: 9351, mit Hochschul-/Fachhochschulreife: 1887


Aber auch die Krankenkassen sind gefragt. Denn das Honorar, das Kassen etwa für einen „normalen“ MFA-Hausbesuch vorgesehen haben, ist betriebswirtschaftlich unhaltbar.

Gute MFAs werden in Zukunft Mangelware sein

Die Vergütung und die Arbeitsbedingungen der MFAs sind im Übrigen Dauerbrenner, um die sich der Verband kümmert. Es kann nicht sein, dass eine MFA einen Stundenlohn von unter 10 Euro brutto für ihre anspruchsvolle Tätigkeit erhält und damit oft noch nicht einmal ihre Grundbedürfnisse (Miete, Essen, Kleidung etc.) abdecken kann.


Angebot und Nachfrage werden dieses Problem in nicht allzu ferner Zukunft lösen helfen, glaubt König, denn die Nachfrage nach qualifizierten MFAs wird weiter steigen. In einigen Gebieten gibt es jetzt schon einen Mangel, Praxen suchen händeringend nach Personal. Viele gut ausgebildete Kräfte, weiß König, suchen das Weite und finden z.B. bei den Krankenkassen oder in Krankenhäusern Jobs, in denen sie nicht nur besser bezahlt werden, sondern auch weitaus attraktivere Arbeitsbedingungen finden.


Dass Ärzte, MFAs und andere Gesundheitsberufe gemeinsam demonstriert haben, war gut, um der Politik zu verdeutlichen, welche Bedeutung dieser Branche zukommt. Gegenüber Krankenkassen sollten Ärzte, so der Wunsch des Verbandes, als verantwortungsvolle Arbeitgeber sich auch für die adäquate Entlohnung ihres Personals einsetzen. Mittlerweile stehen MFAs aber auch selbst auf Protest- und Podiumsveranstaltungen, sagt König, und vertreten ihre eigenen Interessen sehr selbstbewusst.


Um dem drohenden Personalmangel zu begegnen, rät König Ärzten dazu, sich frühzeitig um Auszubildende zu kümmern und sich nicht erst auf den letzten Drücker auf die Suche zu begeben. In Schülerpraktika etwa kann der Nachwuchs testen, ob die Anforderungen des Berufes seinen Vorstellungen entspricht.

Ärzte im Konkurrenzkampf mit allen Arbeitgebern

Hier findet längst ein Wettbewerb unter den Arbeitgebern aller Branchen statt, sagt König, dem sich Ärzte – wollen sie diesen Konkurrenzkampf ums beste Personal nicht verlieren – stellen müssen.


Ideal wäre, so König weiter, wenn jede Hausarztpraxis z.B. eine junge und eine erfahrenere Verah oder Praxisassistentin ausbilden würde, damit sich diese gegenseitig ergänzen und Praxen die hohe Fachkompetenz ihres Personals gewährleisten können.


Zudem sollten Ärzte versuchen, ihre kompetenten Fachkräfte in jeder Lebensphase, z.B. durch Teilzeitjob-Angebote während der Familiengründung, zu halten. Denn ohne MFAs könnten viele Praxen ihren Betrieb nicht erfolgreich aufrechterhalten.