Pflegequalität: besser, aber noch nicht top

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Der vierte Pflege-Qualitätsbericht des MDS zeigt deutliche Verbesserungen in der Pflege. Zugleich legt er aber noch immer bestehende Defizite offen, z.B. in der Wundversorgung und der Schmerzbehandlung sowie bei der Ernährung der Pflegebedürftigen.

Dem repräsentativen Bericht liegen Daten aus über 23 211 MDK-Qualitätsprüfungen im Jahr 2013 zugrunde, die 146 000 Menschen einschlossen. Bei der Vorstellung des Berichts erklärte Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes: „Wo Licht ist, ist immer auch Schatten.“ Die Ergebnisse gäben Anlass zu Optimismus, aber keinesfalls Anlass, sich auf dem Status quo auszuruhen.

Geprüft wurde in 12 190 stationären Pflegeeinrichtungen und bei 11 021 ambulanten Pflegediensten. Dabei wurden viele Verbesserungen im Vergleich zu den Vorjahren sichtbar – aber auch Schwachstellen.

So zeigte sich etwa beim Schmerzmanagement in den Heimen, dass 37 % der Bewohner eine systematische Schmerzeinschätzung benötigten. Doch nur bei vier von fünf der Schmerzpatienten erfolgte diese 2013 auch. 2012 war das sogar nur bei jedem zweiten geschehen.

Schmerzerfassung nur in vier von fünf notwendigen Fällen

In der ambulanten Pflege fand bei 32 % der Schmerzpatienten keine Schmerzerfassung statt. Das ist zwar besser als 2012 (38 %), aber längst nicht zufriedenstellend.

„Damit wurde in Kauf genommen, dass eine mögliche Anpassung der Schmerzmedikation nicht möglich war“, kritisierte Studienautor Jürgen Brüggemann. Das Problem sei besonders relevant bei Patienten mit Demenz, da sie sich nicht unmittelbar ausdrücken könnten.

Als weitere Defizite im stationären Pflegebereich wurden sichtbar: 11 % der Bewohner erhielten keine ausreichende personelle Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme. Bei 21 % der Patienten mit behandlungsbedürftigen Wunden wurden hygienische Standards der Wundversorgung missachtet (2012: 21 %) und in gut 24 % der Fälle wurde versäumt, zur Dekubitusprophylaxe Maßnahmen wie Lagerungswechsel in ausreichendem Umfang zu erbringen (2012: 41 %).

In der ambulanten Pflege offenbart der Bericht auch ein Manko bei der Medikamentengabe. In 14,5 % der geprüften Fälle waren dabei Fehler aufgetreten. Es wurden Medikamente verabreicht, für die keine ärztliche Verordnung vorlag, oder die Dosierung war falsch.

Selbstständigkeit beim Toilettengang fördern

Laut Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS, werden noch immer viele pflegebedürftige Menschen mit Windeln oder Kathetern versorgt, obwohl dies nicht nötig wäre. Er forderte die Pfleger auf, die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen beim Toilettengang zu fördern.

Kritische Stimmen zum MDS-Qualitätsbericht verweisen auf die überfälligen neuen Begutachtungskriterien für die Pflege und die unzureichenden Aussagen der Pflegenoten. Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, hält das System der Pflegenoten für gescheitert. Aus Sicht der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege bietet auch der aktuelle MDS-Qualitätsbericht „keine ausreichenden Informationen über die tatsächlich erbrachte Pflegequalität“.

Pflegenoten: Reform ist in Vorbereitung

GKV-Verbandsvorstand Kiefer verwies darauf, dass die GKV eine schnelle Änderung des Pflegenotensystems auf wissenschaftlich fundierter Basis und unter Einbeziehung der Pflegeverbände anstrebt; zwei Modellvorhaben wurden in Auftrag gegeben. Spätestens Anfang 2017 könne ein „völlig reformiertes System“ an den Start gehen.

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