Polnische Quarantäne-Regeln könnten zu Ärztemangel in deutschen Kliniken führen

Gesundheitspolitik Autor: Isabel Aulehla

Polnische Pendler, die die Grenze passieren, sollen bei ihrer Rückkehr nach Polen zunächst für zwei Wochen in Quarantäne. Polnische Pendler, die die Grenze passieren, sollen bei ihrer Rückkehr nach Polen zunächst für zwei Wochen in Quarantäne. © iStock/ra-photos

Um die Corona-Pandemie einzudämmen, haben Polen und Tschechien strenge Quarantäne-Regeln für Pendler beschlossen, die die Grenze passieren. In deutschen Kliniken könnte es dadurch zu Engpässen ­kommen.

Es ist ein harter Schlag für Kliniken und Pflegeeinrichtungen im deutsch-polnischen Grenzgebiet: Ab Freitagnacht (27.03.) um 24 Uhr müssen polnische Pendler, die in Deutschland arbeiten, nach ihrer Rückkehr zunächst für 14 Tage in Quarantäne. Für viele Pendler kommt das einer Schließung der Grenze gleich, sie werden ihren Tätigkeiten vorübergehend nicht mehr nachkommen können. Auch Ärzte, Krankenpfleger und andere Gesundheitsberufe sind betroffen.

Die Landesärztekammer Brandenburg befürchtet, dass die polnische Grenzpolitik zu „schwerwiegenden Engpässen“ in der medizinischen Versorung führen könnte: „In manchen Kliniken hat die Zahl der polnischen Mitarbeiter bereits eine Größenordnung von mehr als 30 % aller Beschäftigten erreicht. Der Großteil davon sind Ärztinnen und Ärzte,“ erklärte Kammer-Präsident Frank Ullrich Schulz. In Brandenburg arbeiten rund 280 polnische Mediziner, wie viele davon pendeln ist statistisch nicht erfasst. Die Ärztekammer hofft, dass die Landesregierung polnische Pendler finanziell unterstützen wird, wenn sie sich dafür entscheiden, vorübergehend in Deutschland zu bleiben.

Sachsen bietet Betroffenen 40 Euro pro Tag

Ein ähnliches Programm wurde in Sachsen bereits für tschechische und polnische Pendler aufgelegt, die im Gesundheitswesen oder daran angeschlossen Betrieben arbeiten, etwa in Wäschereien. Demnach bekommt jeder Betroffene, der sich dafür entscheidet, vorübergehend in Deutschland zu bleiben, pro Nacht 40 Euro. Enge Familienangehörige werden pro Nacht mit 20 Euro unterstützt. Die Regelung gilt zunächst für drei Monate. Sie wurde beschlossen, weil zwischenzeitlich auch die tschechische Regierung eine Quarantäne-Regelung für Berufspendler angekündigt hatte, die die Grenze passieren müssen. Inzwischen sind Beschäftigte im Gesundheitswesen von der Bestimmung ausgenommen. Trotzdem will der Freistaat an der finanziellen Hilfe festhalten, um den Pendlern Sicherheit zu geben. Außerdem soll es nun auch für polnische Betroffene gelten. In Sachsen sind rund 400 tschechische und 270 polnische Mediziner beschäftigt.

Die Ankündigung der tschechischen Regelung war für die sächsischen Kliniken sehr kurzfristig gekommen. Sie mussten schnell reagieren und hatten betroffenen Ärzten beispielsweise angeboten, eine Unterkunft in Deutschland zu bezahlen. „Maßnahmen wie freie Kost und Unterbringung waren bereits getroffen“, heißt es von den Asklepios-Kliniken in Sebnitz und Hohwald. Nun dürften die sächsischen Kliniken solche Maßnahmen eher ergreifen, um polnische Ärzte zu unterstützen.

In Kliniken herrscht die Ruhe vor dem Sturm

Auch in Bayern hatte die kurzfristige Ankündigung der tschechischen Quarantäne-Regelung für Unsicherheiten gesorgt. Die Krankenhausgesellschaft des Landes berichtet, einige Kliniken hätten betroffenen Medizinern angeboten, eine Unterkunft in Deutschland zu finanzieren. Soweit bekannt, habe seitens der Arbeitgeber trotzdem großes Verständnis dafür bestanden, wenn sich die Ärzte dafür entschieden, bei ihrer Familie in Tschechien zu bleiben. Daher habe man auch angeboten, das Arbeitsverhältnis zeitweise auszusetzen.

Insgesamt herrsche in den Kliniken derzeit die „Ruhe vor dem Sturm“, fasst der Sprecher der Bayerischen Krankenhausgesellschaft zusammen. Da momentan nur dringende Eingriffe gemacht werden, fürchte man teilweise bereits, Kurzarbeit anmelden zu müssen. Gleichzeitig würden sich die Kliniken darauf vorbereiten, dass zahlreiche COVID-19-Fälle auftreten könnten – während sie hoffen, dass genau das nicht passiert. Es sei eine „schizophrene Situation“.

Medical-Tribune-Bericht