Rauswurf und Anzeige für falschen Arzt

Gesundheitspolitik Autor: Ruth Bahners

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Gefälschte Zeugnisse und eine nachgemachte Facharztbescheinigung: Ein 40-Jähriger ohne formalen Abschluss hat in Düren als Klinikarzt gearbeitet.

Aufgefallen ist der selbst ernannte Chirurg, als Hinweise eines Kollegen an die Geschäftsführung Zweifel an der Echtheit seiner Dissertation nährten. Das Krankenhaus Düren hat den Mitarbeiter wegen Verdachts des Betrugs und der Urkundenfälschung angezeigt und fristlos gekündigt. Er muss noch mit Schadensersatzforderungen und eventuell auch mit einer Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung rechnen.

Gefälschtes Zeugnis und unbestätigte Doktortitel

„Wie wir nach intensiven Recherchen herausgefunden haben, soll der Mann, der als Assistent bei uns arbeitete, nicht nur die Promotionsurkunde gefälscht, sondern auch seine Approbation durch die Bezirksregierung Köln offenbar erschlichen haben“, teilt das Krankenhaus mit.

Nachforschungen hätten ergeben, dass die von dem Mitarbeiter vorgelegte Promotionsurkunde offenbar gefälscht ist. Nach Angaben der Universität, die die Urkunde ausgestellt haben soll, ist die Doktorarbeit dort nie geschrieben worden. Die gleiche Auskunft erteilten zwei andere Hochschulen, an denen der Mann angeblich in einem zweiten Studienfach ein Diplom und einen weiteren Doktortitel erworben haben will.

Unter diesem Eindruck habe die Klinik bei der Bezirksregierung noch einmal um Bestätigung der Echtheit der Approbationsurkunde gebeten, die den Mitarbeiter zur Ausübung des ärztlichen Berufs ermächtigte. Die Echtheit sei schriftlich bestätigt worden.

Weitere Nachforschungen beim Landesprüfungsamt ergaben, dass der Mann zwar Medizin studiert haben soll, aber vermutlich keine Prüfung absolviert hat. Das Zeugnis des Landesprüfungsamtes, das er vor zehn Jahren bei der Bezirksregierung in Köln zur Erlangung der Approbation vorgelegt hatte, war wohl auch gefälscht. Die Bezirksregierung hat inzwischen ebenfalls Anzeige erstattet.

Der Beschuldigte soll vor der Anstellung in Düren in einer Kölner Klinik als Assistent in der Allgemeinchirurgie gearbeitet haben. Auf Basis eines guten Zeugnisses dieser Klinik sei er in Düren eingestellt worden.

Bereits 2013 wurde in Düren ein Urologe angestellt, der kein Original seiner Approbationsurkunde vorgelegt hatte. Sechs Wochen später bemerkte das Haus den Betrug und überprüft seitdem jede Approbation bei der zuständigen Bezirksregierung. Im aktuellen Fall hatte sich diese durch gefälschte Nachweise selbst täuschen lassen. Es soll sich nur um beglaubigte Kopien gehandelt haben.

Auch bei der Ärztekammer Nord­rhein (ÄKNo) war der 40-Jährige unbekannt, seine Facharztbescheinigung der ÄKNo offenbar gefälscht, so der Justiziar der Kammer, Dirk Schulenburg, zu Medical Tribune.

„Lassen Sie sich immer die Originale der Dokumente vorlegen“, rät Schulenburg. Kopien, auch beglaubigte oder gar nur Scans in E-Mails, ließen sich zu leicht fälschen. Es gebe auch Fälle, da sei die Approbationsurkunde zwar echt, aber bereits widerrufen.

Eignung des Kandidaten überprüfen lassen

Wichtig sei das persönliche Gespräch. Ein erfahrener Arzt merke schon, mit wem er es zu tun habe. „Schräge Vögel melden sich aber gerne bei Angehörigen, wenn diese nach dem Tod des Praxisinhabers dringend einen Nachfolger suchen“, berichtet Schulenburg aus Erfahrung. Sie hofften dann, die „überforderte Witwe“ täuschen zu können.

Der Rat des Justiziars: Bestehen Zweifel an der Eignung eines Kandidaten für eine Praxisvertretung, eine Nachfolge oder eine Anstellung, sollte man sich an die zuständige Kammer wenden. Schulenburg: „Bei bestehenden Zweifeln geben wir Auskunft und raten meist ab.“


Quelle: Medical-Tribune-Bericht