Simsalabim mit Sumpfporst

Kolumnen Autor: Erich Kögler

An sich sind die meisten homöopathischen Mischungen ungefährlich, weil sie kaum Wirkstoff enthalten, meint Erich Kögler. © fotolia/Gerhard Seybert

Alternative Heilmethoden - in unserer Meinungskolumne "Mit spitzer Feder".

Der Sumpfporst, auch Wilder Rosmarin genannt, hat kürzlich erst einen Patienten von seiner Osteomyelitis geheilt. Das jedenfalls behauptete eine Rednerin aus der Schweiz auf dem "Homöopathischen Weltärztekongress", der Mitte Juni in Leipzig stattgefunden hat. Ein anderer Referent gab bei dieser Gelegenheit einen Überblick über den außerordentlichen Erfolg der Homöopathie bei der Bekämpfung von Epidemien.

Es ist kaum zu glauben, denn schließlich schreiben wir das Jahr 2017. Und dennoch sind nach wie vor unvorstellbar viele Menschen überzeugt davon, dass diese alternative Heilmethode, wie die Homöo­pathen selbst sie nennen, tatsächlich ein ernsthafter Gegenentwurf zur Schulmedizin sein könnten. Dabei beruht das, was heute sogar Krankenkassen zahlen, immer noch auf den Theorien eines gewissen Samuel Hahnemann, der 1790 die Chinarinde solange verdünnte, bis das Verhältnis dem einer im Pazifik aufgelösten Aspirin-Tablette entsprach.

"Osteomyelitis geheilt und Epidemien bekämpft – ernsthaft?"

Im Großen und Ganzen funktioniert Homöopathie noch heute nach dem gleichen Prinzip. Das werden selbst jene rund 7000 Ärzte zugeben müssen, die in der Bundesrepublik ihren Patienten sowohl klassische als auch "alternative" Behandlungswege anbieten. Wie das zusammenpassen soll, erschließt sich mir nicht. Natalie Grams, einer Ärztin aus Heidelberg, ging es wohl ähnlich – sie wandte sich von der Homöopathie ab, schrieb ein vielbeachtetes Buch zum Thema und sperrte ihre Praxis zu. Seither fühlt sie sich wie eine Sekten-Aussteigerin und wird von Hardcore-Gegnern als Nestbeschmutzerin beschimpft und sogar bedroht.

An sich sind die meisten homöopathischen Mischungen ungefährlich, weil sie kaum Wirkstoff enthalten. Ob ein Mensch mit einem harmlosen Schnupfen sie schluckt oder nicht, ist egal, denn der Virusinfekt ist nach einigen Tagen sowieso verschwunden. Gefährlich wird es aber trotzdem immer wieder mal. In Italien beispielsweise starb ein Siebenjähriger an den Komplikationen einer eigentlich leicht behandelbaren Mittelohrentzündung, weil seine Eltern auf homöopathische Mittel statt auf Antibiotika setzten – selbst dann noch, als es dem kleinen Francesco immer schlechter ging. Ein Verbrechen!

"Wer glaubt, die könnten Krankheitsverläufe beeinflussen, ist nicht ganz bei Trost!"

Die so gern gegen alle möglichen Beschwerden verabreichten Globuli sind nichts anderes als Kügelchen aus Rohr- oder Milchzucker. Wer dennoch glaubt, die könnten Krankheitsverläufe beeinflussen, ist meiner Meinung nach nicht ganz bei Trost. Homöopathie ist in meinen Augen vielmehr eine unlautere Methode, die kranken Menschen vorgaukelt, heilen zu können, obwohl der wissenschaftliche Beweis für diese steile These niemals erbracht worden ist. Bleibt mir mit eurem ach so lieblich-grünen Simsalabim also bloß vom Leib!