Unnötige OP? Vielleicht bei anderen, bei mir nicht!

Gesundheitspolitik Autor: Michael Reischmann

Die wichtigste Informationsquelle für die Wahl eines Krankenhauses ist der Haus- oder Facharzt. Die wichtigste Informationsquelle für die Wahl eines Krankenhauses ist der Haus- oder Facharzt. © iStock/inga

Die Krankenkassen sorgen sich um die medizinische Qualität in den Kliniken. Die Bürger teilen die Befürchtungen, haben aber selbst wenig zu kritisieren. Mit ihrer eigenen Behandlung waren 56 % sehr und 38 % eher zufrieden.

Die Zeit ist reif für den Umbau der Krankenhausstrukturen, meint die Vorstandschefin des Ersatzkassenverbandes vdek, Ulrike Elsner. Sie spricht sich für eine Konzentration und Spezialisierung von Hospitälern in Ballungsgebieten sowie für die Umwidmung kleiner, ländlicher Häuser zu ambulant-stationären Basisversorgern aus.

Der Rat des Hausarztes zählt

Als Kronzeugen für den Veränderungsbedarf will der vdek die Versicherten anführen. Allerdings ergibt eine Umfrage vom November/Dezember 2019: Ganz allgemein vermuten die Menschen zwar, dass es um die Versorgung nicht überall bestens bestellt ist und deshalb längere Anreisen zu spezialisierten Zentren sinnvoll sind. Doch ihre eigenen Erfahrungen sind überwiegend positiv. Etwa jeder Dritte mutmaßt, dass die Qualität der Krankenhäuser mittelmäßig (30 %) oder schlecht (6 %) ist. Mit ihrer eigenen Behandlung innerhalb der letzten zehn Jahre waren allerdings 56 % sehr und 38 % eher zufrieden. Eher oder sehr unzufrieden äußerten sich nur 6 %. Ähnlich sieht es bei medizinisch unnötigen Operationen aus: 37 % vermuten, dass so etwas häufig vorkommt. Dass ihre eigene OP notwendig war, glauben dagegen 92 %.

Die wichtigste Informationsquelle für die Wahl eines Krankenhauses ist der Haus- oder Facharzt (93 %), gefolgt von Angehörigen, Freunden oder Bekannten (77 %). Informationen im Internet von Kassen oder anderen Portalen interessieren nur 51 %. Elsner schließt daraus: Die gemeinsame Selbstverwaltung muss die Niedergelassenen „noch stärker unterstützen“ und sie in die Lage versetzen, ihre Patienten bezüglich OP-Notwendigkeit und Qualitätsaspekten zu informieren.

Qualität der Klinik wird an der Sauberkeit abgelesen

Das Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen hat vor einem Jahr vom G-BA den Auftrag erhalten, ein Portal zu entwickeln, das einrichtungs- und indikationsbezogene Übersichten zur Qualität der stationären Versorgung enthält.

Die Umfrage für den vdek zeigt, dass die Bürger mit dem Beurteilen der Klinikqualität überfordert sind. Als wichtigstes Kriterium für die Wahl eines Hauses nannten 98 % Sauberkeit und Hygiene und 92 % die Empfehlung des Haus- oder Facharztes. Dann folgen der Ruf des behandelnden Arztes oder der Klinik. Die Größe des Krankenhauses finden dagegen drei Viertel weniger oder gar nicht wichtig. 87 % befürchten allerdings, dass die Schließung kleiner Krankenhäuser die Betreuung auf dem Land gefährdet.

„Es geht nicht darum, den Menschen die Grundversorgung zu nehmen“, beteuert Elsner. Sie empfiehlt, kleine Krankenhäuser in ländlichen Regionen zu Einrichtungen umzubauen, wo auch Niedergelassene tätig sind oder Tagespflegeangebote bestehen. Rechtlich sei das längst machbar, es hapere noch an der Umsetzung. Mit zwei, drei Best-Practice-Beispielen könnten vermutlich Regionalpolitiker überzeugt werden, solch einen Wandel zu unterstützen.

Korrekturbedarf sieht der vdek ferner im DRG-System. Es müssten stärker die unterschiedlichen Kosten der Basis-, Schwerpunkt- und Spezialversorgung berücksichtigt sowie Fehlanreize zur Mengenausweitung beseitigt werden.

Quelle: vdek-Pressekonferenz


Ulrike Elsner; Vorstandsvorsitzende des vdek Ulrike Elsner; Vorstandsvorsitzende des vdek © vdek/Georg J. Lopata