Was geht es das dümmliche Volk schon an?

Kolumnen Autor: Erich Kögler

Sowohl Politikverdrossenheit als auch Protest-Wahlverhalten dürfen nicht verwundern. © iStock.com/SergeyIT

Herbizide, Fungizide, Insektizide: Entscheidungen der Politik, die das Volk anscheinend nichts angehen – in unserer Meinungskolumne "Mit spitzer Feder".

Was für ein groteskes Selbstverständnis hat dieser Mann, wie impertinent interpretiert er seine Rolle und seine Aufgabe? Die Rede ist von Peter Hauk, Baden-Württembergs Minister für „Ländlichen Raum, Verbraucherschutz und Landwirtschaft“. Nachdem der Naturschutzbund (NABU) Ende März seinen Pestizid-Bericht vorgelegt hatte, erklärte Hauk bei einer Pressekonferenz, es gehe die Bevölkerung nichts an, welche Mengen Herbizide, Fungizide oder Insektizide die Landwirte, Obstbauern oder Winzer ausbringen.

In Zeiten, in denen weltweit über den Einsatz von Glyphosat und Co. und das damit einhergehende Bienensterben diskutiert wird, zeigt der oberste „Verbraucherschützer“ aus dem ausgerechnet grün-schwarz regierten Musterländle, wessen Wohl ihm wirklich am Herzen liegt. Zwar ruderte er einige Tage später zurück („Ich habe zu emotional reagiert!“). Es sei nicht seine Absicht gewesen, dass in der Öffentlichkeit durch seine Äußerung ein falscher Eindruck entstanden sei. Entlarvend bleibt die ursprüngliche Aussage dennoch, zu tief stand er mit beiden Füßen im Fettnapf. Wenn nämlich Emotionen den Filter ausschalten, kommt meist die wahre Denke zum Vorschein.

Schalten Emotionen den Filter aus, kommt die wahre Denke zum Vorschein

Der gute Herr Hauk steht mit seiner Ansicht wahrscheinlich nicht allein. Wie er denken insgeheim bestimmt viele seiner Politikerkollegen. Was geht es das dümmliche Volk schon an, was in Ministerien und Gremien besprochen und entschieden wird? Andererseits ist das Jammern und Wehklagen an Wahlabenden groß, wenn die Wahlbeteiligung ständig schrumpft oder eine Partei auf dem rechten Flügel des Spektrums gewaltigen Zulauf verzeichnet.

Sowohl Politikverdrossenheit als auch Protest-Wahlverhalten dürfen nicht verwundern. Schon die ersten Tage der neuen GroKo lieferten den Kritikern reichlich neue Munition. Als Vorreiter in Sachen Empathie und Fingerspitzengefühl entpuppte sich dabei ausgerechnet unser neuer Gesundheitsminister Spahn mit seinen unsäglichen Debattenbeiträgen zum Thema Armut. Die Liste lässt sich nach Belieben erweitern: Ein Goldman-Sachs-Banker hält im Finanzministerium Einzug, der aus München weggemobbte Seehofer beruft in das aus neun Staatssekretären bestehende Führungsteam seines neuen Superressorts keine einzige Frau, und so weiter, und so weiter …

Aber, wieso rege ich mich eigentlich auf? Fragen wir den eingangs erwähnten Peter Hauk, so werden wir schon die richtige Antwort erhalten: Es geht uns doch gar nichts an! Schließlich betont die Kanzlerin doch immer wieder gebetsmühlenartig, dass man hierzulande „gut und gerne“ lebt – alles andere hat uns nicht zu interessieren …