Was kosten denn 50 IQ-Punkte?

Kolumnen Autor: Erich Kögler

Schon heute gibt es Technologien, mit denen Texte per Gedanken in einen Computer geschrieben werden. © Fotolia/peshkova

Zur Hälfte Mensch, zur Hälfte Roboter – in unserer Meinungskolumne „Mit spitzer Feder".

Es ist ein Horrorszenario, das einem kalte Schauer über den Rücken jagt. „Brainhacking“ nennen die Experten die wahrhaft schauerliche Zukunftsvision, die sich einst weder George Orwell noch Aldous Huxley in ihren Romanen auszumalen vermochten. Wissenschaftler halten es nämlich längst für möglich, die menschliche Gehirnleistung durch Technik zu steigern. Die Vermischung von Mensch und Maschine ist demnach bereits in vollem Gange.

Was sich zunächst wie das Drehbuch für einen Science-Fiction-Thriller anhören mag, gehört mancherorts mittlerweile zum Forschungsalltag. So ist es unlängst gelungen, dass bestimmte Abläufe, die Ratten in einem US-Labor gelernt haben, digital versendet und in Ratten in einem brasilianischen Labor eingespeist wurden. Am Ende verhielten sich beide Rattengruppen in ähnlichen Situationen gleich – das erste bioneuronale Netzwerk der Welt! Noch funktioniert das nur bei Ratten, noch...

Schon heute können Hirnaktivitäten in bemerkenswertem Maße beeinflusst werden. Das Start-up „Thync“ beispielsweise hat ein System entwickelt, das sich Nutzer an die Stirn klemmen und zusätzlich eine Elektrode am Hinterkopf anbringen. Die Nutzer können dann per App bestimmen, ob sie sich entspannen oder anspannen möchten – Gemütszustand also quasi auf Knopfdruck.

Miriam Meckel, Dozentin an der Universität in Sankt Gallen, befürchtet Schlimmes. Die Herausgeberin der „WirtschaftsWoche“ warnte schon im vergangenen Jahr vor dem Entstehen einer neuen Form von Kapitalismus, dem sogenannten Neurokapitalismus. Wie furchtbar ist denn auch die Vorstellung, dass nicht mehr lebenslanges Lernen schlau macht, sondern schnöder Mammon. Wer es sich leisten kann, erkauft sich neue Fähigkeiten, der Trottel wird so über Nacht zum Intellektuellen.

In Anlehnung an die Abtreibungsdebatte: Mein Kopf gehört mir!

Muss dem technischen „Fortschritt“ nicht spätestens dann ein Stoppschild vorgehalten werden, wenn Menschen Datenströme empfangen, aussenden und durchleiten können? Was bedeutet es für die Gesellschaft, wenn wir in Zukunft nicht mehr telefonieren, sondern per Telepathie kommunizieren? Was geschieht, wenn das Hirn zur neuen Produktivitätskraft wird?

Schon heute gibt es Technologien, mit denen Texte per Gedanken in einen Computer geschrieben werden. Diese Zeilen übrigens wurden auf ganz und gar altmodische Art und Weise mit zwei Zeigefingern in die Tastatur geklopft. In Anlehnung an den Slogan einer früheren Abtreibungsdebatte bin ich nämlich versucht auszurufen: Mein Kopf gehört mir!