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Quarantäne-Apps könnten Gesundheitsämtern helfen, den Überblick zu behalten

e-Health , Apps und Internet Autor: Cornelia Kolbeck

Was kann man schon machen, wenn einem 14 Tage häusliche Quarantäne auferlegt wurden? Was kann man schon machen, wenn einem 14 Tage häusliche Quarantäne auferlegt wurden? © iStock/agrobacter
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Digitale Lösungen finden in der Coronakrise Zuspruch. So hoffen Gesundheitsämter, dass mithilfe von Apps die Betreuung von Erkrankten in häuslicher Quarantäne besser zu schaffen ist. Für eine Pflegerin kommt diese Option zu spät.

Eine Vogtländerin (63), bereits im Ruhestand, hilft in der Coronakrise im Krankenhaus aus und versorgt hier u.a. eine – wie sich später herausstellt – mit SARS-CoV-2 infizierte Patientin. Drei Tage nach Auftreten von Fieber ließ sich die Pflegerin testen. Zwei Tage später teilte das Gesundheitsamt ihr ein positives Testergebnis mit. Die Frau erhält Quarantäneauflagen, wird auch täglich von Gesundheitsamt angerufen. Am elften Tag nach dem ersten Fieber stirbt sie, ohne ärztlich versorgt worden zu sein, berichtet die Regionalzeitung Freie Presse. Die Angehörigen seien fassungslos.

Wer hat den Kontakt zum Erkrankten zu halten?

Offenbar hatte die Frau ihre gesundheitliche Lage falsch eingeschätzt und auch ihre Kinder, die täglich mit ihr kommunizierten, nicht ausreichend über die Verschlechterung ihres Zustandes informiert. Vieles ist hier noch zu klären. „Wir Hausärzte bekommen vom Gesundheitsamt nicht automatisch eine Meldung zu diesen Fällen“, sagt Steffen Heidenreich, Vorsitzender des Sächsischen Hausärzteverbandes, gegenüber der Freien Presse. Das Gesundheitsamt argumentiert, dass dessen „telefonische Gesundheits­überwachung seuchenhygienischen Zwecken“ diene und es deshalb keine Verantwortung für den gesundheitlichen Zustand des Patienten übernehmen könne.

Das Robert Koch-Institut beschreibt das Vorgehen im Infektionsfall ganz klar. Leicht erkrankte Patienten ohne Risikofaktoren für Komplikationen (z.B. Immunsuppression, relevante chronische Grunderkrankungen, hohes Alter) können bei einer gewährleisteten ambulanten Betreuung durch einen Arzt sowie im Austausch mit dem zuständigen Gesundheitsamt bis zur vollständigen Genesung im häuslichen Umfeld behandelt werden. Dazu gehöre der regelmäßige telefonische oder persönliche Kontakt zum Patienten.

In einem Flyer für Patienten heißt es: „Bei einer Verschlechterung des Zustandes informieren Sie bitte umgehend Ihre/n Hausarzt/Haus­ärztin.“ Den Patienten wird auch ein Selbstmonitoring empfohlen, per Tagebuch. Der ambulant betreuende Arzt und das Gesundheitsamt sollten bei Zunahme der Beschwerden gemeinsam und frühzeitig mit dem Patienten besprechen, wer im Ernstfall auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten kontaktiert werden kann.

Helfen könnte in solchen Fällen eine Quarantäne-App wie. „Quarano“ nennt sich eine solche App, ehrenamtlich entwickelt von 25 Digitalexperten unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzleramtes und mit Förderung durch das Bundesforschungsministeriums. Ziel ist die Entlastung der Gesundheitsämter in der Coronakrise. „Da die Plattform eine direkte Abbildung unserer Arbeit und Prozesse ist, wird es auch nicht lange dauern, bis die Software bei uns spürbar für Entlastung sorgt“, ist Dr. Peter Schäfer, Leiter des Gesundheitsamts Mannheim, überzeugt.

Das Tool besteht aus einer Ansicht für Gesundheitsamtsmitarbeiter mit allen relevanten Daten und Aktionen, um die zugewiesenen ­COVID-19-Fälle und deren Kontaktpersonen zu bearbeiten. Der betroffene Bürger kann Quarano auf seinem Smartphone, Tablet oder PC nutzen. Er trägt dabei täglich melde­pflichtige Daten wie Symptomverlauf und Kontaktpersonen ein. Somit können auch direkte Kontaktpersonen des Infektionsfalls (RKI-Kategorie I und III) informiert und erfasst werden.

Auch mehrere Mitglieder desselben Haushaltes können mit der App ihre Daten erfassen. Das Gesundheitsamt hat somit in Echtzeit einen zuverlässigen Überblick über den Verlauf während der Quarantäne bzw. häuslichen Isolation und kann rasch agieren.

Patienten fühlen sich durch Anrufe des Amtes gestört

Eine andere Quarantäne-App ist die „GESA – GEsundheitsStatus App“. Diese Anwendung nutzt das Gesundheitsamt Dortmund, denn der Entwickler Materna kommt aus Dortmund. Wie Birgit Zoerner, Leiterin des Krisenstabes und Gesundheitsdezernentin der Stadt erläutert, erfolgte das körperliche Monitoring bisher über telefonischen Kontakt.

Der Patient führt ein Quarantänetagebuch und die Daten werden abgefragt. Da bei etwa 80 % der Infizierten der Krankheitsverlauf milde sei, gebe es Patienten, die sich durch die Anrufe des Amtes gestört fühlten. Durch die App würden die Daten im Tagebuch digitalisiert. Gut sichtbar würde so ein milder, aber auch ein schwerer Verlauf.

7000 Quarantänefälle bedeuteten 84 000 Telefongespräche, sagt Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes Dortmund. „Trotz nicht schlechter Personalausstattung waren wir nicht in der Lage, diese Zahl an Anrufen tatsächlich durchzuführen.“ Deshalb wurde innerhalb von zwei Monaten die App entwickelt.

Medical-Tribune-Bericht


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