Beratung, Rechtsgutachten und Ausbildungstools – Ethik für Freiberufliche

Niederlassung und Kooperation Autor: Ruth Bahners

Freiberuflichkeit birgt nicht nur Vorteile. Deswegen muss die Medizinethik bereits Teil der Berufsausbildung sein. © freshidea – stock.adobe.com

Die Ärztekammer Nordrhein will ihre Mitglieder in ethischen Konflikten nicht alleinlassen. Sie hat ein Komitee für medizinethische Fragen eingerichtet, das Hilfe in konkreten Entscheidungssituationen anbietet.

Ärzte geraten durch wirtschaftliche Entscheidungen, die sie aus medizinischen Gründen nicht teilen könnten, in ein Dilemma. Aber auch in der Palliativmedizin könnten Konflikte auftreten, etwa wenn Patienten oder Angehörige Sterbehilfe verlangen. Für diese Fälle bietet die Düsseldorfer Kammer Gespräche mit Kollegen an.

Das Ethik-Komitee ist per Telefon und per E-Mail erreichbar. Die Beratungsergebnisse zu einzelnen Fragestellungen sollen auch für die ärztliche Weiterbildung und die Fortbildung genutzt werden können.

Kammerchef Rudolf Henke kündigte auch ein Rechtsgutachten an, das beauftragt wird. Darin soll die Freiheit der ärztlichen Entscheidungen rechtssicher herausgearbeitet werden. „Denn der eine oder andere Chefarzt glaubt, dass er den Vorgaben der kaufmännischen Leitung folgen müsste“, sagte Henke vor der Kammerversammlung.

Gegengewicht zu Zusatzstudiengängen

Fast zwei Drittel aller Klinikärzte seien in Sorge um die Therapiefreiheit, berichtete Henke. Die Freiberuflichkeit drohe im Alltag unter die Räder zu kommen. Es müsse in den heutigen wie auch künftigen Medizinergenerationen wieder ein Bewusstsein für die Bedeutung der Freiberuflichkeit geschaffen werden.

Eine dritte Initiative widmet sich deshalb dem ärztlichen Nachwuchs. Damit die Freiberuflichkeit nicht nur als „historisches Relikt, sondern als Garant für die Therapiefreiheit“ verstanden wird, soll sie schon Gegenstand der Ausbildung an den Universitäten sein. Deshalb will die Ärztekammer entsprechende Ausbildungstools in Kooperation mit den Fakultäten entwickeln. Sie sollen ein Gegengewicht zu den Zusatzstudiengängen und Aufbaukursen darstellen, die jungen Ärzten „geradezu inflationär“ angeboten würden.

Quelle: Kammerversammlung – Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo)