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Gesundheitszentren sind „Modell der Zukunft“ für ländliche Regionen

Niederlassung und Kooperation Autor: Lena Becker

Bis zur Eröffnung des Gesundheitszentrums im September ist noch einiges zu tun. Die Arbeiten am dreistöckigen Neubau in Breitscheid laufen auf Hochtouren. Bis zur Eröffnung des Gesundheitszentrums im September ist noch einiges zu tun. Die Arbeiten am dreistöckigen Neubau in Breitscheid laufen auf Hochtouren. © Germann Projektentwicklung
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Was tun, wenn es auf dem Land an Fachkräften, ärztlichem Nachwuchs und Infrastruktur mangelt? So manche Gemeinde hat ihren ganz eigenen Masterplan, um die gesundheitliche Versorgung sicherzustellen.

Breitscheid ist eine hessische Gemeinde mit 5000 Einwohnern im Westerwald. Ab September soll es dort ein nagelneues Gesundheitszentrum geben. Es bietet Platz für sieben Ärzte – vier sind schon gefunden. Dazu kommen eine Apotheke, ein Hörgeräteakustiker, eine Tagespflegeeinrichtung und eine Praxis für Physiotherapie, aber auch eine Bäckerei und zwei Bankfilialen. Dem hessischen Sozialminister Kai Klose (Bündnis 90/Die Grünen) war das Modell einen persönlichen Besuch wert. „Solche sektorenübergreifenden Konzepte sind das Modell der Zukunft“, meint er.

Bauherr des Zentrums ist ein privater Investor. Die Idee dafür kam allerdings aus der Ärzteschaft. Hausarzt Dr. Michael Saar gründete 2014 das Landarztnetz Lahn-Dill. Dabei handelt es sich um eine GmbH, die mit rund 50 Mitarbeitern ein hausärztliches Medizinisches Versorgungszentrum in Breitscheid sowie drei allgemeinmedizinische Zweigpraxen im Landkreis betreibt. Gesellschafter des Netzes sind die Lahn-Dill-Kliniken GmbH sowie Dr. Saar. Das Landarztnetz mit der Praxis von Dr. Saar sieht sich als „Ankermieter“ des neuen Gesundheitszentrums, in dem gesundheitliche, pflegerische und soziale Dienstleistung gebündelt werden.

Kosten der Niederlassung schrecken Nachfolger ab

Die Ärzte in der Region haben dasselbe Problem wie viele Hausärzte in Deutschland: Es mangelt an Praxisnachfolgern. Dr. Saar und seine Kollegen haben allesamt bereits das Rentenalter erreicht. Die Bedingungen schreckten jedoch den heutigen Medizinernachwuchs vor einer Niederlassung ab, berichtet Dr. Saar. Er erinnert sich, dass er damals sechsstellige Schulden bei der Bank gehabt hatte,um sich den Traum der eigenen Praxis erfüllen zu können.

Mit dem Landarztnetz erhofft er sich, den Nachwuchs von der hausärztlichen Tätigkeit überzeugen zu können. Die Mediziner werden von der GmbH angestellt und können ihren Beruf ausüben, ohne sich Sorgen über Finanzierungsfragen oder Verwaltungsaufgaben machen zu müssen. Mit dem Gesundheitszentrum kommt nun eine neue interdisziplinär verknüpfte Infrastruktur hinzu.

Das Konzept des Zentrums begeistert auch die Politik. Für Roland Lay (parteilos), Bürgermeister von Breitscheid, ist es ein „Leuchtturmprojekt“. Zum Gelingen trage das gute Verhältnis zwischen den Beteiligten bei. Es würden um die 40 neue Arbeitsplätze geschaffen. Bürger aus den Ortsteilen können z.B. für die Tagespflege mit Bussen zum Gesundheitszentrum gebracht werden.

Als weiteres Bindeglied zwischen Pflege und medizinischer Versorgung wünscht sich der Landrat des Kreises, Wolfgang Schuster (SPD), eine Gemeindeschwester. Diese könnte bis zu 100 % vom Land gefördert werden. Anträge dazu liegen dem Sozialministerium allerdings bislang nicht vor. Für die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum hält das Sozialministerium in diesem Jahr knapp fünf Mio. Euro Fördermittel bereit. Im Lahn-Dill-Kreis wurden in den vergangenen Jahren schon vier Teilprojekte gefördert.

Medical-Tribune-Bericht

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