Austausch von TI-Konnektoren „Gelder werden sinnlos vergeudet“

Praxismanagement , Praxis-IT Autor: Michael Reischmann

Etwa 130 Millionen Euro soll der Austausch der TI-Konnektoren laut Handelsblatt kosten. Etwa 130 Millionen Euro soll der Austausch der TI-Konnektoren laut Handelsblatt kosten. © iStock/erhui1979

Das „Millionengrab TI-Konnektor wird fortgesetzt“, kritisiert Medi Baden-Württemberg. „Fehlt der gematik der Sachverstand?“

Rund 130.000 Konnektoren für die Telematikinfrastruktur (TI) müssen bis 2024 in den Praxen ersetzt werden, weil ihre Nutzungszeit nach fünf Jahren abläuft und die von der gematik angestrebte Softwarelösung in der „TI 2.0“ laut KBV frühestens in zwei bis drei Jahren initial an den Start gehen wird. Die ersten Konnektoren schalten sich in diesem Herbst automatisch ab.

Um die Kontinuität des Betriebs auch beim Übergang zur TI 2.0 abzusichern, habe sich ein Hardwaretausch als planungssicherste Lösung herausgestellt. Mit einer Laufzeitverlängerung der Zertifikate wäre das nicht gewährleistet und zudem stark risikobehaftet gewesen, zitiert die KBV die gematik.

Kostenschätzung beläuft sich auf 130 Millionen Euro

Das „Handelsblatt“ veranschlagt die Kosten für die GKV auf 1000 Euro pro Konnektor, also 130 Mio. Euro. Die KBV „erwartet eine vollumfängliche Finanzierung der mit dem Konnektortausch verbundenen Kosten durch die Krankenkassen“. Sie redet bereits mit dem GKV-Spitzenverband darüber. Sobald die Finanzierung geklärt sei, sollen Praxen ihren IT-Dienstleister ansprechen, da der behilflich sein könne, das Ablaufdatum im Konnektor auszulesen.

Dr. Werner Baumgärtner, der seit Jahren gegen die Zwangskonnektivierung kämpft, zweifelt am Sachverstand bei der gematik. „Wieder werden hunderte von Millionen Steuergelder und Gelder der Versicherten sinnlos vergeudet. Unsere Praxen haben inzwischen jegliches Vertrauen in die Entscheidungen der gematik verloren“, wettert der Chef von Medi Geno Deutschland und Medi Baden-Württemberg. Ähnlich hatte sich zuvor auch der Deutsche Hausärzteverband geäußert.

Medi fordert die schnelle Entwicklung der TI 2.0 ohne Konnektoren, die Testung aller Komponenten, bevor sie in den Praxen installiert werden, und die Übernahme aller Umstellungskosten in den Praxen. Eine erneute Auslieferung von Konnektoren und die Honorarkürzungen für Praxen ohne TI-Anschluss sollten sofort gestoppt werden.

Medical-Tribune-Bericht