Machen Sie Google zu Ihrem Verbündeten!

Praxismanagement , Praxis-IT

Neue Patienten kommen per Empfehlung – zuvor informieren sie sich im Netz. © Thinkstock

"Sie können nicht nicht im Internet sein", sagt der Berliner Marketingexperte Professor Dr. Justin Becker. Auch Praxen ohne eigene Homepage werden über Branchenverzeichnisse und Bewertungsportale mit Anschrift und Öffnungszeiten gelistet. Dann es lieber richtig machen und den Patienten online etwas bieten.

"Empfehlungen haben den größten Einfluss auf die Wahl eines Arztes", weiß Betriebswirt Prof. Becker. Auch wenn diese Empfehlung mündlich erfolgt – das Erste, was ein suchender Versicherter tut: Er googelt.

Da im Fall eines konkreten Arztnamens oder einer Praxisadresse Google in der Ergebnisliste rechts oben die Lage im Stadtplan und Infos zur Praxis sowie Bewertungen anzeigt, lautet Prof. Beckers Tipp: Sich bei Google als Inhaber der Praxis melden und weitere Informationen zum Unternehmen hinterlegen. Denn einen besseren Platz als die erste Seite der Google-Ergebnisliste gibt es nicht; Treffer, die erst auf Seite drei oder weiter hinten erscheinen, werden nicht wahrgenommen.

Sein ergänzender Tipp lautet: Wie sind die Bewertungen der Internetnutzer für Ihre Praxis? Ermuntern Sie doch mal Ihre MFAs positive Bewertungen abzugeben.

Schlecht: Praxis-Homepage mit überholten Angaben

Genauso wenig, wie nichts im Internet zu unternehmen, hilft es "halbherzig" online zu sein, meint der Marketingfachmann. Er nennt beispielhaft Homepages, die in den 1990er-Jahren erstellt wurden und dann nicht mehr gepflegt wurden, sodass sie sogar veraltete Angaben enthalten. Ein Interessent könnte dann meinen: So "halb gut" wie sich eine Praxis hier präsentiert, könnte auch die ärztliche Behandlung sein.

Deshalb rät der Betriebswirt: Nicht länger zaudern, sondern sofort und nachhaltig eine digitale Strategie für die Praxis entwickeln! Das muss der Arzt nicht selbst tun. Dafür gibt es Profis – die Geld kosten. Was sollten sie dafür leisten? Die Praxispräsentation im Netz sollte auf dem Stand der Technik und für kommende Module erweiterbar sein. Die Homepage sollte zur Praxis passen. Das hat etwas mit den Räumlichkeiten, Praxisfarben und Tätigkeitsschwerpunkten zu tun. "Online und offline identischer Auftritt, erkennbar aus einer Hand sein", lautet Prof. Beckers Credo.

Gut: professionelle Fotos und Online-Terminkalender

Ein hoher Bildanteil in professioneller Qualität schmückt die Website (Beispiel einer Berliner Kieferorthopädenpraxis: www.biss45.de). Sie muss aber vor allem relevante und vollständige Informationen sowie Kontaktmöglichkeiten ("auch per WhatsApp") bieten, betont Prof. Becker. Dazu gehört Service wie ein Online-Terminkalender, die Möglichkeit per E-Mail, Rezepte und Überweisungen vorbestellen oder Anfragen zu Behandlungsverfahren und -kosten senden zu können, digitale Rechnungen usw.

Derzeit seien Webauftritte "in", die alle Infos auf einer Seite präsentieren, weil Nutzer von Mobilgeräten lieber scrollen als klicken. Aber das könne sich auch bald wieder ändern. Google achtet bei seinen Rankings vor allem auf "Inhalt, Inhalt, Inhalt", sagt der Marketing-Professor. Noch wichtiger sei "frischer Inhalt".

Responsive Design mit Mikrointeraktionen

Sein Rat: "Schaffen Sie regelmäßig Kommunikationsanlässe, über die Sie reden können." Warum nicht ein Siebeneinhalb-Jahre-Praxisjubiläum feiern und Bilder davon online stellen? Auch Befragungen werden gerne verwendet. Standard sind "Mikro­interaktionen" wie Bewerten und Empfehlen mithilfe von Buttons für Facebook, Twitter und Google+.

Homepages sind heutzutage im sog. Responsive Design programmiert, d.h. sie passen sich dem Ausgabegerät (vom PC-Monitor bis zum Smartphone) an. Dazu gehören eine intuitive Navigationslogik und flache Hierarchien (Gliederungstiefe). "Die Weiterempfehlung der Zukunft passiert online", verkündete Prof. Becker bei der Tagung des Privatärztlichen Bundesverbandes. Darauf müssen die Online-Aktivitäten von Praxen ausgerichtet sein.


Quelle: Tag der Privatmedizin