Auch die stärkste Sehne kann mal reißen

Autor: Dr. Edith Leisten

Riss der Quadrizeps-Sehne: Deutliche Delle im Weichteil über der Kniescheibe. Hier muss der Chirurg ran! © wikipedia.org/Hellerhoff, CC BY-SA 3.0

Bei Traumata im Kniegelenk drohen neben Binnenverletzungen und Frakturen auch Rupturen der Quadrizepssehne. So geschehen bei einem Patienten von Edith Leisten, MVZ St. Marien, Köln. In ihrem Gastbeitrag gibt die Kollegin einen Überblick zu Ursachen, Diagnostik und Therapie.

Eine gesunde Quadrizepssehne besitzt eine hohe Reißfestigkeit und Kraft, weshalb bei Verletzungen im Kniegelenkbereich Patellafrakturen häufiger sind als diese Risse. Sehnendurchtrennungen können durch direkte offene Verletzungen wie Schnitte oder durch direkte stumpfe Gewalt (Stoßstangen-Anprall, Kampfsport, Pferdetritt) entstehen. Die häufigste Ursache ist aber das indirekte Trauma durch eine plötzliche passive Höchstbelastung, z.B. bei Stürzen. Die bereits maximal gespannte Sehne wird überdehnt und reißt.

Aktive Streckfähigkeit trotz Ruptur mitunter erhalten

Spontanrupturen beruhen auf degenerativen Veränderungen des Gewebes. Prädisponierende Faktoren hierfür sind Adipositas, Diabetes mellitus, Kollagenosen, rheumatoide Arthritis, Niereninsuffizienz und die Langzeiteinnahme von Kortison. Auch kniende Tätigkeiten fördern den Verschleiß, da es bei länger andauernder Beugung zur Minderperfusion des Sehnengewebes kommt.

Am häufigsten treten Quadrizepssehnenrupturen zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr auf, können sich allerdings bei Sportlern im Zusammenhang mit einem „jumpers knee“ bereits in jungen Jahren ereignen. Männer trifft es öfter als Frauen.

Bei der Untersuchung muss man beachten, dass trotz kompletter Ruptur die aktive Streckfähigkeit im Kniegelenk gelegentlich erhalten bleibt, wenn Sehnenanteile des M. vastus lateralis und des M. vastus medialis über die Retinacula patellae longitudinale am Tibiakopf ansetzen und als Reservestreckapparat wirken.

Ist die Sehne komplett durch,
 muss der Chirurg ran

Bei der bildgebenden Diagnostik steht die Sonographie ganz weit vorne, sollte jedoch immer durch Röntgenaufnahmen des Kniegelenks ergänzt werden. Sehnenabrisse mit knöcherner Beteiligung und gleichzeitige Patellafrakturen kommen vor, Verkalkungen können auf einen degenerativen Vorschaden hinweisen. Die Kernspintomographie ergänzt die Diagnostik beispielsweise bei partiellen Rupturen, um das genaue Ausmaß zu erfassen, bei unklarem Ultraschall oder wenn ein gleichzeitiges Kniebinnentrauma vermutet wird.

Komplette Quadrizepssehnenrupturen stellen eine absolute Operationsindikation dar. Die Sehnennaht sollte zügig innerhalb einer Woche erfolgen, da es ansonsten zu einer merklichen Schwäche des Quadrizepsmuskels kommt.