DKFZ: Krebsüberleben hängt von der Adresse ab

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Das Krebsüberleben ist abhängig von den sozialen Umständen, die sich auch durch die Wohnadresse zeigen. Das Krebsüberleben ist abhängig von den sozialen Umständen, die sich auch durch die Wohnadresse zeigen. © Robert Kneschke – stock.adobe.com
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Dass es Unterschiede beim Krebsüberleben zwischen Ländern und Regionen gibt, zeigen längst Studien weltweit. Dass es auch Unterschiede innerhalb einer Großstadt geben kann, demonstrieren jetzt das Deutsche Krebsforschungszentrum und das Hamburgische Krebsregister am Beispiel der Hansestadt Hamburg.

Um bis zu 15 Prozentpunkte unterscheidet sich das 5-Jahres-Krebsüberleben zwischen den sozioökonomisch stärksten und schwächsten Vierteln der Hansestadt Hamburg. Das ergab eine Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Hamburgischen Krebsregisters. Dabei wurde erstmals das Krebsüberleben zwischen den verschiedenen Stadtteilen einer Großstadt verglichen.

Sozioökonomische Ungleichheiten beim Krebsüberleben seien bereits in vielen Ländern dokumentiert worden, so Lina Jansen vom DKFZ, Erstautorin der aktuellen Arbeit. Bei den Erhebungen habe man Städte als eine Einheit behandelten: „Dabei ist ein Vergleich einzelner städtischer Gebiete besonders interessant.“ Hamburg, mit 1,84 Mio. Einwohnern zweitgrößte Stadt Deutschlands, bot sich für Jansen und Kollegen als Beispiel an. Zurückgegriffen wurde auf Daten von 73.106 Patienten, die im Hamburgischen Krebsregister erfasst sind und zwischen 2004 und 2018 an Darm-, Lungen-, Brust- oder Prostatakrebs erkrankt waren. Ermittelt wurde das altersstandardisierte relative 5-Jahres-Überleben.

Zugleich wurde für die 103 Stadtteile der Sozialindex in die Untersuchung eingeschlossen. Es wurden damit auch Arbeitslosenquote, Anzahl der Sozialwohnungen und der Sozialhilfeempfänger, Wohnungsgröße und Haushaltseinkommen erfasst.

„Je höher der sozioökonomische Status des Stadtteils, desto mehr Patienten überlebten die ersten fünf Jahre nach der Krebsdiagnose“, so ein Fazit der Erhebung. Die Überlebensunterschiede würden zwischen den sozioökonomisch stärksten und schwächsten Stadtteilen bei Prostatakrebs 14,7 Prozentpunkte betragen, bei Darmkrebs 10,8 Prozentpunkte, bei Brustkrebs 8 und bei Lungenkrebs schließlich noch 2,5 Prozentpunkte.

Als eine mögliche Erklärung für die teilweise erheblichen Differenzen beschreiben die Autoren die unterschiedliche Wahrnehmung von Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen und die schlechtere Prognose bei Nichtteilnahme.

Bei Brust- und Prostatakrebs war ein erheblicher Anteil der Überlebensdifferenz auf fortgeschrittenere Krebsstadien bei Diagnose zurückzuführen. Für Darmkrebs und Lungenkrebs habe dies nicht gegolten.

„Leider fehlt uns in Deutschland im Moment noch die Datengrundlage, um die Ursachen dieser Differenzen im Krebsüberleben genauer interpretieren zu können“, erklärt Lina Jansen. Um etwa das Krebsüberleben mit bestimmten Behandlungsformen in Verbindung zu setzten, seien Daten aus der klinischen Krebsregistrierung erforderlich, die noch nicht vorliegen.

Quelle: DKFZ-Information


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