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Gesundheitswirtschaft fordert Zugriff auf Gesundheitsdaten

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Die Politik muss die Weichen für die Digitalisierung jetzt richtig stellen. Die Politik muss die Weichen für die Digitalisierung jetzt richtig stellen. © iStock/ipopba
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„Eine digitale Gesundheitsversorgung würde die Kosten des Gesundheitssystems deutlich senken – das kommt allen Akteuren vom Patienten über den Arzt bis hin zur Krankenversicherung zugute“, so eine Kernaussage der Gesundheitswirtschaft. Sie empfiehlt entsprechendes Handeln.

Das deutsche Gesundheitswesen stehe mitten in einem entscheidenden Umbruch, heißt es in der Studie „Potenziale der Digitalisierung von Prävention bis Nachsorge nutzen“, initiiert von der Initiative Gesundheit des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Die Arbeit mit dem Untertitel „Digital Patient Journey Oncology“ zeigt u.a., wie ein Patientenalltag im Jahr 2030 durch die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung aussehen könnte und fragt, ob Deutschland für den digitalen Gesundheitsmarkt fit ist. Die Autoren sind überzeugt, man müsse nur die Weichen für eine digitale Versorgungs- struktur richtig stellen.

In einer Veranstaltung zum Thema machten Vertreter von Politik und Industrie deutlich, welche Weichenstellung sie sich jeweils vorstellen. Als ein Schwerpunkt kris­tallisierte sich dabei die Nutzung von Gesundheitsdaten heraus. Ziel der Industrie ist der Zugriff auf zentral gesammelte Gesundheitsdaten, betonte Professor Dr. Hagen Pfundner­, Roche Pharma AG. Dies sei ein Kernanliegen und hier arbeite man im Dialog mit der Politik. 85 % aller klinischen Studien würden mit der Industrie entwickelt in Kooperation mit Wissenschaft und Klinik. 95 % aller Produkte – Medizintechnik, Diagnostik, Arzneimittel – kämen von Industrieunternehmen.

Gesundheitswirtschaft ist Schlüsselindustrie

„Die Gesundheitswirtschaft ist eine Schlüsselindustrie für die Gesundheitsversorgung“, sagte Prof. Pfundner. Deshalb sei ein regulatorischer Rahmen durch die Politik notwendig. Würde die deutsche Gesundheitsindustrie von Daten abgeschnitten, hole sie sich diese im Ausland.

Professor Dieter Kempf, BDI, begründete die Forderung u.a. mit Verweis auf die hohe Zahl an jährlichen Krebsneuerkrankungen. Man müsse schneller werden beim Transfer von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis, speziell bei Prävention, Früherkennung und innovativen Therapien. Es müsse auch mehr geforscht werden zu Prävention und Früherkennung, Diagnostik und zu innovativen Therapien. Digitale Möglichkeiten sollten stets im Fokus stehen: „Wir haben hier die Möglichkeiten, die individuellen Anforderungen des Patienten noch stärker als bisher in den Mittelpunkt zu rücken.“ Den Zugang zu anonymisierten und pseudonymisierten Gesundheitsdaten bezeichnete er als „Schlüssel für den medizinischen Fortschritt“. Den Zugang sollte die Politik auch der privaten Wirtschaft ermöglichen.

Worin der individuelle Nutzen der Digitalisierung besteht, verdeutlichte Dr. Gabriel Harras, Siemens Healthineers AG, anhand der BDI-Studienergebnisse. Im Rahmen von Workshops hatten sich die Teilnehmer aus verschiedensten Bereichen drei onkologischen Indikationen gewidmet: Lungen-, Haut- und Prostatakrebs. Gesucht wurden Optimierungen der Patientenversorgung – gefunden wurden elf digitale Lösungen und 13 Handlungsempfehlungen.

Wie eine Lösung praktisch aussehen könnte, verdeutlichte Dr. Harras am Beispiel des virtuellen Patienten Stefan Schneider (50), Gymnasiallehrer, zu Schulzeiten starker Raucher, heute Gelegenheitsraucher. Symptome bei Lungenkrebs würden oft sehr spät auftreten, seien zudem unspezifisch und könnten deshalb fehlinterpretiert werden, erläuterte der Redner.

Ein KI-basiertes, selbstlernendes System könne jedoch Verdachtsdiagnosen mit entsprechender Wahrscheinlichkeit durch automatisierte Auswertung klinischer Daten erstellen und dann eine mögliche Strategie für weiterführende Diagnostik, für Therapieoptionen und mögliche Therapiepfade erstellen. Auch ein automatisches, regelmäßiges Überprüfen klinischer Parameter während der Therapie werde so möglich.

Bundesregierung arbeitet derzeit an Datenstrategie

Deutschland sei zwar Innovationsweltmeister, Patienten spürten das dennoch viel zu wenig, so auch die Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin im Bundeskanzleramt Dorothee Bär. Sie verwies darauf, dass die Bundesregierung zurzeit an einer Datenstrategie arbeitet. Gerade jetzt, wo während der Pandemie Interaktion eingeschränkt sei, zeige sich der Nutzen der Digitalisierung. Die Zeit, die ein Arzt jetzt benötige, um ein Bild von einer Lunge mit COVID-19 zu erhalten, sei mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) von 30 auf fünf Minuten gesenkt worden. Auch in der Therapieentwicklung leiste KI jetzt das, wofür klinische Labore zuvor Jahrzehnte brauchten.

Quelle: BDI-Online-Veranstaltung


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