„Nicht nervös werden“: Zeit der Coronaimpfungen in den Praxen wird kommen

Gesundheitspolitik Autor: Michael Reischmann

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Welcher Impfstoff gegen COVID-19 ist der beste für mich? Wann werde ich geimpft? Welche Vorteile bringt mir das? Das sind Fragen, die seit dem holprigen Impfstart viele ­Erkrankte und Gesunde umtreibt. Der niedergelassene Diabe­tologe Dr. Nikolaus Scheper bleibt ruhig und rät zur Geduld.

Er mag die negativen Berichte über die Organisations- und Lieferprobleme bei der ­COVID-19-Impfung nicht mehr lesen und hören. Dr. Nikolaus­ Scheper­ führt zusammen mit zwei hausärztlichen Kolleginnen eine diabetologische Schwerpunktpraxis in Marl und ist der Vorsitzende des Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen. Es hat seit dem ersten Coronafall in Deutschland nicht einmal ein Jahr gedauert, bis der erste Impfstoff zugelassen und verabreicht wurde, erinnert er. Dass die Liefererwartungen größer sind als die anfänglichen Produktionsmöglichkeiten, wundert ihn nicht.

Auch in Nordrhein-Westfalen verlief der Start der Impfterminvergabe für die über 80-Jährigen chaotisch. „Ob man eine Woche früher oder später geimpft wird“ sei kein Grund zur übertriebenen Aufregung, meint der Arzt. Er geht sowieso davon aus, dass wir uns noch das ganze Jahr mit Corona herumschlagen müssen. Patienten, die ihn wegen ihrer Impfung befragen, rät er, nicht nervös zu werden: „Wenn der Impfstoff da ist, unterhalten wir uns.“ Er habe sich angewöhnt, keine Auskünfte zu geben, die mehr als eine Woche Gültigkeit haben sollen, sagt Dr. Scheper. Wie die Impfung bei den Niedergelassenen im Detail ablaufe, werde sich klären, sobald der passende Impfstoff ausreichend verfügbar sei.

Impfung verhinderte nicht den Rückzug in die Quarantäne

DDG und diabetesDE begrüßen, dass sich aufgrund der vom Bundesgesundheitsministerium geänderten Impfverordnung Menschen mit Diabetes und einem HbA1c-Wert ≥ 58 mmol/mol bzw. ≥ 7,5 % nun früher für eine Coronaimpfung anmelden können und so schneller vor weiteren ernsthaften Komplikationen geschützt werden sollen. Zunächst waren schwer oder chronisch Erkrankte in die Priorisierungsgruppe 3 eingestuft worden. Es mangelt also wahrlich nicht an neuen Informationen, sagt Dr. Scheper. Störend sei eher deren Widersprüchlichkeit – insbesondere bei den Experteneinschätzungen. Er fordert seine Patienten auf, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Dass auch im Medizin- und Pflegebetrieb Tätige zögern, sich impfen zu lassen, kann er nachvollziehen. In der Ärzteschaft seien noch die einst „industriegetriggerten“ Empfehlungen der Ständigen Impfkommission in Erinnerung. Zudem befreie eine Impfung bislang nicht von Einschränkungen. Dr. Scheper nennt das Beispiel einer angestellten Kollegin, die wegen ihrer Tätigkeit in Pflegeheimen bereits geimpft ist. Als deren Tochter positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, musste auch sie zehn Tage lang in Quarantäne. Solange nicht klar sei, ob Geimpfte andere Menschen anstecken, bleibe es bei den bisherigen Schutzmaßnahmen.

Auf das erste Pandemiejahr zurückblickend stellt der Diabetologe fest, dass der Umsatz im Rahmen jahresbedingter Schwankungen geblieben ist. Ausgleichszahlungen aus dem sog. Rettungsschirm musste er nicht beanspruchen. Allerdings wünscht er sich, die gesetzlichen Krankenkassen würden ähnlich wie die PKV den höheren Hygieneaufwand bei Präsenzkontakten honorieren.

Keine Frage des Diabetes-Typs

Dass Menschen mit Diabetes Typ 2 zu denjenigen gehörten, die wegen ihres Risikos für einen schweren COVID-19-Verlauf von der Bundesregierung seit Mitte Dezember 2020 kostenlose FFP2-Masken erhielten, hat die DDG begrüßt. Allerdings hätte diese Verteilung allen Patienten mit Diabetes zugutekommen müssen, die entweder über 60 Jahre sind oder stark schwankende Glukosewerte, einen BMI von über 30 kg/m², Folgeerkrankungen wie Gefäßkomplikationen, Organschäden bzw. eine Hypertonie aufweisen, meint die Fachgesellschaft. Bereits im Dezember hatte sie das Bundesgesundheitsministerium und die Patientenbeauftragte der Regierung auf den Nachbesserungsbedarf aufmerksam gemacht.

Stellungnahme der DDG »

Der Praxisbetrieb konnte umgerüstet gut fortgeführt werden. Die Patienten müssen nun zwar im Treppenhaus oder anderswo warten, bis sie in die Praxis gelassen werden, und Präsenzschulungen finden nur noch mit vier statt acht Teilnehmern statt, berichtet der Arzt. Doch letztlich sind es relativ wenige Patienten, die aus Angst vor einer Ansteckung der Praxis fernbleiben. Sie werden telefonisch oder „in Ausnahmefällen“ per Videoschalte betreut. Angenehm findet Dr. Scheper, dass in diesem Winter die Grippe- und Erkältungssaison inner- und außerhalb der Praxis ausgefallen ist. AHA sei Dank!


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