Versichertenbefragung der KBV belegt großes Vertrauen in Ärzte

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Etwa jeder zweite Bürger schätzt seinen Arzt als sehr gut ein. © SARINYAPINNGAM

Seit 2006 lässt die KBV Versicherte befragen, wie zufrieden sie mit der ambulanten medizinischen Versorgung sind. Aktuelle Ergebnisse liegen vor.

Von März bis April interviewte die Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) 5653 deutschsprachige Personen zwischen 18 und 79 Jahren. Neun von zehn der Befragten hatten im vergangenen Jahr einen Arzt (nicht Zahnarzt oder Klinik) aufgesucht und konnten so ihre persönlichen Erfahrung kundtun. Jeder Zweite konsultierte Haus- und Facharzt, 37 % waren nur beim Hausarzt, 16 % nur beim Facharzt gewesen. Die Mehrheit schätzte den Besuch als dringlich / sehr dringlich ein. Für 38 % der Patienten war der Praxisbesuch mit Wartezeiten auf einen Termin von mehr als drei Tagen verbunden. Keine Wartezeit gab es für 45 % der Patienten.

Mehr Patienten von über drei Wochen Wartezeit betroffen

Insgesamt zeigt sich hier seit 2008 ein etwa gleiches Bild. Wird allerdings die über drei Tage hinausgehende Wartezeit betrachtet, werden Veränderungen deutlich. Das betrifft vor allem Wartezeiten von über drei Wochen. Darüber berichteten 15 % der mehr als drei Tage Wartenden. Der Zuwachs gegenüber 2008 beträgt 6 Prozentpunkte. Betroffen sind hier mehrheitlich Facharzttermine (bis drei Wochen: 21 %, über drei Wochen: 30 %).

Auf das Vertrauensverhältnis zum Arzt scheint die Terminvergabe allerdings wenig Einfluss zu haben, denn nur 4 % der Befragten halten ihren Arzt für überhaupt nicht oder weniger gut (2008: 5 %). Als sehr gut schätzt ihn über die Jahre immer etwa jeder zweite Bürger ein. „Ganz gleich, welches Bild die Politik von der ambulanten Versorgung in Deutschland zeichnet, das Vertrauen der Versicherten in ihre Ärzte kann das nicht erschüttern“, zeigt sich KBV-Chef Dr. Andreas Gassen zufrieden.

Dennoch halten etliche Befragte, die Versorgungssituation für nicht genügend: 27 % sehen bei Haus-, 44 % bei Fachärzten Defizite. Viele Menschen berichteten über Probleme, einen geeigneten Haus- oder Facharzt zu finden (30 bzw. 49 %).

Mäßiges Interesse an der Videosprechstunde

Noch nicht sonderlich überzeugt scheinen die Versicherten von digitalen Angeboten zu sein. Zwar finden 78 % gut, dass sich die Krankschreibung elektronisch an die Kasse übermitteln lässt. Die Videosprechstunde würden jedoch nur 37 % nutzen. Die Vereinbarung von Arztterminen im Internet hält etwa jeder Zweite nicht für wichtig.

Gefragt wurde auch zur Notfallversorgung, die jeder Fünfte 2018 nutzte. 44 % dieser Personen hatten werktags, 55 % am Wochenende oder nachts die Notaufnahme aufgesucht. 87 % der Befragten hielt die Behandlung für nötig. 12 % meinten, auch ein Besuch von Haus- oder Facharzt wäre möglich gewesen.

Auf die Frage „Wohin wenden Sie sich, wenn Sie nachts oder am Wochenende ärztliche Hilfe benötigen?“ antworteten die meisten, dass sie Hilfe im Krankenhaus (42 %, 2006: 29 %) und bei Notarzt/Rettungsdienst (23 %, 2006: 25 %) suchen. Lediglich jeder Vierte setzt auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst, nur 3 % würden Hilfe beim Hausarzt suchen.


Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV © Lopata/axentis.de