Kassenärztliche Vereinigung eröffnet Hausarztpraxis an der Uniklinik

Niederlassung und Kooperation Autor: Michael Reischmann

Eine Triagesoftware hilft, vermeintliche Notfälle aus der Ambulanz herauszuhalten. © iStock/code6d

Mit ihrer „Allgemeinärzt­lichen Praxis am Campus“ der Universitätsmedizin Mainz betritt die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz Neuland. Das bei ihr angestellte Praxispersonal wird sich tagsüber um selbst ernannte Notfälle kümmern.

Februar 2019 soll die KV-Eigeneinrichtung direkt neben der Notfallambulanz der Mainzer Uniklinik ihre Arbeit aufnehmen – montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr. Patienten, die nicht mit dem Rettungswagen ankommen, sondern sich selbst als Notfälle definierend am Praxistresen vorstellen, werden als Erstes triagiert. Das geschieht durch eine medizinische Fachkraft mithilfe einer Software, die sich schon in der Schweiz bewährt hat. Das Programm nehme sehr schnell eine Einstufung der Dringlichkeit vor, sagt KV-Chef Dr. Peter Heinz. Wie gut es wirklich läuft, soll eine Evaluation zeigen. Dieses Projekt der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wird vom Innova­tionsfonds gefördert.

Ist der Patient ein echter Notfall, geht es für ihn in der Uniklinik weiter. Kann ihm direkt geholfen werden, z.B. mit einem Rezept, wird sich einer der drei – noch einzustellenden – Haus­ärzte um ihn kümmern. Es werden weder Chroniker behandelt noch Patienten wieder einbestellt, betont der KV-Vorstand. Besteht kein sofortiger Handlungsbedarf, kann dem Patienten – so die Idee – innerhalb einer Woche ein Termin in einer Haus- oder Facharztpraxis vermittelt werden.

Die Uniklinik erhoffe sich davon eine Entlastung ihrer Notaufnahme. Die Öffnungszeiten der Praxis seien auf den bisherigen Patientenzulauf abgestellt, erklärt Dr. Heinz. Die KV erwartet, dass das vierjährige Modellprojekt aufgrund der eingeschränkten Leistung (Ordinationsgebühr) Defizite machen wird. Daran werden sich allerdings die Krankenkassen beteiligen.

Die KV sammelt mit dem Projekt Erfahrungen in Sachen Eigen­einrichtung sowie Triagierung. Letztere soll künftig auch beim telefonischen Erstkontakt mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst zum Tragen kommen. Die KV hat vor, landesweit eine Dispositionszentrale mit 30 bis 40 Mitarbeitern zu betreiben, bei der die Anrufe unter der Nummer 116117 ankommen. Der Beginn könnte im ersten Halbjahr 2020 sein.

Bereitschaftsdienst und Terminservice in einer Hand

Derzeit haben die 47 Bereitschaftsdienstzentralen im Land – von denen 44 in einem Krankenhaus residieren – ihren jeweils eigenen Telefondienst. Der wird künftig entfallen. Die Dispositionszentrale soll dann auch den Bereitschafts-Fahrdienst koordinieren. Die KV will die Umstellung „kostenneutral“ hinbekommen. In einem zweiten Schritt, so Dr. Heinz, könnte die 116117-Zentrale mit der Terminservicestelle der KV gekoppelt werden.