Landärzte: Was Gemeinden tun können, um die medizinische Versorgung zu sichern

Niederlassung und Kooperation Autor: Michael Reischmann

Baumholder in Rheinland-Pfalz sucht Ärzte. © Fotolia/Thomas Reimer/Wikipedia/Hagar66/MT

Kommunen, die Landärzte anlocken wollen, sollten schon bei der Unterstützung von Famulaturen ansetzen. Und mit Stärken wie Neubaugebieten, Kinderbetreuungsplätzen und schöner Umgebung werben. Fördergeld alleine reicht nicht, weiß die KV Rheinland-Pfalz.

Seit drei Monaten berät Arkadius Adamczyk Kommunen in Rheinland-Pfalz, die ein ärztliches Versorgungsproblem haben. Seine Stelle wird jeweils zur Hälfte von der KV und vom Land finanziert. Eine Kernbotschaft, die Adamczyk für Vertreter von Städten und Gemeinden hat, lautet: Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel. Streichen Sie lokale Vorteile heraus. Bieten Sie Ärzten Unterstützung an.

Weg mit Bedarfsplanung, Budgetierung und Regress!

Die Beratungsstelle ist eine von etlichen Maßnahmen, die Land und KV ergreifen, um der altersbedingt absehbaren Entwicklung sowie bestehenden Engpässen entgegenzuwirken. Der Prozess ist allerdings mühsam. Ein Hindernis kann die bisherige Bedarfsplanung sein, die in zwei Fällen eine Ansiedlung von Ärzten verhindert habe, berichtet Adamczyk. Ein Ende der Bedarfsplanung gehört deshalb genauso zu den politischen Forderungen des KV-Vorstandes wie das Ende von Budgetierung und Regressen.

„Ohne Arzt ist der ländliche Raum nichts wert“, sagt Bernd Alsfasser. Der Bürgermeister arbeitet schon lange mit der KV zusammen, um neue Ärzte in die Verbandsgemeinde Baumholder, nahe der Grenze zum Saarland, zu holen. Ärzte sind ein Infrastrukturfaktor. Und so wie Kommunen bereit sind, z.B. ein Schwimmbad zu betreiben, müssen sie es auch bei der medizinischen Versorgung halten. In Baumholder hatte man sogar schon 245 000 Euro für ein MVZ eingeplant. Das Vorhaben zerschlug sich mangels Arzt. Doch Zähigkeit siegt. Mittlerweile ist Alsfasser guter Dinge, in den nächs­ten Jahren drei neue Ärzte in der Verbandsgemeinde zu haben. Vor einer kommunalen Versorgungseinrichtung als Anstalt öffentlichen Rechts warnt der Bürgermeister dagegen seine Kollegen: „Lassen Sie die Hände davon – Sie haften dafür und müssen sich an Verlusten beteiligen.“

Die KV versucht unterdessen den Kommunen ein anderes Konzept schmackhaft zu machen: Die Gemeinde richtet eine Praxis ein (Immobilie und Ausstattung), was sie ca. 100 000 Euro kostet. Ein Arzt oder mehrere Ärzte übernehmen den Vertragsarztsitz. Sie sind Mieter und handeln freiberuflich, stellen also ihr Personal selbst an etc.

KV rät Kommunen, als Praxisvermieter aufzutreten

Vorteil für die Ärzte: Das Risiko des Berufsstarts wird minimiert und sie bleiben für den Fall eines notwendigen Ortswechsels (z.B. wegen eines neuen Jobs des Ehepartners) flexibel. Vorteil für die Kommune: Innerhalb von etwa zehn Jahren hat sich das Investment amortisiert und die Chance, dass ein Mediziner die Praxis übernimmt, wenn er sieht, wie gut sie läuft, ist hoch. Die KV würde ein begleitendes Mentoring mit Ärzten und Juristen anbieten. Ein Pilotprojekt steht aber noch aus.

Famulaturen helfen, Medizinstudierende für Landarztpraxen zu interessieren. Die Zahl der Famulaturen, die von der KV gefördert werden, ist von 40 im Jahr 2013 auf 185 (August 2018) gestiegen. Die Körperschaft appelliert an die Kommunen, die Famulaturen mit freien Unterkünften attraktiv zu machen.

Dr. Nadja Moreno, Leiterin der KV-Abteilung Sicherstellung, kann auch von einem Klebeeffekt bei der geförderten Weiterbildung berichten: Die Zahl der Ärzte, die sich danach in Rheinland-Pfalz niederließen, hat jährlich zugenommen – von 32 auf zuletzt 56. Von Vorteil sind hierbei Weiterbildungsverbünde von Praxen und Krankenhäusern.