Medizinstudierende: Das Interesse an der Allgemeinmedizin wächst – aber nicht auf dem Land

Niederlassung und Kooperation Autor: Cornelia Kolbeck

Es ist die dritte Untersuchung dieser Art, eine Kooperation der KBV mit der Universität Trier, dem Medizinischen Fakultätentag und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden. © Fotolia/JackF

Der ärztliche Nachwuchs interessiert sich zunehmend für die Allgemeinmedizin und für die hausärztliche Versorgung in der Niederlassung. Das zeigen die Ergebnisse des „Berufsmonitoring Medizinstudierende“.

Gut 13.000 Nachwuchsmediziner (14,8 % aller hiesigen Medizinstudierenden) gaben im Frühjahr 2018 Auskunft zu ihren Wünschen und Plänen, ihre künftige Arbeit betreffend. Es ist die dritte Untersuchung dieser Art, eine Kooperation der KBV mit der Universität Trier, dem Medizinischen Fakultätentag und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden.

Gegenüber den beiden Berufsmonitoren von 2010 und 2014 zeigt die aktuelle Online-Befragung ein höheres Interesse an einer Niederlassung in der hausärztlichen Versorgung. 2010 gaben sich 38 % des Nachwuchses interessiert, 2018 waren es schon 42,5 %.

Kaum Veränderung gab es hingegen bei der Vorstellung, sich künftig als Facharzt niederzulassen (2010: 74,5 %, 2018: 75,8 %). In der Orthopädie/Unfallchirurgie, Chirurgie, Psychiatrie und Psychosomatik wurde auch – von der Vorklinik bis zum Praktischen Jahr – ein sinkendes Interesse an einer Weiterbildung in diesen Fächern deutlich. Dagegen blieb das Interesse für die Allgemeinmedizin und für die Innere Medizin – wenn auch auf einem Niveau von unter 20 % – relativ stabil.

Gleich geblieben sind im Wesentlichen die Erwartungen an den künftigen Beruf. Angestrebt werden in erster Linie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (95 %) sowie geregelte und flexible Arbeitszeiten. 90,2 % der Befragten sehen wohl deshalb auch eine Anstellung als positiv an. 74,8 % sehen sich dabei im Krankenhaus, 70,7 % können sich das auch in einer Praxis oder in einem MVZ vorstellen.

Wer an eine Niederlassung denkt, meint damit vor allem die Gemeinschaftspraxis (50,6 %). Die Einzelpraxis ist nur für wenige eine klares Ziel (4,7 %). 42,8 % der Befragten können sich auch nicht für eine Praxis in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern erwärmen.

Als Argumente gegen die Niederlassung wurde vom Nachwuchs ein hohes Maß an Bürokratie genannt, ein hohes finanzielles Risiko, drohende Regressforderungen und ein geringer fachlicher Austausch.

Erwartetes Nettoeinkommen: ab 5000 Euro im Monat

Der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister meint selbstkritisch, dass die Ärzteschaft lange vieles schlecht geredet habe, statt über die Vorteile zu informieren. Die gestiegene Attraktivität der Allgemeinmedizin lasse jedoch erkennen, dass Initiativen wie der Ausbau der ambulanten Weiterbildung, aber auch ein frühzeitiger und besserer Einblick in das Hausarztdasein Früchte tragen. Er betont: „Keine Art der Berufsausübung ist inhaltlich und gestalterisch freier als die Selbstständigkeit.“

Selbstbewusst äußerten die Befragten ihre Erwartungen an das spätere monatliche Nettoeinkommen: Es liegt zwischen 4994 (angestellter Facharzt) und 6371 Euro (Landarzt).