Aufwand für Bürokratie in Praxen ist 2019 zurückgegangen

Praxismanagement Autor: Isabel Aulehla

Trotz allem muss noch viel getan werden, um Mediziner spürbar zu entlasten. Trotz allem muss noch viel getan werden, um Mediziner spürbar zu entlasten. © iStock/vchal

Verschreiben, verordnen, den Krankenkassen Auskunft geben: Ärzte schlagen sich alltäglich mit Formularen herum. Zu oft, findet die KBV und ermittelt mit dem Bürokratieindex, wie viel Zeit Niedergelassene wegen Informationspflichten der Selbstverwaltung auf Bundesebene verlieren. Dieses Jahr ist die Belastung gesunken.

Umgerechnet 60 Nettoarbeitstage verbrachte jeder Niedergelassene in diesem Jahr mit Papierkram für die Selbstverwaltung. Im Vergleich zu 2018 ist die bürokratische Belastung der Gruppe damit um eine Million Nettoarbeitsstunden gesunken. Im Bezugsjahr 2013 betrug der Bürokratieindex (BIX) 100 Punkte, dieses Jahr liegt er bei rund 95. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung ist zufrieden mit dieser Entwicklung, stellt aber klar, dass noch viel getan werden muss, um Mediziner spürbar zu entlasten.

Der Bürokratieindex

Der Bürokratieindex für die vertragsärztliche Versorgung (BIX) wurde im Auftrag der KBV von der Fachhochschule des Mittelstands erstellt. Er misst, wie viel Zeit niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten aufwenden, um bürokratische Pflichten der Selbstverwaltung auf Bundesebene zu erfüllen. Er orientiert sich an der Nettostundenbelastung, d. h., Tätigkeiten, die Ärzte ohnehin ausführen müssten, wenn keine Informationspflicht bestünde, fließen nicht mit ein. Der Index wird seit 2016 jährlich errechnet und soll zeigen, ob Bürokratie abgebaut werden konnte. Als Vorbild dient der Bürokratiekostenindex des Statistischen Bundesamts, mit dem die Bundesregierung den Bürokratieaufwand der Wirtschaft ermittelt.

Der Bericht, den die Fachhochschule des Mittelstands im Auftrag der KBV anfertigte, zeigt: Die tatsächliche Anzahl der bürokratischen Pflichten in den Praxen ist von 395 auf 410 gestiegen. Allerdings betreffen die neuen Pflichten Spezialfälle, die selten auftreten. In Schach gehalten werden Niedergelassene eher von wenigen Formularen, die jedoch sehr oft auszufüllen sind: Gerade mal 6 % der Pflichten verursachen 91 % des bürokratischen Aufwands. Die drei größten Zeitfresser sind Überweisungen, Vordrucke für Krankenkassen und den MDK sowie Bescheinigungen der Arbeitsunfähigkeit. Auch die Dokumentation einiger Disease-Management-Programme finden sich in den Top 25 der zeitraubendsten Pflichten. Rund ein Drittel der bürokratischen Lasten konnte an Medizinische Fachangestellte delegiert werden, den Rest mussten Ärzte übernehmen.

Digitaler AU-Schein und eRezept könnten entlasten

Im Ranking der Tätigkeiten, die mehr Aufwand als im Vorjahr machten, stehen AU-Bescheinigungen auf dem zweiten Platz. Fast 5 Millionen Stunden kosteten sie die Niedergelassenen dieses Jahr. Die KBV empfiehlt daher, die digitale AU-Bescheinigung unbürokratisch umzusetzen. Auch das elektronische Rezept begrüßt sie.

Deutlich mehr Zeit mussten Ärzte dieses Jahr auch für die Verordnung der Krankenbeförderung aufwenden. Die Autoren mutmaßen, dies könnte der zunehmenden Morbidität der Bevölkerung geschuldet sein. Den größten Mehraufwand verur­sachte jedoch die Dokumentation des Hautkrebsscreenings. Durch einen Beschluss des G-BA müssen insbesondere Dermatologen mehr Parameter als zuvor erfassen.

Eine große Entlastung brachte die Änderung der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie vom Oktober 2018. Seitdem muss der Berichtsvordruck für die GU (Muster 30) nicht mehr ausgefüllt und archiviert werden. Die Autoren gehen davon aus, dass hierdurch 26 Millionen Euro gespart wurden. In hohem Maße gesunken ist auch der Zeitaufwand, den Praxen aufwenden mussten, um die Daten von Patienten zu erfassen, deren Gesundeitskarte nicht funktionierte oder nicht vorlag.

Formulare verderben Lust auf Niederlassung

Der hohe bürokratische Aufwand in Praxen schreckt Medizinstudierende davon ab, sich niederzulassen, zeigt eine Befragung der KBV von 2018. Auch neu Niedergelassene äußerten in Fokusgruppeninterviews, dass das Zulassungsverfahren und die Regelungen der Abrechnung sie hemmten. Daher schlägt die KBV vor, das Verfahren zur Arztzulassung zu verschlanken. Für die Zukunft sieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung in der Digitalisierung ein großes Entlastungspotenzial. Allerdings hänge es davon ab, wie sie in den Praxen umgesetzt wird, betonte Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des KBV-Vorstands. Das Beispiel der elektronischen AU-Bescheinigung zeige deutlich, dass Digitalisierung nicht zwingend Bürokratieabbau bedeutet: Derzeit ist neben der digitalen Variante des Formulars noch ein Papierausdruck vorgesehen.

Quelle: Bürokratieindex 2019