Roll-Out des eRezepts „Ein Kommunikations-GAU erster Klasse“

Praxismanagement , Praxis-IT Autor: Isabel Aulehla

Ein weiteres Mal geraten Pläne zur Umsetzung des eRezepts in heftige Kritik. Ein weiteres Mal geraten Pläne zur Umsetzung des eRezepts in heftige Kritik. © pathdoc – stock.adobe.com
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Die Gematik hatte gerade einen Plan für die verpflichtende Umsetzung des eRezepts vorgelegt – schon gibt es wieder heftige Kritik. Die KVen, in deren Bezirken das Roll-Out beginnen soll, sprechen von „politischer Erpressung“.
 

Erst am 9. Mai hat die Gesellschafterversammlung der Gematik eine Beschlussvorlage zum bundesweiten Roll-Out des eRezepts vorgelegt. Demnach soll dieses ab dem 1. September zunächst in den Praxen Schleswig-Holsteins und Bayerns verpflichtend eingesetzt werden, mit Abstand einiger Monate dann auch in weiteren Regionen. Die beiden zuständigen KVen sind empört. Dr. Monika Schliffke, Vorsitzende in Schleswig-Holstein, wirft dem Bundesgesundeitsministerium und der Gematik einen „Kommunikations-GAU erster Klasse“ vor. Ohne irgendeine Rücksprache werde etwas vorgesetzt, das nur zu Chaos in den Praxen führen könne.

Dr. Wolfgang Krombholz, Vorsitzender der KV Bayerns, hält das eRezept für technisch immer noch zu unausgereift. Die Gematik habe sich zwar eine Zielmarke von 30.000 Verordnungen für den Roll-Out gesetzt (bislang wurden rund 15.000 ausgestellt). Angesicht von täglich fast 2 Mio. ausgestellter Rezepte reiche dies aber nicht aus, um eine stabile Funktionsfähigkeit anzuzeigen. Auch, dass schwere Fehler angeblich behoben seien, überzeugt ihn nicht. „Es sind meist die kleinen Fehler, die die Praxisabläufe extrem behindern.“ Die beiden KV-Vorsitzenden betonen, man könne mangelnde Funktionalität nicht durch politische Erpressung ersetzen.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der KVen Schleswig-Holstein und Bayerns

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