E-Rezept E-Rezept soll stufenweise eingeführt werden

Praxismanagement , Praxis-IT Autor: MT

Die nächste Phase folgt erst, wenn alle Qualitätskriterien erreicht sind. Die nächste Phase folgt erst, wenn alle Qualitätskriterien erreicht sind. © MQ-Illustrations – stock.adobe.com
Anzeige

Das E-Rezept soll stufenweise eingeführt werden und nur nach Erfolgskontrolle der ersten Stufe. Gestartet wird mit der Einführung in den Regionen der Kassenärztlichen Vereinigungen in Westfalen-Lippe (KVWL) und Schleswig-Holstein (KVSH) erfolgen. Die flächendeckende Einführung der Anwendung soll bis 2023 abgeschlossen sein. 

Die Gesellschafter der Gematik haben sich am 31. Mai einstimmig auf eine erste Stufe des Rollouts des E-Rezeptes geeinigt: Während ab 1. September 2022 alle Apotheken in der Lage sein sollen, elektronische Rezepte anzunehmen, werden zunächst nur in Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe in Pilot-Praxen und -Krankenhäusern E-Rezepte ausgestellt.

Die darauf folgenden Schritte der stufenweisen Einführung sollen von den Gesellschaftern zeitnah festgelegt werden. Stand heute sei angedacht, drei Monate, nachdem die Gesellschafter den Erfolg der ersten Stufe beschlossen haben, in diesen beiden Regionen verpflichtend und in sechs weiteren Bundesländern sukzessive die Einführung umzusetzen. In 2023 folgen die ausstehenden acht Bundesländer und damit die bundesweite Nutzung des E-Rezepts.

Der Vorstand Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) äußerte sich zu diesem „freiwilligen und schrittweisen“ Rollout des eRezepts mit den Worten: „Unsere Bedenken wurden gehört.“  Die automatische und verpflichtende Einführung des eRezepts zum 1. September sei damit vom Tisch. Stattdessen werde es ab Anfang September eine freiwillige Teilnahme von Pilotpraxen geben – „und das unter klaren Rahmenbedingungen, die entscheidend dafür sind, wann und wie der weitere Rollout erfolgen wird“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Die nächste Phase folgt erst, wenn alle Qualitätskriterien erreicht sind

Die jeweiligen Rollout-Phasen würden erst dann umgesetzt, wenn alle abgestimmten Qualitätskriterien erreicht und dies von den Gesellschaftern auch so festgestellt wird, unterstrich dazu Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des KBV-Vorstands. So erfolge frühestens drei Monate nach Start der ersten Phase und auch nur dann, wenn ein gemeinsamer Beschluss über den erfolgreichen Abschluss getroffen werde, der Einstieg in die nächste Phase mit sechs weiteren Bundesländern beziehungsweise KV-Regionen ebenfalls auf freiwilliger Basis. Genauso gehe es dann flächendeckend weiter.

Die erste strukturiere Startphase soll im Sommer mit ausgesuchten Praxen der niedergelassenen Ärzte sowie Apotheken in Westfalen-Lippe beginnen; in Schleswig-Holstein werden bereits täglich 300 bis 500 E-Rezepte ausgestellt und eingelöst. Ab dem 1. September erfolgt dann der Start in Abhängigkeit von der tatsächlichen technischen und organisatorischen Verfügbarkeit im Rahmen eines sukzessiven schnellen Hochlaufs in den Praxen und Apotheken. Ziel ist die Überführung in eine Routine, um eine schnellstmögliche Flächenabdeckung zu erreichen. Neben den KVen wird auch die gematik diesen Prozess in den Startregionen eng begleiten.

Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL, verdeutlichte die Intention des Projekts: „Der wichtigste Schritt auf dem Weg zur flächendeckenden Nutzung des E-Rezepts ist es, Prozesse und Strukturen belastbar zu evaluieren. Denn eines ist sicher: Die technischen Komponenten und die Prozesse in der Praxis müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein und harmonieren.“ 

„Keine Praxis muss die Umsetzung fürchten“ 

Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der KVSH, betonte, dass keine Praxis die Umsetzung fürchten müsse, denn es sei klar, dass es derzeit vielfach an zentralen Modulen fehle und digitale Prozesse Strukturänderungen in Praxen bedingen, die zunächst Aufwand erforderten. „Wir erwarten von Gematik und Softwarehäusern, dass sie sich in den Rollout-Phasen direkt mit den KVen abstimmen, für stabil laufende Technik sorgen und dafür auch Verantwortung übernehmen. KVSH und KVWL werden einen besonderen Support für die Anwender der einzelnen PVS-Systeme gewährleisten und dabei den Kreis sukzessive größer ziehen, wenn das E-Rezept zu einer Routine geworden ist.“ Dies schließe nicht aus, dass jede Praxis ihren Startpunkt selbst bestimme.

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach nannte die Entscheidung  einen Durchbruch. Das E-Rezept sei ein Gewinn für Patienten, Ärzte und Apotheker: „Das E-Rezept wird sich in der Praxis bewähren und dann schnell bundesweit Anwendung finden. Es ist der Beginn der überfälligen digitalen Revolution in unserem Gesundheitssystem.“

Medical-Tribune-Bericht

Anzeige