Fatale Folgen durch Antibiotika-Engpässe

Verordnungen Autor: Cornelia Kolbeck

Produktion ließe sich mit staatlichen Subventionen nach Deutschland zurückholen. Rechts: Michael Hennrich, Abgeordneter des Bundestages (CDU). © Fotolia/john9595, www.michael-hennrich.de

Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln beunruhigen Ärzte. Das gilt besonders bei Antibiotika, die Leben retten können. Die Ursachen für Ausfälle liegen im Ausland. Die Frage ist deshalb, ob eine Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland machbar wäre.

Die Verlagerung von Produktionskapazitäten in Niedriglohnländer, vor allem nach Asien, hat die Herstellung und den Vertrieb von Antibiotika in Europa inzwischen unrentabel gemacht. Geblieben sind somit wenige Hersteller. Gibt es dann noch Ausfälle wegen Produktionsstopps aufgrund von mangelnder Qualität oder Havarien, hat das fatale Folgen für die Versorgung, wie 2017 am Beispiel Piperacillin-Tazobactam deutlich wurde.

Es gibt deshalb interessierte Personen, die eine Rückverlagerung der Produktion versorgungsrelevanter Antibiotikawirkstoffe wünschen. „Eine Rückholung ist angesichts der Vermeidung von Konzentration und Monopolisierung natürlich in unserem ureigensten Interesse“, erklärte Professor Dr. Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, angesichts der Risiken, die mit einem zwangsweisen Umsteigen auf andere Antibiotika verbunden sind.

Für die Mehrkosten müsste sich ein Finanzier finden

Aus der Politik kommen ebenfalls Signale. Immerhin erreicht der deutsche Antibiotikakonsum knapp 20 % des Konsums der Top-5-Märkte in Europa. Der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich, Mitglied des Gesundheitsausschusses im Bundestag, kann sich das Thema 2019 auf der Tagesordnung vorstellen. Zuerst sei jedoch zu klären, ob und welche Lösungen es gebe.

Dr. Morris Hosseini, Senior Partner in der Unternehmensberatung Roland Berger, stellte hierzu drei Machbarkeitsstudien vor. Betrachtet werden dabei Cephalosporin-Intermediates. Cephalosporine bilden die am zweithäufigsten verordnete Gruppe aller Antibiotika nach den Aminopenicillinen. Der deutsche Jahresverbrauch liegt bei ca. 100 Tonnen.

Die Produktion von Antibiotikawirkstoffen in Deutschland ist in allen drei Szenarien (100, 500, 1000 Tonnen) wegen hoher Betriebs- und Investitionskosten nicht wirtschaftlich, zeigen die Autoren. 55 bis 78 Mio. Euro Mehrkosten entstünden, für die sich ein Finanzier finden müsste. Aus Sicht der Autoren könnte hier z.B. der Staat mit folgenden Regulierungen helfen:

  • Umsatzsteigerung durch Sicherstellung höherer Endpreise im Markt wie in der Landwirtschaft
  • Staatliche Bezuschussung der Fix- und/oder variablen Kosten, die bei der Herstellung auftreten
  • Staatliche Zuschüsse für den Produktionsanlagenbau und/oder Grundstückserwerb, z.B. Personal- und Energiekosten
  • Staatliche Zahlungen fürs Vorhalten der Herstellungskapazität von generischen Antibiotika, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten

Der Wiederaufbau von Produktionskapazitäten mithilfe staatlicher Unterstützung zur nachhaltigen Reduktion der Abhängigkeit sei anzustreben, heißt es. Dazu erklärte Wolfgang Späth, Vorstandsvorsitzender von Pro Generika: „Dieser Weg ist hochkomplex und kann nicht von einem Akteur alleine getragen werden.“