DPV-Register: Fakten zur Versorgung von Minderjährigen mit Diabetes

Gesundheitspolitik Autor: Michael Reischmann

Prof. Dr. Reinhard Holl, Vorsitzender der AG Diabetologie Baden-Württemberg, über den Nutzen des DPV-Registers. Prof. Dr. Reinhard Holl, Vorsitzender der AG Diabetologie Baden-Württemberg, über den Nutzen des DPV-Registers. © iStock/Fertnig; Elvira Eberhardt
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Seit 1995 gibt es das DPV-Register für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Diabetes. Es liefert eine standardisierte Dokumentation von Behandlungen und Zahlen über lange Zeiträume. Daraus sind bereits über 300 Unter­suchungen und Publikationen hervorgegangen – aktuell auch zu COVID-19-Auswirkungen.

Welche Fragen sich mithilfe der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) beantworten lassen, zeigt Professor Dr. Reinhard Holl anhand von Beispielen auf. Er ist Vorsitzender der AG Diabetologie Baden-Württemberg und Leiter der Arbeitsgruppe Computergestütztes Qualitätsmanagement in der Medizin im epidemiologischen Institut der Universität Ulm.

Seit etwa dem Jahr 2000 wird hierzulande die Insulinpumpe bei Kindern häufiger eingesetzt. Mittlerweile haben über 60 % der Patienten eine; bei den unter Fünfjährigen sind es sogar über 90 %. Mädchen erhalten häufiger eine Pumpe als Jungen. Bei Patienten mit Migrationshintergrund besteht noch Aufholbedarf, stellt Prof. Holl mit Blick ins Register fest. Belegt ist: Die Behandlungsergebnisse von Patienten mit Insulinpumpe und kontinuierlicher Glukosemessung haben sich unter realen Versorgungsbedingungen verbessert.

Etwa 1000 schwer adipöse Jugendliche mit Typ-2-Diabetes

Über die letzten 20 Jahre wurde auch die Stoffwechseleinstellung für alle Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes in Deutschland besser: Die HbA1c-Werte sind ebenso gesunken wie die Zahl der Hypoglyk­ämien. Allerdings schwankt unter den 16 Bundesländern z.B. die Stoffwechseleinstellung bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes zwischen 7,5 % und 8,4 %.

Es wurde auch nicht alles besser: Die Zahl der schweren Stoffwechselentgleisungen mit diabetischer Ketoazidose hat nicht abgenommen. Und bei schätzungsweise knapp 1000 schwer adipösen Jugendlichen wird inzwischen Typ-2-Diabetes diagnostiziert. 30 % haben einen Migrationshintergrund. Zu fast 70 % sind Mädchen betroffen.

Eine Registerauswertung zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Kinder mit Typ-1-Diabetes zeigt: Die Zahl der Erkrankungen nahm in Deutschland während der Lockdownphase Mitte März bis Mitte Mai nicht zu. Die Zahl der diabetischer Ketoazidosen bei Kindern, die während des Lockdowns an Diabetes erkrankten, wuchs jedoch um 85 %. „Wir erklären das mit weniger Arztkontakten oder auch Angst der Familie vor Ansteckung bei Vorstellung in einer Notaufnahme, also quasi als Nebenwirkung der Schutzmaßnahmen“, so Prof. Holl.

440 deutsche Zentren

Das DPV-Register ist eine Initiative zur Qualitätssicherung, an der sich 283 pädiatrische und 205 internistische Einrichtungen beteiligen: 440 aus Deutschland, 43 aus Österreich, vier aus der Schweiz und eines aus Luxemburg. Unterstützt wird die DPV-Initiative u.a. seit 2015 durch Mittel des Bundesforschungsministeriums im Rahmen des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung. Die teilnehmenden Einrichtungen bekommen zweimal im Jahr einen Qualitätsbericht, der die Daten ihrer Patienten mit denen aller anderen Zentren vergleicht (Benchmarking). Insgesamt sind mittlerweile knapp 650 000 Menschen mit Diabetes im DPV-Register erfasst.

Quelle: Online-Pressekonferenz der DDG


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