Diabetesmanagement Das macht Mama!

Gesundheitspolitik Autor: Dr. Karin Kreuel

Piksen will gelernt sein. Doch v.a. bei den Kleinsten geht ohne Mama wenig. (Agenturfoto) Piksen will gelernt sein. Doch v.a. bei den Kleinsten geht ohne Mama wenig. (Agenturfoto) © iStock/AMR Image
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Für Frauen mit an Typ-1-Diabetes erkrankten Kindern hat sich in den letzten Jahrzehnten im Hinblick auf ihre Erwerbsarbeit wenig geändert. Trotz verbesserter Therapien hängen im Schnitt 15 % der Mütter im ersten Jahr nach der Diagnose ihres Nachwuchses den Job an den Nagel. Weitere 12 % reduzieren ihre Arbeitszeit.

Sobald ein Kind erkrankt, ist für Frauen Schluss mit Gleichberechtigung. Während sich für Väter fast nichts an ihrer Arbeitssituation ändert, stecken Mütter erst einmal ihre beruflichen Ambitionen zurück. Dies trifft insbesondere bei Kindern im Vorschulalter zu, berichtet ein Team um Prof. Dr. ­Karin ­Lange und Dr. Andrea Dehn-­Hindenberg von der MHH. „Die signifikanten Erwerbs- und Einkommenseinbußen können nicht nur die ökonomische Situation, sondern auch die psychische Gesundheit der Mütter beeinträchtigen.“

Aus 1.144 Datensätzen von Kindern mit Typ-1-Diabetes bis zu einem Alter von 14 Jahren errechneten die Forschenden signifikante Unterschiede zwischen den Elternteilen. Das mittlere Alter der Kinder lag bei 6,7 Jahren. Prof. Lange hatte einen spezifischen Fragebogen mit Fokus auf die familiäre Berufs- und Finanzsituation bereits 2003 in einer ähnlichen Studie genutzt. Der Vergleich der Daten von 2003 und 2018 zeigte einen deutlich gestiegenen Anteil von Kindern, die mit einem Elternteil zusammenleben (von 11 % auf 20 %). Alleinerziehend waren in der aktuellen Studie 18 % der Mütter, aber nur 2 % der Väter.

Jede siebte Frau gibt ihren Job vorübergehend auf

Doch nicht nur in der Gruppe der Alleinerziehenden sind es in erster Linie die Frauen, die die Krankheitsfürsorge für ihr Kind übernehmen. Obwohl 79 % der Kinder mit beiden Elternteilen zusammenleben, nehmen fast ausschließlich die Mütter berufliche Einbußen in Kauf – und zwar im Jahr 2018 gegenüber 2003 nahezu unverändert.

So gaben 14 % (2003) bzw. 15 % (2018) nach der Diabetesdiagnose ihres Kindes ihre Erwerbsarbeit (vorübergehend) ganz auf. Je jünger das Kind zu diesem Zeitpunkt war, desto deutlicher fielen die beruflichen Abstriche ihrer Mütter und mithin auch die Verschlechterung der finanziellen Lage der gesamten Familie aus: Bei Kindern, die zum Diagnosezeitpunkt jünger als sechs Jahre waren, gaben knapp 57 % der Familien finanzielle Einbußen an, bei Kindern zwischen sechs und zehn Jahren waren es knapp 45 % und bei Zehnjährigen und Älteren etwa ein Drittel der Familien.

Da jüngere Kinder noch nicht in der Lage sind, ihre Erkrankung selbst zu managen, bleiben das Erlernen der Therapie und die Handhabung der technischen Hilfen zunächst herausfordernde Aufgaben für die Eltern. Auch wenn moderne Therapieoptionen die Gefahr von Hypoglyk­ämien reduzieren und die Sorge vor Stoffwechselentgleisungen mindern können, liegt die Krankheitsbetreuung in erster Linie in den Händen der Mütter, lautet das Fazit der Autorenschaft. Wünschenswert seien geregelte, professionelle medizinische und soziale Betreuungsstrukturen.

Quelle: Dehn-Hindenberg A et al. Diabetes Care 2021; 44: 2656-2663; DOI: 10.2337/dc21-0740

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