Es ist nicht einfach, gutes Personal zu finden

Kolumnen Autor: Dr. Cornelia Tauber-Bachmann

Viel zu tun: Nicht nur die Praxis will sauber sein, sondern auch das Eigenheim. © Wayhome Studio – stock.adobe.com; MT

Sobald die Arbeit zu viel wird, ist es schön, diese auch mal weiterzugeben. Nur blöd, wenn selbst die Helferlein des Alltags andere Pläne haben.

Anfang des Jahres traf auch mich unvorbereitet der GAU. Auf einen Schlag kündigten eine Vollzeitangestellte in der Praxis und meine bewährte Haushaltshilfe. Mit Letzterer hatte ich lange gesprochen. Sie war sozusagen unterbeschäftigt in einem mittlerweile geschrumpften Haushalt mit nur noch zwei Personen. Sie wollte etwas Neues anpacken.

Die medizinische Fachangestellte überreichte mir nach meinem Urlaub die Kündigung. Sie wollte in das ruhigere Fahrwasser einer größeren Klinik. Zwei Wochen später war sie dank Resturlaub weg – alles völlig korrekt. Die Kündigungsfrist hat sie eingehalten und ihre Wechselabsichten musste sie mir natürlich nicht im Vorfeld mitteilen. Für mich allerdings begann eine zeitintensive Suche nach neuen Angestellten. Zunächst nach einer MFA.

Sie kennen das vermutlich alle: Über das Arbeitsamt meldeten sich einige Bewerberinnen, die entweder überhaupt nicht infrage kamen oder über die angegebenen Kontaktdaten nicht erreichbar waren. Auf meine Interesse bekundenden E-Mails kam, wenn überhaupt, selten eine Antwort. Über die Annonce in unserem Lokalblatt bewarben sich einige MFA, die entweder völlig andere Vorstellungen bezüglich der Arbeitszeit oder bezüglich des Aufgabenbereichs hatten. Andere erschienen gar nicht erst zum vereinbarten Vorstellungstermin. Ohne abzusagen, versteht sich. Na gut, diesen Bewerberinnen sollte man/frau keine Träne nachweinen.

Dass es nicht allein an meiner Praxis liegt, erfuhr ich bei vielen Gesprächen mit Kollegen aller Fachrichtungen. Ein Zahnarzt berichtete, dass er eine Assistenzarztstelle kürzen musste, weil er nicht ausreichend Assistenzpersonal findet. Dabei leitet er eine riesengroße operative Praxis, in einer der begehrtesten Wohngegenden Deutschlands, kann ein deutlich besseres Gehalt bieten als ich und ist sogar bereit, eine neue Kraft anzulernen, die keine zahnmedizinische oder operative Ausbildung hat. Andere Kollegen fassen ihre Angestellten mit Samthandschuhen an und trauen sich nicht, konstruktive Kritik zu äußern und ihnen Verbesserungsvorschläge zu machen. „Ich find‘ ja niemanden sonst “, ist der allgemeine Tenor. Tja, der Arbeitsmarkt ist einfach leergefegt! Das wurde mir dann auch schmerzlich bewusst.

Mit der Haushaltshilfe war es nicht besser. Wer sich bewarb, wollte auf keinen Fall sozialversicherungspflichtig arbeiten. Den Lohn bar auf die Hand – vermutlich, um nicht irgendwelcher staatlichen Zuwendungen verlustig zu gehen. Verständlich ja, aber für mich nicht möglich. Was ist, wenn sie beim Putzen von der Leiter fällt? Ohne unfallversichert zu sein. Der Zeitaufwand bestand darin, diese Tatsache den Anruferinnen möglichst schon am Telefon klar zu machen. Die wenigsten wollten das verstehen, manchmal lag es auch am mangelnden Sprachverständnis. Also im Großen und Ganzen frustrierend und zeitaufwändig. Neben der Zusatzarbeit in der Praxis, versteht sich.

Glücklicherweise konnte ich auf den zuverlässigen und bewundernswerten Einsatz meines verbliebenen Personals „zurückgreifen“. Wir haben mit vielen Überstunden aller Beteiligten den Betrieb weiter aufrecht erhalten. Der Patientenzulauf hat sogar zugenommen (Dabei hätten wir eine Verschnaufpause ganz gut brauchen können ...) und der Zusammenhalt innerhalb des Praxispersonals hat zugenommen.

Manchmal geschehen aber doch Zeichen und Wunder: Plötzlich hatte ich Initiativbewerbungen von zwei erfahrenen Kräften in meinem Mail-Postkasten. Auf den ersten Blick eine schwierige Entscheidung, doch bei der einen stimmte die „Chemie“ zwischen uns allen sofort. Alles andere ist lernbar und machbar. Und so blicke ich wieder optimistisch in meine weitere (Praxis-)Zukunft. Waschen und Putzen kriege ich erst mal mit familiärer Unterstützung hin.