Europäisches Diabetesforum will gemeinsam die Zukunft verändern

Gesundheitspolitik Autor: Friederike Klein

Die Versorgung in Europa verbessern – das Ziel des EUDF. Gründungsmitglied Prof. Nolan bei seiner Rede in Barcelona. Die Versorgung in Europa verbessern – das Ziel des EUDF. Gründungsmitglied Prof. Nolan bei seiner Rede in Barcelona. © fotomek, RAWKU5 – stock.adobe.com; Friederike Klein

Anlässlich der letztjährigen Jahrestagung der EASD in Berlin wurde das europäische Diabetesforum (EUDF) ins Leben gerufen. Beim diesjährigen 55. EASD-Kongress in Barcelona nahm das Forum, das alle an der Diabetesversorgung Beteiligten an einen Tisch bringen soll, konkretere Formen an. Ziel ist nichts weniger als die Umgestaltung der bestehenden Gesundheitssysteme.

Was für einen Einfluss hatte bislang die Arbeit der EASD? „Lange nicht so viel, wie wir uns wünschen“, stellte Professor Dr. John J. Nolan vom Trinity-College in Dublin, Irland, treibende Kraft bei der Gründung des European Diabetes Forum (EUDF), fest.

Suboptimal: Prävention und Behandlungsergebnisse

„Innovation ist eben nicht nur durch die Entwicklung neuer Medikamente und Technologien bestimmt, sondern auch dadurch, wie wir die Dinge tun und wie wir zusammenarbeiten.“ Und da gibt es nicht nur im fragmentierten deutschen Gesundheitssystem Mängel, wie Prof. Nolan aufzählte:

  • Es klafft eine breite Lücke zwischen der klinischen Realität und dem, was eigentlich erreichbar wäre, zwischen der Versorgung der Menschen mit Diabetes im Alltag und dem wissenschaftlichen Fortschritt,

  • die Behandlungsergebnisse sind suboptimal,

  • Präventionsbemühungen sind zu wenig erfolgreich,

  • es fehlen Daten zur Versorgungsqualität und Register,

  • ökonomische Daten zu Diabetes und Komplikationen sind entweder unklar oder fehlen für viele Regionen ganz.

Um im Angesicht der Diabetesepidemie in der Zukunft etwas verändern zu können, sind gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten und Akteure notwendig. Es braucht eine gemeinsame strategische Vision aller Interessenvertreter, um die gesamte Landschaft von Wissenschaft und Versorgung rund um den Dia­betes zu verändern.

Die Patientenbedürfnisse sollen die Arbeit des EUDF antreiben

Die Vision des EUDF lautet, die Gesundheitssysteme dazu in die Lage zu versetzen, dass sie mit der Diabetes­epidemie umgehen können und dabei die bestmöglichen Ergebnisse für Menschen mit Dia­betes erzielen. Dazu soll auf nationaler Ebene die Übertragung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in konkrete politische Inhalte und Handlungen angestrebt werden, erläuterte Professor Dr. ­Juleen R. Zierath, Past-Präsidentin der EASD aus Stockholm, Schweden.

Gründer und Vorstand: Wer steckt dahinter?

Gründungsmitglieder sind EASD, EFSD (European Foundation for the Study of Diabetes), FEND (Foundation for European Nurses in Diabetes) und JDRF (Juvenile Diabetes Research Foundation). Die im Vorfeld der Gründung noch koordinierend tägigen Verbände der forschenden Arzneimittelindustrie auf deutscher (Verband forschender Arzneimittelunternehmen, VFA) und europäischer Ebene (European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations, EFPIA) sind nicht Gründungsmitglieder, da die Gemeinnützigkeit eine Beteiligung von kommerziellen Organisationen ausschließt.

Den Vorstand der EUDF wird Professor Dr. Chantal Mathieu leiten. Zu den Vertretern der Gründungsmitglieder gehören außerdem der aktuelle EASD-Präsident Professor Dr. David Matthews, Olivier Arnaud, Direktor der JDRF, und Anne-Marie Feldon, Mitgründerin der FEND. In der Folge werden dann weitere Vorstandsmitglieder berufen – mit Vertretern von Patientenorganisationen ebenso wie denen der pharmazeutischen, medizintechnischen und Softwareindustrie sowie Grundlagen- und klinische Forscher.

Prof. ­Nolan konkretisierte das Fernziel des EUDF so: Eine komplett integrierte primäre und sekundäre Versorgung mit einem „One-stop-Service“ für Menschen mit Diabetes. Drei strategische Schwerpunkte hat sich das EUDF vorgenommen:

  1. Menschen mit Diabetes sollen die Arbeit des EUDF maßgeblich antreiben. Technologie, Digitalisierung und die Förderung des Selbstmanagements stehen im Mittelpunkt. „Das ist ein für uns neuer Fokus!“, betonte Prof. Nolan.

  2. Veränderung der bestehenden Gesundheitssysteme. Das EUDF soll aktiv an politischen Entscheidungsprozessen teilnehmen.

  3. Datenerhebung, Registrierung und Auswertung. „Man kann nichts bei politischen Entscheidungsträgern erreichen, wenn man nicht Daten vorlegen kann“, erklärte Prof. Nolan.

Noch ist das EUDF nicht juristisch existent, aber es wurden bereits eine Webseite und eine Broschüre erarbeitet, die die Ziele des EUDF erläutern. Fest steht außerdem, dass die Zentrale in Brüssel angesiedelt wird – u.a. wegen der Nähe zu EU-Kommission und EU-Parlament. Professor Dr. Chantal Mathieu, KU Leuven, Belgien ist überzeugt, dass die juristischen Hürden der EUDF-Gründung bis zum Jahresende überwunden sein werden und das Forum dann ganz offiziell seine Arbeit aufnehmen kann.

Kongressbericht: EASD 2019