Null-Euro-Ärzte entern die Datenbank

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Viele Mediziner wollen klarstellen, dass sie kein Geld von der Industrie erhalten. © fotolia/Eisenhans/correctiv.org

Transparenz ist das große Schlagwort der Pharmaindus­trie. Es soll kein Geheimnis sein, was die Kooperation mit Ärzten zum gegenseitigen Nutzen kostet. Nicht allen Medizinern gefällt das Offenlegen. Andere sagen: Warum nicht, ich tue schließlich Gutes für meine Patienten. Und dann gibt es noch die "Null-Euro-Ärzte".

Im vergangenen Jahr veröffentlich­ten die 40 Mitgliedsunternehmen des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) gemäß ihres selbst auferlegten Transparenzkodex auf ihren Internetseiten erstmals detaillierte Zahlen zu Zuwendungen an kooperierende Ärzte und Einrichtungen – bezogen auf das Jahr 2015. So ist z.B. zu lesen, dass Dr. Renate Ahlers-Zimmermann aus Frankfurt/M. von Berlin Chemie 1367,43 Euro für Übernachtung gezahlt wurden und dass Andrea Koch aus Bochum von der Actelion Pharmaceuticals Deutschland GmbH 3000 Euro an Honorar und 7,20 Euro für Auslagen erhielt.

vfa-Zahlen zu 2016 werden in Kürze veröffentlicht

Dass so etwas nachlesbar ist, liegt daran, dass diese Kolleginnen und Kollegen der Veröffentlichung zugestimmt haben. Denn mit Verweis auf den Datenschutz lässt sich die jährliche Publikation im Internet auch ablehnen. Noch in diesem Monat will der vfa in einer Pressekonferenz die aggregierten Daten für 2016 präsentieren, wie Sprecher Dr. Jochen Stemmler ankündigte.

Es ist für Interessierte etwas mühselig, sich durch die Tabellen der einzelnen Hersteller zu klicken. Einfacher zu handhaben ist die auf den Angaben der Unternehmen basierende Datenbank von correctiv.org. Nach Darstellung des journalistischen Portals haben im vergangenen Jahr 71 000 Ärzte in Deutschland Zuwendungen von der Pharmaindustrie erhalten – für Vortragshonorare, Reisespesen, Anwendungsbeobachtungen oder als Honorar fürs Durchführen von Studien. Im Einzelfall kamen fünf- und sechsstellige Summen zustande.

Längst nicht jeder Arzt hält Transparenz für notwendig

Insgesamt flossen 2015 mehr als eine halbe Milliarde Euro für die Zusammenarbeit mit den Heilberuflern. "Die Veröffentlichung ist ein bedeutender Schritt für Transparenz im deutschen Gesundheitswesen", erklärt der Verein "Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie" (FSA). Die Transparenzinitiative von vfa und FSA schaffe die Grundlage für eine sachliche Diskussion und entziehe damit Spekulationen über die Zusammenarbeit von Ärzten und Industrie den Boden.

Transparent wären die Kooperation und die Zahlungsflüsse allerdings nur, wenn auch alle Zuwendungen veröffentlicht werden. Tatsächlich aber stimmen nur 29 % der Zuwendungsempfänger einer Offenlegung zu und ohne Zustimmung des Arztes aber dürfen Zuwendungen nicht personenbezogen veröffent­licht werden.

"Wir haben weder Geld noch geldwerte Vorteile erhalten"

Neben den "transparenten" und "intransparenten" Ärzten gibt es inzwischen noch eine dritte Gruppe an Medizinern: Das sind jene, die öffentlich erklären, dass sie weder Geld noch geldwerte Vorteile von der Industrie angenommen haben. Die Correctiv-Aktivisten bezeichnen sie als "Null-Euro-Ärzte".

Unterstützung erhält Correctiv von den MEZIS (Mein Essen Zahl Ich Selbst) und von der "Weißen Liste" – über Informationen auf deren Webseiten. Hilfe kommt zudem vom Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VdÄÄ). Auch der Verein "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs – Ärzte in sozialer Verantwortung" (IPPNW) wirbt unter seinen Mitgliedern für den Eintrag.

Allein in den ersten zwei Tagen nach der Veröffentlichung der Datenbank trugen sich mehr als 400 Ärzte ein. Darunter, wie Correctiv ausdrücklich erklärt, auch Professor Dr. Michael M. Kochen, Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, und Professor Dr. Peter Schönhöfer, langjähriger Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie am Uniklinikum Bremen-Mitte. Inzwischen sind mehr als 500 Mediziner(innen) als Null-Euro-Ärzte registriert.

Alle versichern mit gleichem Wortlaut, dass sie in den Jahren 2015 und 2016 kein Geld und keine geldwerten Vorteile für Vorträge oder Fortbildungen – die im Sinne des FSA-Transparenzkodexes hätten gemeldet werden müssen – von der Pharmaindustrie erhalten haben und dass sie ebenso kein Honorar für die Durchführung von Anwendungs­beobachtungen/nicht interventionellen Studien erhielten.

Quelle: Medical-Tribune-Bericht