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Rezept gegen Corona-Langeweile: Zehn Tipps, wie Mediziner die Zeit zu Hause sinnvoll nutzen können

Autor: Liesa Regner

Was können junge Mediziner mit der freien Zeit anfangen? Was können junge Mediziner mit der freien Zeit anfangen? © Patrick Daxenbichler – stock.adobe.com
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Die Corona-Krise bedeutet für die meisten Menschen, zu Hause zu bleiben und sich an „Social Distancing“ zu halten, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Auch wenn wir als Ärzte im Vergleich zu anderen Berufen davon weniger betroffen sind, verbringen auch wir mehr Freizeit in den eigenen vier Wänden. Damit dabei keine Langeweile aufkommt, gibt es hier zehn Tipps, um die Zeit zu Hause sinnvoll zu nutzen.

„Ich soll jetzt heimgehen, in Quarantäne, damit ich als Back-up-Arzt gesund bleibe, falls zu viele aus dem Team sich anstecken und ausfallen“, sagt mein Kollege und guckt mich etwas ungläubig an. „Hier, du kannst meine Visuskarte benutzen, während ich nicht da bin.“ Er überreicht mir das laminierte Blatt wie ein Zepter und verlässt bedeutungsschweren Schrittes das Arztzimmer. Irritiert, aber auch etwas neidisch sehe ich seinem wehenden Kittel nach.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 bestimmt schon längst nicht mehr nur die Nachrichten, sondern drängt sich in jede Spalte unseres Lebens – privat oder auf der Arbeit. Zwar müssen wir als Mediziner und Medizinerinnen nicht auf Kurzarbeit oder Homeoffice umsteigen, dennoch bringt jeder Tag neue Regelungen, neue Vorbereitungen auf das, was noch kommen mag. So werden erfahrene Kolleginnen und Kollegen nach Hause gebeten, um im Notfall zur Verfügung zu stehen, oder Teams arbeiten in sich abwechselnden Kohorten, um nicht gleichzeitig exponiert zu sein.

Aber auch für jene, die normal weiter in Kliniken und Praxen tätig sind, bleibt dank des „Social Distancing“ viel Zeit zu Hause. Da geht es am Feierabend nicht mal eben ins Fitnessstudio oder in die Stadt zum Bummeln. Die WG-Party des Kollegen wurde abgesagt und der Sonographie-Kurs am Wochenende ebenfalls. Auf einmal ist da einiges an Zeit in den eigenen vier Wänden, die es mit Tätigkeiten zu füllen gilt. Denn spätestens nachdem die Wohnung geputzt und über Stunden Netflix-Serien „gebingewatched“ wurden, dürfte das erste Mal Langeweile aufkommen. Um dem Abhilfe zu schaffen, gibt es hier zehn Tipps für junge Ärzte, wie man die Zeit zu Hause sinnvoll nutzen kann.

1. Nachrichten von Freunden zum Coronavirus und COVID-19 beantworten

„Sag mal, du bist doch Arzt/Ärztin …“ So fangen die besten Messenger-Nachrichten an, auf die manchmal die absurdesten Fragen folgen. Aber sind wir einmal ehrlich, würden wir vermutlich nicht auch den nächstbesten Ärzten in dieser Zeit schreiben, wären wir nicht selbst in dieser Rolle?

Tagesaktuelle Infos zum Coronavirus:
Bundesgesundheitsministerium

Antworten auf häufige Fragen:
RKI

2. Der Personalabteilung das eine Dokument schicken, auf das sie seit dem Einstellungsgespräch wartet

Erinnern wir uns doch an die nette Frau oder den netten Mann aus der Personalabteilung, die bzw. der so großzügig sagte: „Dieses Dokument können Sie gerne auch später abgeben, das brauchen wir nicht akut“. Einmal den Fuß in die Klinik gesetzt, waren dann auf einmal drei Monate um. Jetzt ist die Zeit, die Zettelberge zu durchforsten, um die eigene Personalakte endlich zur Vollständigkeit zu bringen.

3. Einen Blick in den Facharzt-Katalog riskieren

Wie viele kardiale Echos muss ich noch mal absolviert haben? Wie lange sollte ich auf einer Intensivstation gewesen sein? Ein kurzer Blick in den Facharzt-Katalog kann helfen, den Status quo festzustellen und vor allem zu sehen, wie viele Züge bis zum Ziel noch fehlen. Der Facharzt-Katalog findet sich auf der Website der jeweilig zuständigen Ärztekammer.

4. Textbausteine erstellen

Gibt es nicht immer diesen einen Satz, den wir in so gut wie jedem Arztbrief verwenden, für den es aber keinen Textbaustein gibt? Sei es die Empfehlung zu kardiovaskulärem Ausdauersport, die uns daran erinnert, wie lange wir selbst keinen Sport mehr gemacht haben. Oder das höfliche Angebot, bei Fragen jederzeit zur Verfügung zu stehen, bei dem wir hoffen, dass es keiner in Anspruch nimmt. Nehmen wir uns jetzt die Zeit, um sie in Zukunft zu sparen.

5. Das Kittelbüchlein updaten

Es begleitet uns jeden Tag in der Kitteltasche und wartet sehnsüchtig darauf, mal wieder das Licht der Krankenhaus-Leuchtstoffröhren zu erblicken. Zu Anfang hatten wir den Plan, in diesem kleinen, mit Sorgfalt ausgewählten Notizbuch alle wichtigen Nummern und Fakten zu sammeln, um sie jederzeit parat zu haben. Auf Seite 1 steht nun die Fax-Nummer der Station, danach kommt nichts mehr. Zeit für ein Update.

6. Newsletter abonnieren

Sind SGLT2-Hemmer eigentlich noch das Top-Thema oder was ist gerade en vogue? Im Alltagstrott ist es manchmal gar nicht so einfach, mit den neuesten Nachrichten der Medizin auf dem Laufenden zu bleiben, sollten sie es nicht gerade in die Tagesschau schaffen. Viele Fachgesellschaften, Verlage und medizinische Informationsplattformen bieten kostenfreie E-Mail-Newsletter an, die regelmäßig über den aktuellen Stand und die neuesten Ergebnisse aus der Forschung informieren.

7. Einen Case-Report schreiben

Erinnern wir uns an diesen einen Fall, der uns nicht aus dem Kopf gehen will und mit dem wir vielleicht schon mal bei den Kollegen angegeben haben? Möglicherweise sitzen wir hier auf einem spannenden Case-Report, der nur darauf wartet, geschrieben zu werden.

8. Endlich mal wieder mit Forschung beschäftigen

Manch einer wacht nachts schweißgebadet auf und sieht die Doktorarbeit wie den Geist der vergangenen Weihnacht am Fußende des Bettes stehen: „Hast du mich vergessen?“ Jetzt ist der Moment, dem Spuk ein Ende zu setzen. Sei es die Dissertation oder ein anderes Forschungsprojekt, manchmal hilft es schon, zumindest einmal das Word-Dokument zu öffnen.

9. Endlich diese seltene Erkrankung nachlesen, die der Patient in seiner Diagnoseliste stehen hatte

Wenn die Liste der Vordiagnosen eines Patienten bereits die ersten drei Seiten des Arztbriefs füllt, sind die Kapazitäten, sich mit jedem Krankheitsbild gedanklich auseinanderzusetzen, schwer begrenzt. „Brugada-Syndrom? Kam das jemals in der Vorlesung dran? Egal, gucke ich später nach.“ Ehe man sich versieht, ist der Patient auch schon entlassen und das Vorhaben des Nachschlagens gerät in Vergessenheit. Nutzen wir den Moment, um unsere Wissenslücken zu füllen.

10. Ein Buch lesen, das nicht zur Fachliteratur gehört

Raus aus der Klinik und trotzdem geht es weiter mit medizinischen Themen. Überall spricht man nur noch von der Corona-Krise und den damit verbundenen Folgen. Das macht die Distanzierung von der eigenen Arbeit am Feierabend schwierig und erschwert uns den Ausgleich von Job und Freizeit, der so wichtig ist. Da hilft nur Handy weglegen, Fernseher aus und die Nase in ein (Nicht-Fach-)Buch stecken. Aktuell bieten viele Bibliotheken kostenfreie Online-Ausleihen an. Inspiration gibt es hier.

 

An jene, für die in diesem Moment nicht länger die Ruhe vor dem Sturm herrscht, sondern der Sturm schon ausgebrochen ist, an die, die aufgrund der aktuellen Situation Überstunden machen, Extra-Dienste absolvieren und für die zu Hause keine Zeit für Langeweile, sondern gerade mal zum Schlafen bleibt: Danke für Euren Einsatz, Euren Mut, Euer Durchhaltevermögen.

Liesa Regner hat ihr Medizinstudium an der Universität des Saarlandes abgeschlossen und ist in der Neurologie des Universitätsklinikums Münster als Assistenzärztin tätig. Als Berufseinsteigerin schreibt sie für die Medical Tribune über Themen, die junge Ärztinnen und Ärzte bewegen.

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