Versichertenbefragung: Niedergelassene Ärzte schneiden in ihrer Bewertung erneut bestens ab

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Die Wartezeiten sind in der Regel durchaus in Ordnung für die Patienten. Die Wartezeiten sind in der Regel durchaus in Ordnung für die Patienten. © xyz+ – stock.adobe.com

Seit 15 Jahren lässt die KBV ein Stimmungsbild zur ambulanten Versorgung erstellen. In der jährlichen Umfrage unter gesetzlich Versicherten zeigt zum Großteil der Daumen nach oben. In diesem Jahr wirkt die Coronakrise mit.

„Alles bleibt anders“, kommentierte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen die Ergebnisse der Versichertenbefragung 2020 mit Verweis auf einen Songtitel. Die Zahlen seien auf konstantem Niveau, allerdings hätte es in diesem Jahr unerwartete Auswirkungen durch die Pandemie gegeben. Keine Auswirkungen gebe es beim Vertrauensverhältnis von Arzt und Patient.

Die konkreten Zahlen präsentierte Matthias Jung, Vorstand der Forschungsgruppe Wahlen e.V.. Wie er darlegte, wurden die Befragung im März durchgeführt, interviewt wurden 2036 18- bis 79-Jährige. Eigentlich würden immer rund 6000 Menschen befragt und die Ergebnisse auf die KVen aufgeschlüsselt. Aber wegen Corona habe man sich diesmal ein Modell mit weniger Befragten entschieden, ohne KV-Betrachtung.

Bezogen wurde sich in der Auswertung auf die Zahl der Menschen, die in den letzten 12 Monaten vor Befragung beim Arzt gewesen waren. Aufenthalte im Krankenhaus oder Besuche beim Zahnarzt wurden nicht berücksichtigt.

Nachbefragung zur Krise zeigt ebenfalls gute Werte

Laut Jung ist die Zahl der Menschen, die einen Arzt aufgesucht hatten, über die Jahre relativ konstant (2019: 87 Prozent). Nur in diesem Jahr sei die Zahl niedriger (81 %), wohl der Coronakrise geschuldet. Die Wartezeiten seien ebenfalls über die Jahre ähnlich. Rund 50 % der Befragten würden keine Wartezeiten berichtet, ein Drittel der Befragten Wartezeiten von mehr als drei Tagen. 80 % Prozent der Menschen würden auch jahrein jahraus darstellen, dass die Dauer der Wartezeit auf einen Termin für sie durchaus in Ordnung sei. Die entscheidende Frage für die Zufriedenheit der Patienten wäre, ob die Wartezeit subjektiv als zu lang befunden werde, so Jung. Gehe man alle zwei Jahre zum Augenarzt, dann sei eine Terminvereinbarung von ein paar Wochen vielleicht kein Drama. Mit Verletzung aber wolle man sofort behandelt werden.

Über die Jahre zu sehen sei auch eine sehr hohe Zufriedenheit mit dem jeweiligen Arzt. Im Vergleich mit Imagewerten von Ärzten insgesamt wundere das, so Jung, aber hier werde ja auch ein Arzt eingeschätzt, den sich der Versicherte ausgesucht habe, „der Arzt des Vertrauens“. Es gebe Zustimmungswerte von 90 %, auch was die Kompetenz des Arztes betreffe. Nachgefragt wurde ebenfalls zu den größten Herausforderungen für das Gesundheitssystem. 14 % der Befragten nannten hier den Personalmangel, 12 % den Mangel an Pflegekräften, 12 % das Coronavirus. Nur 3 % sehen Wartezeiten als Problem.

Weil die reguläre Versichertenbefragung mit dem Aufschwung der Coronapandemie in Deutschland in der zweiten Märzhälfte zusammengefallen war, ließ die KBV im Mai eine Nachbefragung durch das Meinungsforschungsinstitut Civey durchführen. An dieser nahmen 2500 Personen teil. Wie KBV-Vorstandsvize Dr. Stephan Hofmeister berichtete, zeigte sich hier über die Hälfte der Befragten mit der Arbeit der von ihnen besuchten Ärzte während der Pandemie sehr zufrieden oder eher zufrieden. Nur knapp 8 % der Befragten seien unzufrieden gewesen. Den Menschen seien allerdings auch die erschwerten Arbeitsbedingungen in den Praxen bewusst gewesen. 62 % würden das erhöhte Infektionsrisiko in den Praxen sehen, 43 % hätten den Mangel an Schutzkleidung als Problem erkannt.

Bezüglich der ersten Umfrage sagte Hofmeister, die Aussagen zum Impfen sollten Mut machen, den Weg weiterzugehen. Es zeige sich ein wohltuendes Gegenbild zum lautstarken Auftreten der Impfgegner. Nun müsse man warten, ob und wann es einen Coronaimpfstoff gebe. Sei es eine sinnvolle Maßnahme, müssten Patienten auch davon überzeugt werden.

Stets für ihre Patienten zur Stelle

Ein „Trendreport zur vertragsärztlichen Versorgung während der Corona-Pandemie“ zeigt, dass die niedergelassenen Ärzte „in der Phase maximaler Ausbreitung der SARS-CoV-2-Infektionen für die Versicherten zur Stelle“ waren.

Wie Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zentralsinstitutes für die kassenärztliche Versorgung (Zi) berichtet, zeigt die Zi-Auswertung der Abrechnungsdaten einen großen Ansturm der Versicherten auf alle Vertragsarztpraxen in der ersten Märzhälfte 2020.

Zu sehen seien in dieser Zeit durchweg zweistellige Fallzahlzuwächse gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zurückzuführen sei dies u.a. auf Vorzieheffekte bei Arzneiverordnungen für die von COVID-19 besonders gefährdeten Patientengruppen. Ab dem Zeitpunkt der Schulschließung Mitte März habe es dann jedoch je nach Fachrichtung einen Fallzahlrückgang mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt gegeben. In der letzten Märzwoche habe dieser zwischen 37 und 64 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gelegen. „Der Bericht zeigt eindrucksvoll, dass die Sicherstellung der haus- und fachärztlichen Versorgung während der kritischen Pandemiephase trotz zunächst mangelnder Schutzausrüstung gewährleistet wurde. Er belegt auch die Flexibilität der ärztlichen Versorgung“, resümiert Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV.

Digitalisierung ist kein Ersatz für Arzt-Patienten-Kontakt

Zur Digitalisierung habe die KBV-Versichertenbefragung Erstaunliches zutage gefördert, so Dr. Hofmeister: Nur 3 % der Befragten erachteten Digitalisierung als wichtig. Zugleich aber würde fast nur noch über Digitalisierung geredet. „Ich denke, hier wird ganz klar deutlich, die Priorität ist der Kontakt zu den Menschen in den Praxen.“ Alles andere sei „nice to have“, es könne vielleicht die Arbeit erleichtern, aber es sei kein Allheilmittel und kein Ersatz für den Kontakt zwischen Arzt und Patient.

Quelle: KBV-Pressekonferenz


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