Jetzt rede ich! So reißen Sie Ihr Publikum vom Hocker

Praxismanagement , Praxisführung Autor: Maya Hüss

Wer sich hinter seinen Notizen versteckt, verpasst die Chance, die Zuhörer von seiner Botschaft zu überzeugen. Rechts: Berater Karsten Noack. © iStock/Manuel Faba Ortega, appleuzr, privat

Eine „gepflegte“ Stimme, eine offene Körperhaltung und der Blick in die Menge – Kommunikationsexperte Karsten Noack weiß, worauf es bei einem gelungenen Vortrag ankommt.

Der nächste Fachkongress, die nächste Lehrstunde vor Medizinstudenten oder die Hochzeit der Tochter, auf der Sie eine Rede halten sollen – in den unterschiedlichsten Situationen wird von Ihnen ein Auftritt vor Publikum gefordert. „Eine gute Rede oder Präsentation ist kein Monolog, sondern ein Gespräch mit dem Publikum“, sagt Karsten Noack, der seit gut 20 Jahren als selbstständiger Berater, Coach und Kommunikationstrainer in Berlin arbeitet. Zu seinen Kunden zählen nicht nur Ärzte und Professoren, sondern auch Konzernchefs, Profisportler und Privatpersonen. Hier erklärt er, wie‘s klappt:

Die „Gestern-Heute-Morgen-Redeformel“

Bei der „Gestern-Heute-Morgen-Redeformel“ erklärt der Redner, wie etwas begonnen und sich entwickelt hat. Anschließend wird auf den aktuellen Stand, die Ist-Situation, eingegangen. Das „Morgen“ soll den Zuhörern schließlich einen Ausblick geben: Was wünschen Sie sich? Was empfehlen Sie? Die Vorteile dieser Formel sind zum einen, dass die Meinung des Redners strukturiert zum Ausdruck gebracht werden kann. Zum anderen gibt der Aufbau Sicherheit, die Gedanken zu ordnen, auch wenn es mal schnell gehen muss.

Fesseln Sie das Publikum:

  • Der erste Eindruck muss sitzen, denn wenn das Publikum sich erst ein Bild vom Redner gemacht hat, lässt sich dieses nur mit Mühe wieder korrigieren. Für einen gelungenen Redeeinstieg eignen sich z.B. Zitate, ein überraschender Anfang, eine Geschichte mit Moral, Humor, aber auch Provokation, eine Abstimmung oder Sie starten mit einer Frage.
  • Finden Sie heraus, was Ihr Publikum bewegt, wo es wehtut und was es wirklich will. Um diese Bedürfnisse zu erkennen, ist es sinnvoll, sich in die Lage des Publikums zu versetzen. Tipp: Beziehen Sie ein aktuelles Thema in Ihre Rede ein, welches die Gemüter bewegt.
  • Definieren Sie ein klares Ziel, denn ohne wird es Ihnen nur schwer gelingen, klar zu kommunizieren. Ein roter Faden liefert dabei nicht nur Ihnen Orientierung, sondern auch dem Publikum.
  • Wecken Sie Emotionen. Die Zuhörer werden vielleicht nicht alles von Ihrem Beitrag behalten, sie werden aber noch wissen, wie sie sich dabei gefühlt haben. Bildhafte Sprache, intensive Gefühle, die viele Sinne ansprechen, wirken Wunder. Zu verbrauchte Geschichten, die das Publikum schon oft gehört hat, gehen nach hinten oder gar nicht los.
  • Beteiligen Sie die Zuhörer. Gute Redner monologisieren nicht über ein Thema, sondern führen ein Gespräch mit dem Publikum. Am bes­ten können Sie es miteinbeziehen, indem Sie Fragen stellen, Abstimmungen mit Handzeichen veranlassen, das Publikum schätzen lassen, sprachlich miteinbinden („stellen Sie sich vor, wie Sie...), oder einen Erfahrungsaustausch anregen. Bei einer guten Rede antwortet das Publikum – zumindest innerlich und durch Körpersprache.
  • Bringen Sie Abwechslung ins Spiel. Setzen Sie hierfür unterschiedliche Medien wie Videos, Flipcharts oder einen Co-Redner ein. Wer aber in rasanter Abfolge eine Folie nach der anderen zeigt, verliert schnell die Aufmerksamkeit des Publikums.
  • Meiden Sie am Ende Ihrer Präsentation Floskeln wie „Danke, ich bin am Ende“ oder „vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“. Das Letzte, das vom Redner gesagt werden sollte, ist die Handlungsaufforderung, die den Zuhörern im Gedächtnis bleiben soll

Was Ihre Körpersprache aussagt

Wie wir uns bewegen vermittelt den Menschen, wer wir sind und ob wir die Wahrheit sagen. Achten Sie auf eine offene Körperhaltung. Vermeiden Sie, Arme und Beine zu verschränken oder Gegenstände vor den Körper zu halten. Suchen Sie den Blickkontakt zum Publikum. Wer keinen herstellt wirkt, als verberge er etwas.

Stecken Sie Ihre Hände nicht in die Hosentaschen. Auch sich selbst zu berühren kann falsch wahrgenommen werden. So wird z.B. ein Griff zur Nase als Hinweis auf eine Lüge gedeutet. Ihre Bewegungen sollten ruhig und harmonisch wirken. Ruckartige, hektische Gebärden machen misstrauisch. Wer seine Körpersprache allerdings bewusst verändert, schwebt in Gefahr, sich unwohl und gekünstelt zu fühlen. 

Rhetorische Finessen

Nur wer verstanden wird, kann auch überzeugen. Setzen Sie deshalb auf kurze und prägnante Sätze. Ziehen Sie eine lebendige Sprache unnötigen Phrasen oder komplizierten Strukturen vor. Die besten Redner können komplizierte Zusammenhänge in einfachen Worten erklären. Wichtig ist es zudem in der Sprache der Zielgruppe zu sprechen. Außerdem spürt das Publikum, ob es sich um den Wortschatz des Redners handelt. Nimmt es dem Redner die gewählte Sprache nicht ab, nimmt auch dessen Authentizität und Glaubwürdigkeit ab. Oft geschieht dies, wenn der Redner zuvor die Rede auf Papier gebracht hat. Achten Sie deshalb darauf, in Ihrer Vorarbeit so zu schreiben, wie Sie auch reden würden.

Ferner sollten Sie auf eine gepflegte und authentische Stimme achten. Das Publikum wird sofort merken, wenn Sie sich verstellen. In welcher Stimmlage Sie sprechen, können Sie übrigens trainieren. Das setzt aber regelmäßige Übungen voraus. Vor Ihrem Auftritt sollten Sie keinen Kaffee trinken. Zum einen treibt er den Puls nach oben, was Sie noch nervöser werden lässt und Ihre Stimme in eine höhere Lage versetzt. Zum anderen verschleimt die enthaltene Milch die Stimmbänder. Am besten können Sie diese aufwärmen, indem Sie sich vor Ihrem Auftritt unterhalten.

„Für den Erfolg einer Rede ist es wichtig zu wissen, was meine Botschaft sein soll. Denn wer nichts zu sagen hat, sollte lieber schweigen“, appelliert der Kommunikationsexperte.

Blackout, und nun? 5 Tipps, wie Sie die Situation retten

Sie stehen vor dem Publikum und plötzlich fällt Ihnen nicht mehr ein, was als nächstes auf Ihrer Agenda steht? Kein Problem! Mit diesen Tricks nehmen Sie den Faden wieder auf:

  • Wiederholen Sie den letzten Satz oder fassen Sie die Kernbotschaft zusammen. So können Sie vielleicht wieder an den letzten Gedanken anknüpfen.
  • Werfen Sie einen Blick auf ihre vorbereiteten und durchnummerierten Stichwortkarten. Der verzweifelte Blick auf einen Stapel Notizen aber wirkt inkompetent.
  • Befragen Sie doch einfach das Publikum: „Wo waren wir gerade noch?“, „Was ist bisher bei Ihnen angekommen?“
  • Ortswechsel. Raus aus der Schockstarre: Trinken Sie einen Schluck, öffnen Sie das Fenster. Bewegung baut Stress ab und hilft die Gedanken wieder in Schwung zu bringen.
  • Emotionen auf Knopfdruck. Ein sogenannter „Anker“ ist eine mithilfe eines Beraters oder Mentaltrainers erzeugte Verknüpfung von Reizen mit einer bestimmten Reaktion. Die Ankertechnik kann vom Redner angewendet werden, um ihn in den Zustand zu versetzen, den er haben möchte. In einer Stressreaktion wäre der gewünschte Zustand also zum Beispiel „Sicherheit“.