Viele mögliche Abrechnungsansätze GOÄ kann gut mit Senioren

Abrechnung und ärztliche Vergütung , Privatrechnung Autor: Dr. Gerd W. Zimmermann

Die Nrn. 800 und 801 GOÄ können auch in einer Sitzung zusammen erbracht und berechnet werden. (Agenturfoto) Die Nrn. 800 und 801 GOÄ können auch in einer Sitzung zusammen erbracht und berechnet werden. (Agenturfoto) © sebra – stock.adobe.com
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Die GOÄ bietet umfangreiche somatische und psychiatrische Leistungspositionen. Das multimorbide Krankheitsbild eines geriatrischen Patienten lässt sich in der Abrechnung gut abbilden.

Diagnostik und Therapie bei geriatrischen Patienten sind im EBM weitestgehend in der altersspezifischen Versichertenpauschale, den Chronikerziffern und den Leistungen im Abschnitt IIIa 3.2.4 (hausärztlich-geriatrische Leistungen) pauschaliert. Hier lässt sich also die Versorgung geria­trischer Fälle in der Regel mit fünf bis sechs Abrechnungspositionen abbilden. In der GOÄ stehen hingegen umfangreiche somatische und psychiatrische Leistungspositionen zur Verfügung, um dem multimorbiden Krankheitsbild abrechnungstechnisch gerecht zu werden.

GOÄ bietet viele psychiatrische Leistungen

Neurologisch-psychiatrische Untersuchungen in der Geriatrie können nach den Nrn. 800 und 801 GOÄ berechnet werden. In beiden Fällen wird keine vollständige Untersuchung verlangt wie z.B. bei den somatischen Leistungen nach den Nrn. 6 bis 8, sondern nur eine eingehende Untersuchung. Setzt man die Bewertung der Nrn. 800 und 801 deshalb in Relation zur somatischen Untersuchung nach Nr. 5 (symptombezogene Untersuchung), kann man ableiten, dass mit der Untersuchung von mindestens drei Bereichen der Leistungsinhalt erfüllt ist.

Im Fall der Nr. 800 kommt z.B. die Prüfung der Reflexe, der Muskulatur und Kraft sowie der Sensibilität in Betracht, bei der Nr. 801 würde der Leistungsinhalt etwa durch die Prüfung der seelischen, psychosozialen und persönlichen Befindlichkeit erfüllt. Beide Leistungen können bei entsprechender Fragestellung in einer Sitzung zusammen erbracht und berechnet werden. Zu beachten ist, dass auch die somatischen Untersuchungsleis­tungen – ausgenommen der Ganzkörperstatus nach Nr. 8 – neben den Nrn. 800 und/oder 801 berechnungsfähig sind.

Bei der Behandlung eines geria­trischen Patienten mit neurologisch-psychiatrischen Symptomen stehen zu Abrechnung die Leistungen nach den Nrn. 804 und 806 zur Verfügung. Die Nr. 804 beinhaltet die psychiatrische Behandlung durch ein eingehendes therapeutisches Gespräch, die Nr. 806 durch gezielte Exploration und ein eingehendes therapeutisches Gespräch, auch in akuter Konfliktsituation – ggf. inklusive eines eingehenden situationsregulierenden Kontaktgesprächs mit Dritten. Das ist wichtig, denn oft finden solche Gespräche nicht mit dem Patienten allein, sondern im Beisein von Angehörigen statt.

Voraussetzung ist hier – im Gegensatz zur Nr. 804 – eine Mindestgesprächsdauer von 20 Minuten. Beide Leistungen sind in einer Sitzung nicht gemeinsam berechnungsfähig, aber z.B. neben den Nrn. 800 und/oder 801. Handelt es sich um eine Notfallsituation mit psychischer Dekompensation, tritt als verbale Behandlung an die Stelle der Nrn. 804 oder 806 die Leistung nach 812 (psychiatrische Notfallbehandlung bei Suizidversuch und anderer psychischer Dekompensation durch sofortige Intervention und eingehendes therapeutisches Gespräch).

Beim Erwachsenen kann eine einmalige, nicht in zeitlichem Zusammenhang mit einer eingehenden Untersuchung (nach den Nrn. 800 und/oder 801) durchgeführte Erhebung der Fremdanamnese über einen psychisch Kranken – wie dies z.B. im Fall eines Demenzverdachts notwendig sein könnte – nach Nr. 835 in Rechnung gestellt werden. Die somatische Variante der Fremdanamnese nach Nr. 4 ist hier aber ebenfalls möglich.

Ein Fallbeispiel: Ein 82-jähriger Patient fällt seit einiger Zeit zu Hause durch extreme Stimmungsschwankungen, teilweise ungewohnte Aggressivität und nächtliche Unruhe auf. Als somatische Grunderkrankung besteht ein leichter Diabetes mellitus Typ 2 und ein Hypertonus. Die Angehörigen bitten um Hilfe, da der Patient nicht mehr unbeaufsichtigt zu Hause bleiben kann. Wegen einer zusätzlich aufgetretenen Sprachstörung steht die Frage im Raum, ob ein „Schlaganfall“ die Ursache für die Symptomatik sein könnte.

Diagnostische Leistungen
GOÄ
Legende
Faktor
Euro
Ausschlüsse
7
Vollständige körperliche Untersuchung Thorax und Abdomen2,321,468, 2, 5, 6, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 435, 448, 449, 600, 601, 1203, 1204, 1228, 1240, 1400, 1401, 1414
800
Eingehende neurologische Untersuchung2,326,158, 26, 825, 826, 830 und 1400
801
Eingehende psychiatrische Untersuchung – ggf. unter Einschaltung der Bezugs- und/oder Kontaktperson2,333,514, 8, 715 bis 718, 825, 826, 830 und 1400
826
Gezielte neurologische Gleichgewichts- und Koordinationsprüfung2,313,27800, 801, 1412
835
Einmalige Erhebung der Fremdanamnese über einen psychisch Kranken2,38,581, 3, 4, 22, 30, 34, 800, 801, 807, 860
856
Anwendung und Auswertung standardisierter Intelligenz- und Entwicklungstests: MMST2,348,39715, 716, 717, 718
Therapeutische Leistungen
GOÄLegendeFaktorEuroAusschlüsse
34Erörterung (Dauer mindestens 20 Minuten) der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Feststellung oder erheblichen Verschlimmerung einer nachhaltig lebensverändernden oder lebensbedrohenden Erkrankung, einschließlich Beratung – ggf. unter Einbeziehung von Bezugspersonen2,340,231 bis 4, 15, 21, 22, 30, 31, 435, 804, 806, 807, 808, 812, 817, 835, 849, 871, 887, 861, 862, 863, 864, 870, 886
804Psychiatrische Behandlung durch eingehendes therapeutisches Gespräch – auch mit gezielter Exploration2,320,101, 3, 22, 30, 34
806Psychiatrische Behandlung durch gezielte Exploration und eingehendes therapeutisches Gespräch – ggf. unter Einschluss eines eingehenden situationsregulierenden Kontaktgesprächs mit Dritten, Mindestdauer 20 Minuten2,333,511, 3, 4, 22, 30, 34, 725, 817, 849
812Psychiatrische Notfallbehandlung bei psychischer Dekompensation durch sofortige Intervention und eingehendes therapeutisches Gespräch2,367,021, 3, 22, 30, 34

Es erfolgt eine körperliche Untersuchung der Thorax- und Abdomen-Organe sowie eine neurologische und psychiatrische Abklärung, ergänzt durch laborchemische und technische Leistungen (EKG) ohne richtungsweisenden Befund. Da der Patient auch über Schwindelzustände klagt, wird in gesonderter Sitzung eine neurologische Gleichgewichts- und Koordinationsprüfung und wegen des Demenzverdachts ein Mini Mental Status Test durchgeführt, wobei sich hier eindeutige Hinweise auf das Vorliegen einer beginnenden Demenz ergeben. Die Befunde werden mit dem Patienten und den Anwesenden unter Einbeziehen weitergehender fremdanamnestischer Daten erörtert. Die in einem solchen Fall verfügbaren GOÄ-Positionen sind in den Tabellen dargestellt.

Medical-Tribune-Bericht

Dr. Gerd W. Zimmermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Hofheim/Ts. Dr. Gerd W. Zimmermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Hofheim/Ts. © Privat
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