Lockmittel für Quereinsteiger in die Niederlassung ausgelegt

Niederlassung und Kooperation Autor: Ruth Bahners

Zu den Ködern für Quereinsteiger zählen z.B. höheres Honorar und kürzere Weiterbildungszeit. © Fotolia/Haramis Kalfar

Hausärzte lassen sich nicht nur aus nachkommenden Medizinern machen, sondern auch aus alten Hasen. Das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands will deswegen noch gezielter Quereinsteiger fördern.

Nordrhein-Westfalen will den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin und damit die Niederlassung als Hausarzt versüßen. Die Lockmittel setzen an den Punkten an, vor denen interessierte Ärzte ansonsten zurückschrecken könnten: Die Krankenkassen sollen in einem Sonderprogramm das Honorar auf Oberarztniveau aufstocken, die Kammern eine verkürzte Weiterbildungszeit anbieten und die Hausärzteverbände wollen den Kollegen Support im Praxisalltag bieten. Im Visier seien ärztliche Kollegen aus anderen Fachgruppen wie Internisten, Urologen, aber auch Anästhesisten.

Kollegen aus Kliniken das Umsatteln versüßen

„Viele Kollegen in den Kliniken kommen nicht mehr weiter“, meinte Dr. Oliver Funken, Vorstand des Hausärzteverbands Nordrhein. Sie möchten umsatteln, fürchteten aber den mit einer Weiterbildung verbundenen Gehaltseinbruch. Deshalb sei man in einem ersten Gespräch im Landesgesundheitsministerium übereingekommen, dass das Honorar der Ärzte, wenn sie sich in unterversorgten Gebieten niederließen, auf Oberarztniveau aufgestockt würde. Eine verkürzte Weiterbildungszeit und eine temporäre Zulassung unter Supervision von erfahrenen Kollegen sei im Gespräch. Der Haus­ärzteverband will die zukünftigen Kollegen berufsbegleitend unterstützen. Ein Curriculum sei bereits in Arbeit.

Auch die Ärztekammer Nord­rhein steht dem Quereinstieg positiv gegenüber. Der ÄKNo-Präsident Rudolf Henke sieht Potenzial bei Kollegen, die mit 53 Jahren „die Faxen vom Krankenhaus dicke haben“. Er dachte dabei vor allem an Internisten mit einer generalisierten Weiterbildung. Die Kammer wolle ihnen mit einer verkürzten Weiterbildungszeit den Umstieg erleichtern.

Bei anderen Fachgruppen wie Urologen oder HNO-Ärzten gestalte sich der Seiteneinstieg nach Henkes Meinung dagegen schwieriger, weil ihnen die Weiterbildungszeit in der inneren Medizin fehle.