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ePA startet nicht als Gassenhauer

Praxismanagement , Praxis-IT Autor: Michael Reischmann

Beim Start der elektronischen Patientenakte herrscht alles andere als Aufbruchstimmung. Beim Start der elektronischen Patientenakte herrscht alles andere als Aufbruchstimmung. © TarikVision – stock.adobe.com
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Werden die Arztpraxen für die verpflichtende Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) ab dem 1. Juli 2021 wie geplant bereit sein? Lars Gottwald, Leiter Business Teams bei der gematik, geht zumindest davon aus, dass der Großteil der Praxisverwaltungssysteme für die ePA angepasst sein wird, einige Anbieter werden aber wohl hinterherhinken.

Bei einer Online-Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ermunterte Gottwald die Ärzte, sich jetzt ihren elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) zu bestellen, mindestens einer sei organisatorisch in einer Praxis für den Zugriff auf die ePA notwendig. Die gematik ist auch im Gespräch mit den Trust Service Providern, die den eHBA im Auftrag der Ärztekammern erstellen, wie die Durchlaufzeiten verkürzt werden können.

Beim DGIM-Talk führte die gematik vor, wie die Nutzung der ePA via App auf dem Patientensmartphone und in einem Praxisverwaltungssystem aussehen kann. Dr. Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer der gematik und als Internist selbst DGIM-Mitglied, geht nicht davon aus, dass die ePA sich als „Gassenhauer“ entpuppen, sondern nur peu à peu verbreiten wird. Die Testphase zieht sich ins zweite Quartal hinein, ab dem dritten Quartal sollen Praxen, Apotheken und Krankenhäuser flächendeckend vernetzt sein. PKV-Kunden wird die ePA ab 2022 angeboten. Insbesondere die Speicherung von Notfalldaten werde von Klinikärzten als Fortschritt begrüßt, so der gematik-Geschäftsführer.

TI-Konnektor ist da, doch das nötige Update fehlt

Von Aufbruchsstimmung konnten die DGIM-Vertreter in der Talk-Runde jedoch nicht berichten. Professor Dr. Sebastian Schellong, Vorsitzender der DGIM und Chefarzt der zweiten Medizinischen Klinik am Städtischen Klinikum Dresden, bemerkt die Vorbereitung auf die ePA bislang nur am Beschaffen des eHBA. Dr. Marcel Schorrlepp, Sprecher der AG Hausärztliche Internisten der DGIM, erzählte, in seiner Mainzer Praxis bislang einen Notfalldatensatz auf einer elektronischen Gesundheitskarte (künftig auf der ePA) gespeichert zu haben, was einigen Aufwand fürs Einrichten bereitet hatte.

Eine telefonische Umfrage der AOK Nordost bei 700 Arztpraxen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern im Zeitraum 15. Februar bis 5. März 2021 ergab, dass sich erst 48 % für den Start der ePA im Juli gut vorbereitet fühlen. Zwar haben 72 % der Praxen den für die Telematik-Infrastruktur zugelassenen Konnektor, aber nur ein Bruchteil habe auch das notwendige Konnektor-Update, um die ePA nutzen zu können, meldet die AOK. 34 % der befragten Ärzte teilten mit, einen eHBA zu besitzen, 36 % haben ihn beantragt, 27 % hatten sich noch nicht darum gekümmert.

Medical-Tribune-Bericht


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