Geschlossen wegen Coronavirus: Wie ein Hausarzt die Praxisschließung bewältigte

Praxismanagement , Praxisführung Autor: Isabel Aulehla

Die dreitägige Praxisschließung war wirtschaftlich wohl kein allzu großer Verlust. Die dreitägige Praxisschließung war wirtschaftlich wohl kein allzu großer Verlust. © HNFOTO, Ayvengo – stock.adobe.com

Den Laden vorübergehend dichtmachen, weil ein Patient positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde? Für manchen Mediziner ein Horrorszenario. Ein Fall aus Grünstadt zeigt jedoch, dass es kein Grund zur Panik sein muss.

Das Praxisteam hatte ihn für die Mittagspause einbestellt, einen Lehrer, der über grippeähnliche Symptome klagte. Dr. ­Alexander Reidick machte den erforderlichen Abstrich, tags darauf meldete das Labor: Test auf SARS-CoV-2 positiv. Nicht nur für den Hausarzt eine ungewisse Situation, sondern auch für die beiden Medizinerinnen, mit denen er eine Berufsausübungsgemeinschaft bildet. Gemeinsam entschieden sie, die Praxis für eine Woche zu schließen, um in Ruhe alle notwendigen Schritte einleiten zu können.

Kooperation mit Behörden und Presse lief absolut glatt

Vor zwei großen Aufgaben stand das Praxisteam: Mit den Behörden sprechen und die Patienten informieren, und zwar so, dass die rund 13 000 Einwohner des rheinland-pfälzischen Grünstadts nicht panisch werden. Was nach viel bürokratischem Aufwand klingt, entpuppte sich als unspektakulär.

„Es war eigentlich keine große Aktion“, berichtet Dr. Reidick. Vor allem die Kooperation mit dem Gesundheitsamt sei absolut glatt verlaufen. Die Behörde informierte über die Auflage, dass erst alle acht Mitarbeiter der Praxis auf SARS-CoV-2 getestet werden müssten, bevor der Betrieb wieder aufgenommen werden könne. Dies war für das Team ohnehin selbstverständlich und schnell umgesetzt. Keiner der Mitarbeiter war infiziert. Die Ärzte sendeten dem Gesundheitsamt die Testergebnisse, zwei Tage später durfte die Praxis den Betrieb wieder aufnehmen – insgesamt war nur drei Tage geschlossen und nicht eine Woche, wie anfangs geplant.

Die lokale Presse trat schnell mit der Praxis in Kontakt, als klar war, dass es einen postiv getesteten Corona-Fall gegeben hatte. „Es ging nur um die Information der Patienten. Es hat uns gefreut, dass es keine Panikmache gab“, berichtet Dr. Reidick. Die Wiederaufnahme des Betriebs wurde ebenfalls in der Lokalzeitung gemeldet. Der Allgemeinmediziner ist rückblickend sehr zufrieden mit dem Krisenmanagement. „Das Team, die Behörden, die Presse – alle gingen ganz unaufgeregt und sachlich mit der Situation um. Geradezu souverän.“

Etwas weniger entspannt waren offenbar einige Patienten. Sein Smartphone habe während der Schließung kaum stillgestanden, erzählt der Arzt. Ständig hätten Patienten angerufen oder Textnachrichten gesendet. Sie fürchteten, sich in der Praxis mit dem Virus infiziert zu haben. Da das Team den COVID-19-Patienten jedoch außerhalb der regulären Sprechzeiten einbestellt und die Praxis desinfiziert hatte, bestand keine Gefahr. Hierüber wurden die Patienten auch in der Lokalzeitung informiert.

Patienten haben keine Angst vor Besuch der Praxis

Im nun wieder laufenden Betrieb beobachten die Mitarbeiter, dass die meisten Patienten nicht verängstigt, sondern teilweise sogar gelassener sind als sonst. „Einige gratulieren uns sogar zur Wiedereröffnung“, berichtet Dr. Reidick. Natürlich würden viele Patienten fragen, wie sie sich angesichts der Corona-Infektionswelle grundsätzlich verhalten sollten. Eine negative oder ängstliche Reaktion aufgrund der Schließung beobachten die Mitarbeiter jedoch nicht. Unabhängig von dem positiv getesteten Patienten verschiebt das Team reine Routinetermine derzeit, auch wenn es einen gewissen Aufwand bedeutet. Aufgrund des allgemeinen Infektionsrisikos solle niemand im Wartezimmer sitzen, der nicht muss.

Wie schwer die Schließung wirtschaftlich ins Gewicht fallen wird, hat Dr. Reidick noch nicht bilanziert. Er geht allerdings von keinem allzu großen Ausfall aus. „Bei vier bis sechs Wochen hätten wir ein Problem gehabt, aber ein paar Tage sind nicht dramatisch.“

Medical-Tribune-Bericht

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