„Gesundheitsmanagement von Familien“ – Interview mit Vanessa Jobst-Jürgens und Dr. med. Klaus Tiedemann

Laut dem neunten Familienbericht des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend 2021 übernehmen Frauen nach wie vor den Löwenanteil bei der Haus- und Sorgearbeit.1 Somit sind viele Frauen nicht nur für ihrer eigene Gesundheit, sondern die ihrer ganzen Familie zuständig. Geht es um Gesundheit, ist die hausärztliche Praxis eine der ersten Anlaufstellen: 45,6 Prozent der Bevölkerung möchten mit vielen oder allen Familienmitgliedern in derselben Hausarztpraxis versorgt werden.2 Im Rahmen eines Interviews beleuchten Vanessa Jobst-Jürgens, Coach für New Work und Mutter von zwei Kindern, und Dr. med. Klaus Tiedemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, das Thema „Gesundheitsmanagement von Familien“ aus verschiedenen Perspektiven.3

Warum ist es für Frauen oft (immer noch) schwierig, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Welche Herausforderungen gibt es?

Vanessa Jobst-Jürgens: Diese Frage lässt sich natürlich nicht in zwei Sätzen beantworten, denn die Gründe sind mannigfaltig.
Zum einen sind die Strukturen, in denen wir leben und arbeiten, vor allem für in Vollzeit arbeitende Männer gemacht. Dieses Setup ist seit sehr langer Zeit der Maßstab, an dem Menschen im Arbeitsleben gemessen werden. Dass Menschen Akteur*innen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebensphasen – auch im Beruf - sind, in denen unterschiedliche Themen unterschiedliche Prioritäten haben, haben viele Organisationen noch nicht berücksichtigt. Frauen übernehmen, betrachtet man vor allem hetero-orientierte Beziehungen, gleichzeitig auch den größeren Teil der Care-Arbeit. Diese Doppelbelastung ist eine mentale und physische Herausforderung, die ihre Wurzeln nicht in der Frau an sich, sondern in den gesellschaftlichen Gegebenheiten hat.
Zum anderen – und etwas individueller betrachtet – gibt es darüber hinaus die Herausforderung, die knappen Ressourcen „Zeit“ und „Energie“ auf verschiedene Verantwortungsbereiche zu verteilen und immer wieder nachzujustieren. Die beiden Bereiche Familie und Beruf sind natürlich Bereiche, die von beidem viel benötigen.

Sind Frauen aus Ihrer Sicht auch überwiegend für das Gesundheitsmanagement in der Familie verantwortlich – z. B. das Koordinieren von Arztterminen?

Vanessa Jobst-Jürgens: Leider gibt es aufgrund verschiedener historischer Entwicklungen immer noch eine stereotypisierte Verteilung der Verantwortung. Selbst in Elternschaften, die die Care-Arbeit 50/50 aufteilen, sind es immer noch meist Mütter, die sich um Themen wie Geburtstagsgeschenke, Schwimmkurse und eben auch Arzttermine der Kinder oder der ganzen Familie kümmern. Das darf sich gerne im Zuge neuer Vereinbarkeitsmodelle ändern, sodass auch der andere Elternteil hier zukünftig mehr Verantwortung übernimmt.

Halten Sie es für vorteilhaft, einen gemeinsamen Hausarzt für alle Familienmitglieder zu haben?

Vanessa Jobst-Jürgens: Ich halte es für sinnvoll, sofern alle Kinder ein bestimmtes Alter erreicht haben, dass alle Mitglieder der Kernfamilie eine*n gemeinsamen Hausarzt bzw. Hausärztin haben. So fallen wiederkehrende Krankheiten schneller auf oder das Erkennen von Gemeinsamkeiten, bzw. in der Veranlagung der verschiedenen Familienmitglieder, kann so sicherlich positiv zu Behandlungsverläufen beitragen. Für den*die Koordinatoren*in der Arzttermine stellt dies sicherlich ebenfalls eine organisatorische Erleichterung dar.

Ist die allgemeinmedizinische Praxis aus Ihrer Sicht die zentrale Anlaufstelle für die ganze Familie?

Dr. Klaus Tiedemann: Die allgemeinmedizinische Praxis ist die einzige Anlaufstelle für die gesamte Familie. Nirgendwo anders, weder beim Facharzt oder der Fachärztin noch in einer Bereitschaftspraxis oder in einem MVZ mit wechselnden ärztlichen Ansprechpartner*innen, gibt es einen Arzt oder Ärztin, der die gesamte Familie in ihrem bio-psycho-sozialen Kontext kennt.

Welche Rolle spielen Phytopharmaka für Sie bei der Behandlung von funktionellen Magen-Darm-Beschwerden?

Dr. Klaus Tiedemann: Man schätzt, dass 50 Prozent der Patient*innen in der hausärztlichen Praxis keine nachweisbare organische Ursache für ihre geschilderten körperlichen Beschwerden haben. Mit 10 bis 20 Prozent dominieren die funktionellen abdominellen Beschwerden. Die Akzeptanz der Phytotherapeutika bei den Patient*innen nimmt seit Jahren zu. Eine wissenschaftlich belegte Wirkung bei gleichzeitig sehr moderatem Nebenwirkungsprofil, machen die Phytopharmaka bei funktionellen abdominellen Beschwerden für mich zur Wahl Nummer Eins.

Für welche Familienmitglieder bzw. Beschwerdebilder eignet sich eher Iberogast® Classic, für welche eher Iberogast® Advance?

Dr. Klaus Tiedemann: Iberogast® Classic verwende ich bei akuten Beschwerden wie nach "Diätfehlern" (fette oder schwer verdauliche Speisen), ungewohnten Speisen oder Gewürzen im Urlaub oder nach gastrointestinalen Infekten, um die Balance im Verdauungstrakt wieder herzustellen.
Iberogast® Advance findet bei mir Anwendung bei chronisch-rezidivierenden abdominellen Problemen wie Reizmagen oder Reizdarm mit Völlegefühl, Blähungen und Bauchkrämpfen.

Literatur:
1.    Neunter Familienbericht. Eltern sein in Deutschland. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2021: https://www.bmfsfj.de/resource/blob/179392/195baf88f8c3ac7134347d2e19f1cdc0/neunter-familienbericht-bundestagsdrucksache-data.pdf (aufgerufen am 12.10.2022)
2.    Kalitzkus V, et al. Dtsch Arztbl Int 2021;118:844-845
3.    Interview mit Vanessa Jobst-Jürgens und Dr. med. Klaus Tiedemann vom 08.06.2022 im Auftrag der Bayer Vital GmbH

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