Das Ziel: 75 von 100 Patienten überleben ihre Krebserkrankung zehn Jahre

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Krebspatienten sollen die Diagnose früher erhalten, weniger leiden und mehr Lebensqualität erreichen. Krebspatienten sollen die Diagnose früher erhalten, weniger leiden und mehr Lebensqualität erreichen. © photopitu – stock.adobe.com
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Wie können wir erreichen, dass bis zum Jahr 2030 drei Viertel aller Patienten in EU-Ländern mit hochentwickelten Gesundheitssystemen ihre Krebserkrankung mindestens zehn Jahre überleben? Diese Frage stellten sich europäische Spezialisten und entwarfen einen Aktionsplan zur Krebsbekämpfung.

Auch die European Academy of Cancer Sciences (EACS) mit Experten aus verschiedenen Disziplinen – Krebstherapeuten, Krebsforschern, Patienten und Politikern – war an der Ausarbeitung eines Europäischen Aktionsplanes zur Krebsbekämpfung beteiligt. Mit ihren Vorschlägen wird das europäische Forschungsförderprogramm Horizont Europa unterstützt, über das von 2021 bis 2027 rund 100 Milliarden Euro in Forschung und Innovation fließen sollen.

Hohe Belastung für die Gesundheitssysteme

Ein Schwerpunkt von Horizont Europa sind Gesundheitsinnovationen, speziell in der Krebsforschung. Mehr Menschen sollen ohne Krebs leben, Krebspatienten sollen die Diagnose früher erhalten, weniger leiden und mehr Lebensqualität haben. Rund zwölf Millionen Menschen in Europa leben schon jetzt mit oder nach einer Krebserkrankung. Experten befürchten, dass die Krebs-Neuerkrankungsrate in den Ländern der Europäischen Union (EU) von etwa drei Millionen in 2018 auf über vier Millionen im Jahr 2040 ansteigen wird.

Das wird die Gesundheitssysteme auch finanziell stark belas­ten. „Die direkten und indirekten Kosten, die diese Krankheit verursacht, sind schon heute enorm und übersteigen die Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme mancher europäischen Länder“, betont Professor Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums und Mitglied der EACS-Expertengruppe.

Horizont Europa strebt an, dass bis 2030 in EU-Ländern mit einem hochentwickelten Medizinsystem mindestens 75 von 100 Patienten ihre Krebserkrankung zehn Jahre überleben. Diesem Ziel ordnet sich auch der EACS-Aktionsplan unter. Geraten wird zur Gründung von drei transeuropäischen Infrastrukturen.

  • Das Netzwerk Translationale Forschung soll Grundlagen- sowie präklinische Forschung mit der klinischen Forschung verbinden und neue Ansätze bis zu einem „proof of concept“-Stadium weiterentwickeln.
  • Die Infrastruktur für klinische und Präventionsstudien konzipiert weiterführende klinische Studien und verfügt über fortschrittliche Diagnostikeinrichtungen, um Patientengruppen zu stratifizieren.
  • Die Infrastruktur Outcome Research soll die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen und therapeutischen Ansätzen evaluieren.

Die Netzwerke sollen eine enge Kooperation von Wissenschaftlern aus verschiedenen europäischen Ländern ermöglichen und ihnen Zugang zu einer kritischen Masse an Patienten, Bioproben sowie technologischen Ressourcen sichern, heißt es. Ein umfassender translationaler Ansatz mit Fokus auf personalisierte Präzisionsmedizin sei erforderlich, um das Ziel zu erreichen.

Interessenvertreter müssen mit einer Stimme sprechen

Dieser Ansatz müsse eingebettet sein in ein Kontinuum von Krebsforschung, Prävention und Patientenversorgung. Prof. Baumann betont, dass es ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu diesem ehrgeizigen Ziel sei, dass alle relevanten Interessengruppen des Kontinuums Krebsforschung-Prävention-Patientenversorgung mit einer Stimme sprechen: „So können wir qualifizierte Empfehlungen für die Politik abgeben.“ Und politische Entscheidungsträger müssten die Nachhaltigkeit grenz­überschreitender Infrastrukturen und Forschungsnetzwerke sichern. Nur so sei es möglich, die Krebsvorsorge, -behandlung und -versorgung in ganz Europa wirksam zu unterstützen.

Quelle: DKFZ-Information


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