Pflege Personal unter der Untergrenze

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Um den Personalmangel in der Pflege zu bekämpfen, muss der tatsächliche Bedarf verlässlich gemessen werden. (Agenturfoto) Um den Personalmangel in der Pflege zu bekämpfen, muss der tatsächliche Bedarf verlässlich gemessen werden. (Agenturfoto) © pikselstock – stock.adobe.com
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Die gesetzlichen Krankenkassen drängen auf eine bessere Pflege im Krankenhaus. Überlastete Pfleger in der Nachtschicht, wartende Patienten oder Pflege-Dienstpläne, die wegen Personalmangel immer wieder neu geschrieben werden müssten, gehörten in deutschen Kliniken leider zum Alltag.

Vorgeschlagen wird zur Lösung des Problems ein Drei-Säulen-Modell mit Pflegepersonaluntergrenzen, moderner Pflegepersonalbedarfsermittlung sowie bedarfsgerechten Strukturen für bessere Pflege am Bett und mehr Zeit für die Patienten.

Für zwölf pflegesensitive Bereiche sollten eigentlich verpflichtende Mindestvorgaben für Pflegepersonal, sog. Personaluntergrenzen, angewendet werden. In den ersten Bereichen geschah das auch, gestoppt wurde die Umsetzung aber durch die Pandemie. Laut Dr. Wulf-Dietrich Leber, Abteilungsleiter Krankenhäuser beim GKV-Spitzenverband, sind in den 1300 Hospitälern, für die Personaluntergrenzen gelten, im Schnitt 12 % aller Schichten unterbesetzt. In neurologischen Schlaganfall­einheiten sind es sogar 20 %.

„Für die Zukunft brauchen wir ein zuverlässiges Instrument zur Messung des tatsächlichen Pflegepersonalbedarfs auf jeder Station in jedem Krankenhaus“, betont Vorständin Stefanie Stoff-Ahnis. Bis dahin seien die Untergrenzen in Kombination mit der vollständigen Finanzierung jeder neuen Pflegestelle eine praktikable Interimslösung. Laut Gesetzgeber soll das neue Pflegepersonalbemessungsinstrument bis Ende 2024 erarbeitet sein.

Vier Millionen blieben nur für eine Nacht

Kritisch sieht die Kassenspitze auch medizinisch nicht notwendige stationäre Behandlungen. Durch diese verschafften sich Kliniken zusätzliche Einnahmen, doch sie blockierten auch Pflegekräfte. Verwiesen wird auf vier Mio. Aufenthalte auf Station für nur eine Nacht im Jahr 2019. Die Anreize dafür würden beim Schließen unrentabler Kliniken entfallen. Für die Krankenhäuser gebe es keine Ausreden mehr für Nicht-Handeln, denn die Beitragszahlenden der gesetzlichen Krankenversicherung finanzierten mit ihrem Geld die Pflege zu 100 %, so Stoff-Ahnis.

Quelle: Pressekonferenz GKV-Spitzenverband


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