Klimaschutz in der Klinik – wie Krankenhäuser nachhaltiger arbeiten können

Gesundheitspolitik Autor: Isabel Aulehla

Mit dem Projekt „KLIK green“wollen die Initiatoren und die 250 teilnehmenden Kliniken mindestens 100.000 Tonnen CO₂-Äquivalent einsparen. Mit dem Projekt „KLIK green“wollen die Initiatoren und die 250 teilnehmenden Kliniken mindestens 100.000 Tonnen CO₂-Äquivalent einsparen. © Jenny Sturm – stock.adobe.com
Anzeige

Bereits kleinste Maßnahmen können helfen, um den ökologischen Fußabdruck von Kliniken zu reduzieren und ihre Betriebskosten nebenher deutlich zu senken. Ein Projekt des BUND hilft Ärzten und Pflegenden dabei, die richtigen ­Stellschrauben in ihrer Einrichtung zu finden.

Der Gesundheitssektor ist ein oftmals unterschätzter Klima­killer: Insgesamt macht er rund 5 % der deutschen Emissionen aus. Damit Krankenhäuser künftig nachhaltiger arbeiten, hat der „Bund für Umwelt und Naturschutz“ (BUND) gemeinsam mit dem Uniklinikum Jena und der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen das Projekt „KLIK green“ entwickelt. In 250 teilnehmenden Krankenhäusern und Reha-Kliniken werden noch bis April 2022 sogenannte „Klimamanager*innen“ ausgebildet, die konkrete Nachhaltigkeitsziele in ihrer Einrichtung festlegen und planen können. Ziel der Initiatoren ist es, mindestens 100.000 Tonnen CO₂-Äquivalent einzusparen. Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium gefördert.

Die geschulten Mitarbeitenden der Kliniken sollen den Klimaschutz nicht alleine stemmen, sondern als Multiplikatoren dienen, die das Thema in die Teams hineintragen. „Wichtig ist, dass man ein Klimaschutz-Management aufbaut und dass es eine strategische Frage der Geschäftsführung wird, ein klimafreundliches Krankenhaus zu betreiben“, erklärt Annegret Dickhoff, Diplom-Umwelt­technikingenieurin beim BUND und ehemalige Pflegefachkraft. Die Projekte, die die einzelnen Häuser umsetzen, können in eine Online-Datenbank eingetragen werden, die der Inspiration anderer Interessierter dient. Es biete sich an, dort gute Beispiele zu suchen und dann gezielt durch die Einrichtung zu gehen, immer mit der Frage: „Haben wird das schon? Können wir da etwas machen?“, berichtet Dickhoff.

BUND vergibt Zertifikate an energiesparende Kliniken

Klimamanagerinnen und -manager fokussieren sich zwar vorrangig auf Maßnahmen, die keine oder nur eine geringe Investition erfordern. Doch die Online-Datenbank zeigt, dass viele Krankenhäuser durchaus bereit sind, zu investieren: Sie in­stallieren Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach, tauschen die Fenster aus oder sanieren das Gebäude. Wer das zu aufwendig findet, kann bereits viel erreichen, indem er sich etwa für den Tausch von Abfalleimern gegen Sortier­behälter einsetzt.

Einrichtungen, die besonders um Nachhaltigkeit bemüht sind und es schaffen, innerhalb von fünf Jahren mehr als 25 % ihrer CO₂-Emissionen zu reduzieren, können an einem Zertifizierungsprogramm des BUND teilnehmen. Bundesweit erhielten bisher 47 Einrichtungen die Auszeichnung „Energie sparendes Krankenhaus“. Dickhoff weist darauf hin, dass das ökologische Engagement auch ökonomisch äußerst sinnvoll ist: „In jedem der ausgezeichneten Häuser konnten mindestens 100.000 Euro an Betriebskosten pro Jahr eingespart werden, in einigen Fällen sogar bis zu zwei Millionen Euro.“

Die erste Zertifizierung erhielt 2001 das Evangelische Krankenhaus Hubertus in Berlin, das zur „Johannesstift Diakonie“ gehört. Anfangs sei es vor allem darum gegangen, Energie zu sparen, berichtet Dr. ­Matthias Albrecht, Geschäftsführer der Klinik und Kinderarzt. Die Einrichtung habe daher in ein Blockheizkraftwerk investiert, was einen großen ökonomischen Nutzen gehabt habe. Der Arzt begrüßt es, dass sich die Stimmungs­lage zum Klimaschutz verändert hat. „Politisch hat das bisher immer niemanden interessiert. Man hatte zwar wirtschaftliche Vorteile, wenn man Energie eingespart hat, aber sowohl den Krankenhausplanern als auch den Kostenträgern war es leidlich egal“, sagt er.

Wildblumenwiese und Bienenstöcke im Park

Mittlerweile hat die Klinik ihr Engagement für Nachhaltigkeit auf weitere Gebiete ausgeweitet: Das Dach wird begrünt, das Gebäude energetisch saniert und die Bio­diversität auf dem Gelände durch eine Wildblumenwiese und Bienenstöcke gesteigert. Der CO₂-Fußabdruck des Essens soll durch eine klimafreundlichere Wahl beim Einkauf reduziert werden, zudem gibt es einmal pro Woche einen „Greensday“. Die Klinik fängt Regenwasser in einem alten Heizöltank auf, um damit etwa Toilettenspülungen zu betreiben und den Park zu bewässern.

Auch im Einkauf lassen sich wichtige Weichen stellen: „Wenn man Nachhaltigkeitskriterien hier stringent als Richtschnur nutzt, hat das einen ganz erheblichen Impact“, erklärt Dr. Albrecht. Man bewege die Anbieter mit diesem Verhalten dazu, Angaben zum CO₂-Fußabdruck zu machen. Die Einrichtung reduziert klimaschädliche Anästhesiegase bzw. nutzt eine neue Technik, um sie zu recyceln. Im Bereich des Transports stehe man hingegen noch am Anfang. Es werde über Job­räder und Dienstreiseregelungen nachgedacht, berichtet Dr. Albrecht. Die Umstellung der Fahrzeugflotte auf Elektro-Autos sei erheblich aufwendiger.

Politik könnte Nachhaltigkeit durch Budgetanreize fördern

Spätestens bis 2050 will die Johannesstift Diakonie vollständig klima­neutral werden und bis zum Jahr 2030 bereits die Hälfte der Emissionen reduzieren. „Das schaffen wir natürlich nicht alleine, insbesondere, wenn man die Lieferketten betrachtet“, stellt Dr. Albrecht fest. „Daher versuchen wir, auch berufspolitisch aktiv zu sein und beispielsweise mit dem Berliner Senat Investitionsprogramme und Budgetanreize zu schaffen.“

Kongressbericht: 127. Kongress der DGIM

Anzeige