Typ-1-Diabetes belastet die Psyche der gesamten Familie

Gesundheitspolitik Autor: Antje Thiel

Auf den Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes lastet ein immenser psychischer Druck. © iStock/FatCamera

Kinder, die heute die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten, können dank moderner Diabetes­therapie ein hohes Lebensalter erreichen. Zugleich sinkt seit Jahren das durchschnitt­liche Erkrankungsalter.

Wir müssen die betroffenen Kinder auf ein Leben mit 70 bis 80 Jahren Diabetes vorbereiten“, sagte Professor Dr. Karin Lange, Hannover. Für deren Familien bedeutet dies, dass sie tagtäglich eine anspruchsvolle Therapie umsetzen müssen, deren Sinn sich insbesondere kleinen Kindern nicht erschließt – zusätzlich zur normalen Kindererziehung, die auch ohne Diabetes eine schwierige Aufgabe darstellt, mit der immer mehr Eltern überfordert sind.

Auf den Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes lastet ein immenser psychischer Druck, berichtete Prof. Lange mit Blick auf die Ergebnisse der jüngst veröffentlichten AMBA-Studie, in der die Auswirkungen des Typ-1-Diabetes auf psychische Gesundheit und Berufstätigkeit von Müttern untersucht wurden. Darin bezeichneten sich 62 % der Mütter, 42 % der Väter, 47 % der Diabetes-Kinder und 20 % der Geschwisterkinder als infolge des Diabetes psychisch hoch oder sehr hoch belastet.

Prof. Lange kritisierte, Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes würden mit vielen praktischen Herausforderungen des Alltags alleingelassen. Doch damit nicht genug: „Wie können Eltern angesichts dieser Belastungen selbst psychisch gesund bleiben? Wie ihre Partnerschaft erhalten?“, fragte die Psychologin. „In den Freitextfeldern vieler Fragebogen hatten viele Mütter geschrieben, dass sie einige Monate nach der Diagnose vom Vater ihres Kindes verlassen wurden. So etwas kommt bei über 1000 Fragebogen natürlich vor, doch wenn man das gleich mehrfach liest, dann lässt einen das nicht unberührt.“

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