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Wundheilung CO₂-Therapie fördert Perfusion und Oxygenierung

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Zu den Haupteinsatzgebieten der Trockenbadtherapie zählen Extremitätenverletzungen und arterielle Durchblutungsstörungen. Zu den Haupteinsatzgebieten der Trockenbadtherapie zählen Extremitätenverletzungen und arterielle Durchblutungsstörungen. © iStock/Wicki58
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Die lokale Behandlung mit Kohlendioxid ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten. In Form einer Trockenbadtherapie fördert sie Heilungs- und Regenerationsprozesse.

Der Wirkmechanismus einer CO2-Trockenbadtherapie beruht auf der unterschiedlichen Bindungsaffinität von O2 und CO2 zu den Sauerstofftransportsystemen des Blutes. Ein Anstieg der Kohlendioxidkonzentration im peripheren Gewebe führt zu einer vermehrten Abgabe von Sauerstoff. Außerdem wirkt der erhöhte CO2-Partialdruck vasodilatorisch und fördert so die Hautdurchblutung, erklärt Dr. Bernhard Karich von der Unfallchirurgie und Physikalischen Medizin am Heinrich-Braun-Klinikum in Zwickau.

Bei der modernen Trockenbadtherapie werden die zu behandelnden Körperregionen in spezielle Hüllen verpackt. Im nächsten Schritt evakuiert das Therapiegerät die darin noch vorhandene Luft und ersetzt sie durch vorgewärmtes Kohlendioxid. Nach etwa 20 Minuten Einwirkzeit wird das Therapiegas wieder abgelassen.

Zu den Haupteinsatzgebieten der Trockenbadtherapie zählen Extremitätenverletzungen und arterielle Durchblutungsstörungen (s. Kasten). Auch zum CRPS* gibt es inzwischen positive Ergebnisse, die Dr. Karich auf eine Regulierung des vegetativen Nervensystems zurückführt. Kontraindiziert ist die CO2-Anwendung bei schweren pulmonalen Funktionsstörungen mit eingeschränktem Gasaustausch und Malignomen.

Indikationen für Kohlendioxid

  • Weichteilschwellungen nach Fraktur
  • Wundheilungsstörungen
  • schwere Weichteilverletzungen
  • komplexe Läsionen (Fuß, Hand)
  • Z.n. Hauttransplantationen
  • Z.n. Frakturen (zur besseren Heilung)
  • Knochenmarködeme
  • CRPS (Morbus Sudeck)
  • Störung der peripheren Durchblutung (Rauchen, Diabetes)

Ein Therapiebaustein bei vielen Verletzungen

Studien zum Effekt der Trockenbadbehandlung ergaben eine deutliche Verbesserung von Gewebeoxygenierung und Perfusion. Dr. Karich wartet deshalb nicht mehr, bis Wundheilungsstörungen auftreten. Er nutzt die CO2-Anwendung inzwischen als komplementären Therapiebestandteil bei den verschiedensten Verletzungen der unteren Extremitäten. Sie unterstützt die präoperative Weichteilkonditionierung und wird postoperativ während des stationären Aufenthalts täglich durchgeführt. Außerdem kommt sie standardmäßig in der ambulanten Nachbehandlung zum Einsatz. Wundkomplikationen treten seitdem nur noch selten auf, resümiert der Autor.

Besonders hilfreich ist die Therapie nach operativ behandelten Fersenbeinfrakturen. Denn im Rahmen dieser Verletzungen kommt es häufig zu Wund- und Weichteilkomplikationen. Randnekrosen und vor allem Infektionen stellen Betroffene oft auf eine harte Probe. Ein langer Leidensweg lässt sich durch die Trockenbad therapie erheblich verkürzen, wie Dr. Karich aus eigener Erfahrung berichtet.

An der Zwickauer Klinik wurden 2020 zwölf Patienten mit Fersenbeinbrüchen operiert, zwei davon waren beidseitig betroffen. Alle erhielten zur präoperativen Weichteilkonditionierung neben Hochlagerung und lokaler Kryotherapie eine CO2-Trockenbadbehandlung sowie eine manuelle und maschinelle Lymphdrainage.

Keine Wundinfektion mehr nach Calcaneusfraktur

Ergänzt durch Krankengymnastik erfolgten die gleichen Maßnahmen auch nach dem chirurgischen Eingriff. Bei keinem kam es zu einer postoperativen Wundinfektion. Ein Patient (starker Raucher) entwickelte eine kleine Wundrandnekrose, die unter fortgesetzter CO2-Therapie jedoch ohne Infektion verheilte.

* complex regional pain syndrome

Quelle: Karich B. internistische praxis 2022; 65: 77-84 © Mediengruppe Oberfranken – Fachverlage GmbH & Co. KG, Kulmbach

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