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Diabetes in der Schwangerschaft Pränataler Psychostress

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Die pränatale Exposition eines Fetus gegenüber einem mütterlichen Diabetes erhöht das Risiko der Kinder, später eine psychische Störung zu entwickeln. Die pränatale Exposition eines Fetus gegenüber einem mütterlichen Diabetes erhöht das Risiko der Kinder, später eine psychische Störung zu entwickeln. © iStock/lostinbids
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Im Mutterleib mit einem Diabetes konfrontiert zu sein, kann Kinder nicht nur akut in Gefahr bringen. Sie tragen auch ein höheres Risiko für ein späteres psychiatrisches Leiden.

Die pränatale Exposition eines Fetus gegenüber einem mütterlichen Diabetes erhöht das Risiko der Kinder, im späteren Leben eine psychische Störung zu entwickeln, wie ein internationales Forscherteam herausfand. Für ihre populationsbasierte Studie nutzten die Wissenschaftler nationale Registerdaten aus Dänemark. Berücksichtigt wurden sämtliche Lebendgeburten der Jahre 1978 bis 2016, insgesamt mehr als 2,4 Millionen Menschen. Rund 56.000 Kinder waren intrauterin einem mütterlichen Diabetes ausgesetzt. Im Verlauf von bis zu 39 Jahren ermittelte man die Häufigkeit von zehn psychiatrischen Erkrankungen.

Kinder mit pränataler Diabeteserfahrung trugen im Vergleich zu den Sprösslingen nicht-diabetischer Mütter ein um 15 % erhöhtes Risiko für eine psychiatrische Diagnose im späteren Leben. Am stärksten ausgeprägt war die Assoziation zur Schizophrenie mit einem Anstieg um 55 %, gefolgt von intellektuellen Beeinträchtigungen (plus 29 %) und Angsterkrankungen (plus 22 %). Neurologische Entwicklungsdefizite z.B. in Form einer Autismus-Spektrum-Störung sah man zu 16 % häufiger, Verhaltensstörungen einschließlich ADHS traten um 17 % vermehrt auf. Kein Zusammenhang zeigte sich für Substanzmissbrauch, affektive sowie Ess- und Persönlichkeitsstörungen.

Zur Pathogenese verweisen die Wissenschaftler u.a. darauf, dass die durch den mütterlichen Diabetes erzeugte intrauterine Hyperglykämie möglicherweise die Organentwicklung stört. Umso wichtiger ist deshalb eine sorgfältige Einstellung des maternalen Stoffwechsels.

Quelle: Nogueira Avelelar R et al. JAMA Netw Open 2021; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.28005

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