Epileptischer Anfall

Definition

Epileptische Anfälle sind anfallsweise auftretende exzessive Spontanentladungen von Neuronen bzw. Neuronenverbänden des ZNS, die zu motorischen und/oder sensiblen und/oder vegetativen Anfällen bzw. Ausfallserscheinungen führen.

Unter extremen Bedingungen wie z.B. Sauerstoffmangel oder Hypoglykämie kann jeder Mensch einen epileptischen Anfall erleiden. Wie schnell solch ein Anfall ausgelöst wird, hängt unter anderem von der persönliche Anfallsbereitschaft ab. Bis zu 10% der Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens einmal einen epileptischen Anfall. Lassen sich entsprechende Auslöser finden, spricht man von heute von akuten symptomatischen Anfällen (früher auch „Gelegenheitsanfälle“), ist dies nicht der Fall, von unprovozierten Anfällen.

Akute symptomatische Anfälle (ASA):

Nach der Definition sind das klinische Anfälle die im Zusammenhang mit einer akuten allgemeinen Krankheitssituation (z.B. Hypoglykämie) oder in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer akuten Hirnschädigung oder Hypoxie auftreten. Bei etwa 20 bis 30% der Patienten mit ASA muss mit der Entstehung einer Epilepsie gerechnet werden. Fieberkrämpfe bei Kindern gelten als eine Sonderform der ASA.

Fokale und generalisierte Anfälle

Grundsätzlich werden epileptische Anfälle nach der Qualität ihrer Ausbreitung eingeteilt in:

  • - fokale Anfälle ( Übererregung bleibt auf ein Areal beschränkt)
  • - generalisierte Anfälle (Anfallszeichen erstrecken sich über beide Hemisphären)

Generalisierte Anfälle können primär auftreten oder sich sekundär aus fokalen Anfällen entwickeln. Von einer Epilepsie spricht man erst, wenn mindestens zwei nicht provozierte Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden aufgetreten sind oder aber aufgrund einer typischen Befundkonstellation ein Epilepsie-Syndrom diagnostiziert wird.

ICD10-Code: G40-G41

Der Blick ist starr, die Augen verdreht, Arme und Beine krampfen und oft hat der Betroffene Schaum vor dem Mund. Der Anfall dauert etwa zwei Minuten....

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Symptomatik

Epileptische Anfälle dauern in der Regel nicht länger als zwei Minuten. Typischerweise sind die Augen dabei offen, starr, „leer“ oder verdreht. Die Phänomenologie kann erheblich varrieren und reicht z. B. von nur wenige Sekunden dauernden motorischen und sensiblen Phänomenen über Aussetzer (Absencen), Zuckungen einer Extremität (monoklonische Anfälle) bis hin zu komplexeren Bewegungs-und Bewusstseinsphänomenen und klassischen tonisch-klonischen Anfällen.

Vielen Anfällen folgt eine Nachphase (postiktale Phase), die vor allem in höherem Alter auch bis zu 24 Stunden anhalten kann. In dieser Phase können Vigilanzstörungen, Sprachstörungen, Lähmungen, Gedächtnisstörungen, aber auch psychische Störungen wie Depression und in seltenen Fällen psychotische Episoden oder aggressive Zustände auftreten.

Manche Patienten berichten auch über Auren mit psychischen, kognitiven, oder sensorische Sensationen vor oder während des Anfalls.

Untersuchung

Bei einem ersten Anfall muss an erster Stelle beurteilt werden, ob es sich überhaupt um einen epileptischen Anfall gehandelt hat. Dazu sollte eine detaillierte Anfallsbeschreibung durch den Patienten selbst oder Zeugen erfolgen. Ein wichtiges Anfallsdetail, das auch von Laien gut wieder gegeben werden kann, sind die Augen. Sind bei einem Anfall (aus dem Wachen) zu Beginn die Augen geschlossen, spricht dies eher für einen nicht-epileptischen Anfall, es sei denn, es gibt klare Hinweise für einen Anfall. (Video-EEG-Aufzeichnung).

Labor

Laboruntersuchungen:

Die Erhöhung der Creatinkinase (CK) bis zu > 1000 U/l 24-48 Stunden nach einem generalisierten tonisch-klonischen Anfall unterstützt die Diagnose eines epileptischen Anfalls. Hinweise können auch Prolaktinbestimmungen geben – diese sind aber wegen der schwierigen Beurteilung Spezialeinrichtungen vorbehalten.

Ansonsten dienen Laboruntersuchungen (einschließlich Liquordiagnostik) vor allem der Diagnostik zugrundeliegender Grunderkrankungen (z.B. Encephalitis)

Weitere Untersuchungen:

Ist ein epileptischer Anfall wahrscheinlich, sollte ein EEG zum Nachweis epilepsietypsicher Veränderungen durchgeführt werden. Das Fehlen von epilepsietypischen Potenzialen schließt aber eine Epilepsie nicht aus und der Nachweis solcher Potenziale ist nicht beweisend für das Vorliegen einer Epilepsie.

Da ein epileptischer Anfall immer Symptom einer neurologischen Erkrankung sein kann, ist in jedem Fall ein MRT zum Nachweis/Ausschluss epileptogener Läsionen erforderlich.

Differenzialdiagnostik

Wichtige Differentialdiagnosen sind:

  • psychogener nicht-epileptischer Anfall (Augen meist geschlossen)
  • konvulsive Synkope (Augen offen und nach oben gedreht)
  • REM-Schlaf- und Non-REM-Schlafverhaltensstörungen
  • transiente globale Amnesie
  • paroxysmale Bewegungsstörung
  • transitorische ischämische Attacken (TIA)

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Pharmakotherapie und nichtinvasive Therapie

Ein einziger epileptischer Anfall ohne Zusatzbefund stellt nur bei Wunsch des Patienten eine Indikation für eine antiepileptische Therapie (siehe Epilepsie) dar.

Ein epileptischer Anfall, der maximal zwei Minuten dauert, kann nicht unterbrochen werden. Hier geht es vor allem darum, den Patienten z.B. durch eine entsprechende Lagerung vor Selbstverletzungen zu schützen und die Atemwege offen zu halten (falls möglich Entfernung von Zahnersatz, aber keine Applikation von Gegenständen in den Mundraum).

Dauert ein epileptischer Anfall länger als fünf Minuten droht ein Status epilepticus, der immer einen lebensbedrohlichen Notfall darstellt. (siehe Notfalltherapie)

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Notfallmanagement

Nur länger als fünf Minuten dauernde Anfälle oder Anfallsserien sollten zu einer Akutmedikation führen.

Auch von Laien und Rettungssanitätern einsatzbar sind Diazepam rektal (10–20 mg rektal, ggf. wiederholen, max. ca. 30 mg), die nasale Gabe von Midazolam (noch nicht offiziell zugelassen) oder Midazolam buccal (5–10 mg, ggf. wiederholen, max. ca. 20 mg, nur bis zum 18. Lebensjahr zugelassen).

Durch den Notarzt muss nach Legen eines geeigneten Zugangs eine i.v. Erstbehandlung erfolgen und eine rasche Zuweisung des Patienten in eine neurologische Klinik veranlasst werden, die ggf. eine Eskalationstherapie sicherstellen kann. Empfohlen wird als Erstbehandlung die intravenöse Gabe von Lorazepam (0,05 mg/kg i.v. mit einer Infusionsgeschwindigkeit von 2 mg/min).

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Leitlinien

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter

Deutsche Gesellschaft für Neurologie:
Status epilepticus im Erwachsenenalter

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