Bettwanzen: Es kribbelt in der Berghütte

Autor: Friederike Klein

Das Gute an den Krabbeltierchen: Sie übertragen keine Krankheiten. © fotolia/3drenderings

Auch in diesem Jahr haben es die Bettwanzen in die Alpenhütten und in die Schlagzeilen geschafft. Die Quälgeister reisen im Rucksack von Schlafplatz zu Schlafplatz.

Es ist nicht der Mensch, der am Ende der Nahrungskette steht – es sind seine Parasiten. Das sagt Professor Dr. Thomas Herzinger vom Department of Medicine der Queen’s University in Kingston, Ontario. Für ihn führen die Bettwanzen die „Top Ten“ der Ektoparasiten des Menschen an.

Das bekommen Wanderer, die in den Berghütten der Alpen übernachten, immer häufiger zu spüren. Dabei sind nicht fehlende Sauberkeit und Hygiene ausschlaggebend für einen Befall. Die Wanzen werden vielmehr eingeschleppt und durch die Wanderer und Bergsteiger unbemerkt weiter transportiert, betont der Deutsche Alpenverein auf seiner Internetseite. Zudem sind die Unterkünfte durch ihre Bauweise mit einem hohen Holzanteil ein idealer Lebensraum für die Parasiten.

Neun Monate Fasten ist kein Problem

Bettwanzen können 40 Wochen ohne Mahlzeiten überstehen, erläutert Prof. Herzinger. Die Insekten stechen mehrfach hintereinander zu und hinterlassen dabei ein charakteristisches Muster von Stichen, meistens drei. „Sie werden von einer Mahlzeit nicht satt und nehmen Frühstück, Mittag- und Abendessen ein“, beschreibt der Dermatologe. Manchmal kann neben der Lokalreaktion am Stich selbst auch eine allergische Reaktion auf den Wanzenspeichel auftreten. „Bei Juckreiz am ganzen Körper müssen sie nicht davon ausgehen, dass überall Wanzen gestochen haben, sondern dass es eine systemische Reaktion ist“, sagt Prof. Herzinger.

Die gute Nachricht: Bettwanzen (Cimex lectularius, auf der Südhalbkugel auch Cimex hemipterus) übertragen keine Krankheiten. Sie leben ektoparasitisch auf Vögeln und Säugetieren, von deren Blut sie sich ernähren. Zum Leidwesen ihrer Wirte treten sie gerne in Gruppen auf und locken einander dazu mit Pheromonen an.

„Die toughesten sind die Weibchen“, findet Prof. Herzinger. Sie müssen eine „dramatische Penetration“ aushalten: Das Männchen sticht irgendwo in die Kutikula der Partnerin und injiziert dort sein Sperma. Die Spermien gelangen dann über das Lymphsystem in den Geschlechtstrakt des weiblichen Tieres. „Das geschieht sogar mehrfach während des Begattungsakts. Die Weibchen sind nachher richtiggehend durchlöchert“, erklärt der Experte.

Acht von zehn Wanzen sind resistent gegen Pyrethroide

Ein Problem ist die wachsende Resistenz auf Pyrethroide. In den USA soll das schon bei 80 % der Bettwanzen der Fall sein. Es wurde bereits über mehr als 200 Resistenzmutationen berichtet, die beispielsweise zu einer Verdickung der Kutikula oder einer erhöhten Aktivität entgiftender Enzyme führen. „Da müssen Sie einen Profi holen“, betont Prof. Herzinger.

Quelle: 26. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie 2018