
Das große Krabbeln Die Berichte über den Befall mit Bettwanzen häufen sich

Bei den Bettwanzen handelt es sich um Ektoparasiten, die die Haut befallen und Blut saugen. Hierzulande kommt vor allem Cimex lectularis vor, die Gemeine Bettwanze. In den Tropen kommen auch andere Arten vor. Da die nur 4–6 mm großen Tierchen nachtaktiv sind, registrieren Betroffene oft zunächst das Ergebnis des Blutsaugakts, schreiben Dr. Sebastian Wendt, Universitätsklinikum Halle, und Prof. Dr. Christoph Lübbert, Universitätsklinikum Leipzig. So finden sich auf dem Bettlaken, dem Fußboden oder an der Zimmerwand kleine punktförmige dunkle Flecken (Kotspuren), eventuell auch Häutungshüllen. Die Insekten verkriechen sich gerne in enge Ritzen oder Spalten z. B. von Möbeln, Dielenböden, Bilderrahmen bis hin zu Steckdosen.
In befallenen Privatwohnungen, Hotels oder Heimen wird man mit ihnen kaum alleine fertig. Die Autoren empfehlen daher, Profis hinzuzuziehen (zertifizierte Schädlingsbekämpfer, „Kammerjäger“). Deren Aufgabe ist es,
- den Befall zu sichern (auch mithilfe von darauf trainierten „Wanzenhunden“),
- mit Pyrethroiden, Carbamaten und/oder Pyrrolen die Wohnung zu dekontaminieren und
- eventuell eine Wärmeentwesung (Temperaturen > 55 °C) durchzuführen.
An der Haut sieht man lediglich mit Juckreiz und Quaddelbildung (Cimikose) einhergehende Rötungen, die Ähnlichkeit mit Stichen durch anderer Insekten haben können. Aber auch mit Windpocken oder einer allergischen Urtikaria kann das Erscheinungsbild verwechselt werden.
Bei Kindern finden sich die Stiche häufig im Gesicht
Im Allgemeinen sind diese Befunde harmlos, wobei manche Menschen erst nach mehreren Stichen sensibilisiert sind und dann die entsprechenden Hautläsionen aufweisen. Bei Kindern werden häufig das Gesicht, v. a. die Augenlider befallen. Hautbedeckende Kleidung nutzt relativ wenig – die Wanzen stechen einfach hindurch. Nur selten kommt es zu Fieber, Blasenbildung, Lymphknotenbefall, auch eine anaphylaktische Reaktion ist möglich.
Der alleinige Hautbefund erlaubt noch keine sichere Diagnose, optimalerweise kommen die oben beschriebenen Wanzenhinterlassenschaften dazu. Zudem fällt in verwanzten Zimmern ein süßlich-korianderartiger Geruch auf. Dabei handelt es sich um ein Abwehrsekret aus Stinkdrüsen.
Die Therapie erfolgt meist unspezifisch mit Kühlung, lokalen (ggf.systemischen) Antihistaminika, Lokalanästhetika und/oder Zink-Schüttelmixturen. Darunter verschwinden die Rötungen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. Trotz Juckreiz sollte man ausgiebiges Kratzen vermeiden. Denn es können sich im Bereich der Stiche bakterielle Superinfektionen entwickeln, die dann ihrerseits behandelt werden müssen.
Auch wenn die Wanzenstiche an sich ungefährlich sind, können die Betroffenen psychisch erheblich darunter leiden. Eine Meldepflicht für den Befall existiert nicht, sodass sich nur schwer konkrete Aussagen zur Prävalenz treffen lassen. Angesichts wachsender Mobilität dürfte die Verbreitung der Plagegeister aber eher zunehmen.
Hat sich eine Patientin oder ein Patient die Wanzen auf Reisen zugezogen, empfehlen die beiden Autoren, das Gepäck außerhalb der Wohnung zu lagern und den Inhalt auf die kleinen dunklen Pünktchen hin zu inspizieren. Kleidung sollte sofort bei mindestens 60 °C gewaschen werden. Die oft empfohlene Lagerung im Gefrierschrank bei -18 °C halten die Experten für wenig effektiv.
Quelle: Wendt S, Lübbert C. Z Gastroenterol 2024; 62: 469-472; doi: 10.1055/a-2205-3698