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Interstitielle Lungenerkrankung Jeder zweite Patient leidet unter thorakalen Beschwerden

Autor: Birgit Maronde

Besonders sensibel reagierten ILD-Patienten mit thorakalen Schmerzen auf Nadel- und Druckreize. Besonders sensibel reagierten ILD-Patienten mit thorakalen Schmerzen auf Nadel- und Druckreize. © iStock/kazuma seki
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Thorakale Schmerzen sind bei Patienten mit chronischen interstitiellen Lungenerkrankungen ein unterschätztes Symptom. Dafür sprechen die Ergebnisse einer aktuellen Studie.

In die prospektive Untersuchung, die Manuela­ Scherer­, Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen, vorstellte, hatte man 78 Patienten mit chronischer interstitieller Lungenerkrankung (ILD) im Alter über 18 Jahre aufgenommen, die ambulant oder stationär in der Ruhrlandklinik betreut wurden. Eine Intervention innerhalb der vorangegangenen sechs Monate war ein Ausschlusskriterium. Die Vergleichsgruppe umfasste 38 Probanden ohne Lungen-, Schmerz- oder neurologische Erkrankung. 

Um die Lebensqualität und die  Schmerzanamnese abzufragen, nutzten die Wissenschaftler den SF-12* sowie den painDETECT. Um persistierende oder intermittierende thorakale Schmerzen zu erfassen und zu quantifizieren, zogen sie die Numerische Rating Scale sowie die quantitative sensorische Testung (QST) heran. Bei Letzterer wird innerhalb einer Testreihe die Empfindlichkeit gegenüber Kälte, Wärme, Berührung und Schmerzreizen via Nadel und Druck ermittelt. Außerdem erhoben die Studienautoren jeweils die aktuellen Lungenfunk­tionsparameter.

Thorakaler Schmerz insbesondere bei Nadel- und Druckreizen

Es zeigte sich, dass fast jeder zweite ILD-Patient (49 %) thorakale Schmerzen angab. Besonders häufig betroffen waren diejenigen mit Sarkoidose (13 von 18; 72 %). Wie der Vergleich mit gesunden Kontrollen ergab, wiesen die Kranken mit thorakalen Schmerzen eine signifikant geringere Empfindlichkeit in der thermischen Testung auf. Deutlich sensibler reagierten sie dagegen auf Nadel- und Druckreize. Innerhalb der ILD-Gruppe nahmen diejenigen mit Thoraxschmerzen häufiger Opioide ein und ihr psychisches Wohlbefinden war signifikant beeinträchtigt, berichtete Scherer. In der QST fiel eine deutlich höhere Empfindlichkeit gegenüber Nadelreizen auf. Bei Patienten, die mit Steroiden behandelt wurden, war die Empfindlichkeit gegenüber thermischen und Druckreizen vermindert. „Eine reduzierte totale Lungenkapazität ging mit einer verminderten Schmerzschwelle und somit stärkeren Schmerzen einher“, sagte Scherer. 

Als Konsequenz aus den erhobenen Daten forderte die Kollegin, Patienten mit interstitieller Lungenerkrankung explizit nach thorakalen Schmerzen zu fragen. Nur wenn diese frühzeitig erkannt würden und eine rechtzeitige Therapie erfolge, könnten negative Konsequenzen für Lungenfunktion und Lebensqualität verhindert werden.

* 12-Item Short Form Health Survey

Kongressbericht: 61. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

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