Albuminurie-Screening Laborbestimmung toppt Smartphone-App beim großflächigen Einsatz

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Mit welcher Methode sollte eine erhöhte renale Albuminausscheidung gescreent werden? Mit welcher Methode sollte eine erhöhte renale Albuminausscheidung gescreent werden? © Alina.Alina – stock.adobe.com

Auf eine erhöhte renale Albuminausscheidung zu screenen macht Sinn. Aber in welchem Rahmen und mit welcher Methode?

Das Team um Dr. Dominique van Mil vom University Medical Center in Groningen wollte herausfinden, ob Patienten ihren Urin in Eigenregie untersuchen können. 15.000 Freiwillige schickten entweder eine Urinprobe an ein Zentrallabor oder bestimmten den Albumin-Kreatinin-Quotienten selbst mit einem Teststreifen, dessen Ergebnis eine App bewertete. Einer festgestellten Albuminurie folgte ein ausführlicher Check bzgl. Nierenfunktion und kardiovaskulärer Risikofaktoren in der Klinik. Im Falle eines pathologischen Befunds erhielten die Patienten eine Überweisung zum Hausarzt zur weiteren Therapie.

Wenn die Spezifität zu niedrig ist...

Die Ansprechrate lag beim Labortest deutlich höher als beim Heimtest (60 % vs. 44 %), ein erhöhter Wert fand sich bei 3,3 % gegenüber 5,1 %. Gut 80 % folgten der Klinik­einladung. Dort zeigte sich, dass die Spezifität der App (67,9 %) zu niedrig war, um sie als Screening-Tool zu nutzen, und man verzichtete auf die weitere Auswertung ihrer Daten. 

Von den 124 Teilnehmern mit Labortest erhielten u.a. 77 die Erstdiagnose Albuminurie, 27 bekamen eine Nierenfunktionseinschränkung attestiert. 111 Patienten wurden für weitere Schritte an den Hausarzt überwiesen, nur gut die Hälfte ging allerdings tatsächlich in die Allgemeinarztpraxis. Dem Ergebnis stehen Dr. Julio Lamprea-Montealegre und Prof. Dr. Michelle Estrella von der Kidney Health Research Collaborative des Department of Medicine der University of California in San Francisco skeptisch gegenüber. Immerhin zeige die Studie, dass ein breites häusliches Screening machbar sei. Jedoch erscheint ihnen die „Ausbeute“ relativ gering – möglicherweise sei Patienten besser gedient, wenn man nur Hochrisikogruppen zu einem solchen Test einlade.

Quellen:
1.    van Mil D et al. Lancet 2023; DOI: 10.1016/S0140-673(23)00876-0
2.    Lamprea-Montealegre JA, Estrella MM. Lancet 2023; DOI: 10.1016/S0140-673(23)01140-6