Schmerzerkennung ohne Worte Pupilläre Reflexdilatation als Ansatz zur Schmerzdiagnostik
Nicht nur auf Licht, sondern auch auf Schmerzen reagieren Pupillen. Das kann man sich zunutze machen.
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Kann ein Mensch nicht kommunizieren, fällt es schwer, potenziell vorhandene Schmerzen zu beurteilen. Ein Weg aus dem Dilemma ist womöglich die Messung der pupillären Reflexdilatation (PRD). Bei Patientinnen und Patienten in Vollnarkose wurde bereits nachgewiesen, dass die PRD zur Quantifizierung der Nozizeption sinnvoll ist, heißt es im Poster einer Forschungsgruppe um Dr. Nathalie Malewicz-Oeck vom BG Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum. Nun haben die Kolleginnen und Kollegen in einer randomisierten Studie geprüft, ob das Verfahren auch im Wachzustand zuverlässige Ergebnisse liefert.
Bei 30 gesunden Freiwilligen im Durchschnittsalter von 25 Jahren wurde im Bereich des ventralen Unterarms nach einer Ruhephase zunächst ein unangekündigter Schmerzreiz gesetzt. Dann folgten im Abstand von jeweils 5 Minuten ein angekündigter Schmerzreiz, eine Placebo- bzw. Nocebo-Ankündigung ohne Stimulus oder ein nicht schmerzhafter Reiz. 60 Sekunden rund um die einzelnen Stimulationen wurde die pupilläre Reflexdilatation mithilfe eines Pupillometers ermittelt. Außerdem gaben die Probandinnen und Probanden anhand einer numerischen Ratingskala Auskunft über die Intensität der jeweils erlebten Schmerzen.
Es zeigte sich, dass die pupilläre Reflexdilatation nach einem angekündigten Schmerzreiz signifikant größer ausfiel als nach einem nicht schmerzhaften Stimulus. Infolge eines unerwarteten Schmerzreizes war sie deutlich stärker als nach einer Placebo-/Nocebo-Ankündigung oder einem banalen Reiz. Kein Unterschied hinsichtlich der Pupillenreaktion bestand zwischen unangekündigtem und angekündigtem Schmerzreiz, obwohl letzter von den Teilnehmenden als intensiver bewertet wurde. Insgesamt korrelierte die Reflexdilatation signifikant mit der subjektiven Schmerzintensität, hieß es im Posterbeitrag der Forscherinnen und Forscher.
Potenzielle Anwendung in der postoperativen Phase
Anhand der PRD gelingt es also auch bei wachen Personen, zwischen schmerzhaften und banalen Reizen zu differenzieren und die subjektiv empfundene Schmerzintensität abzuschätzen, lautete die Schlussfolgerung der Kolleginnen und Kollegen. Dies könne man sich potenziell bei nicht kommunikationsfähigen Patientinnen und Patienten etwa auf der Intensivstation, in der postoperativen Phase, bei Sedierung, Demenz, Hörstörungen oder auch im Kindesalter zunutze machen.
Deutscher Schmerzkongress 2025